
Reduzierter Pestizideinsatz fördert die Biodiversität
Nach Angaben des Umweltbundesamtes tragen chemische Pflanzenschutzmittel maßgeblich zum Rückgang der Artenvielfalt in landwirtschaftlich genutzten Gebieten bei. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen der Förderinitiative „Pestizidvermeidung“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) elf Projekte unterstützt, die innovative Verfahren für einen möglichst pestizidarmen Ackerbau entwickeln. Das Freiburger Öko-Institut hat die erfolgversprechendsten Ansätze identifiziert und bewertet. Die DBU stellte hierfür Fördermittel in Höhe von rund 220.000 Euro bereit.
Förderinitiative der DBU: Strategien für pestizidarmen Pflanzenbau
Obwohl Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft weiterhin häufig zum Einsatz kommen, beeinträchtigen sie die Biodiversität erheblich. Die DBU-Förderinitiative hat daher elf Projekte unterstützt, die alternative Anbaumethoden mit reduziertem Chemikalieneinsatz erforschen und entwickeln. Das Öko-Institut in Freiburg analysierte die Resultate unter Nachhaltigkeitsaspekten und berücksichtigte dabei Faktoren wie Finanzierbarkeit, Ressourcenverbrauch und Arbeitsaufwand. Die Untersuchung ergab, dass der Verzicht auf Pestizide ökologisch und ökonomisch vorteilhaft sein kann.
Aktuelle Potenziale zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln
- Im Jahr 2021 wurden in Deutschland durchschnittlich 4,1 Kilogramm chemische Pflanzenschutzmittel pro Hektar Ackerland eingesetzt (Quelle: Statista).
- DBU-Generalsekretär Alexander Bonde betont, dass finanzierbare Alternativen zum Schutz vor Ernteausfällen notwendig sind, jedoch zunehmend wirksame Methoden mit geringerem Pestizideinsatz verfügbar sind.
- Elf Projektpartner entwickelten im Rahmen der DBU-Förderinitiative mit einem Gesamtvolumen von etwa drei Millionen Euro diverse Lösungsansätze.
- Das Öko-Institut bewertete die Projekte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und identifizierte mögliche Zielkonflikte, die bei der Umsetzung zu beachten sind.
Förderung von Nützlingen durch Blühstreifen
Eine besonders vielversprechende Methode stellt die Entwicklung von sogenannten Rollwiesen dar, die von der Staatsschule für Gartenbau Stuttgart-Hohenheim konzipiert wurde. Dabei wird eine Matte aus Hanffasern und Schafwolle mit Substrat und einer Saatgutmischung auf kleinen Flächen (ca. 25 Quadratmeter pro Hektar) ausgerollt, um Blühstreifen zu schaffen. Diese fördern gezielt Nützlinge, welche Schädlinge an Nutzpflanzen regulieren. In Versuchen im Kopfsalat-Anbau konnte der Einsatz von Insektiziden dadurch um bis zu zwei Drittel reduziert werden. Gleichzeitig sinken Arbeitsaufwand und Ressourcenverbrauch, während die Artenvielfalt auf den Flächen zunimmt.
Unkrautbekämpfung mittels Heißwasser und Mulch
Weitere Projekte der Förderinitiative beschäftigen sich mit alternativen Methoden zur Unkrautregulierung ohne den Einsatz von Herbiziden. Das Kasseler Startup Tiefgrün precision weeding nutzt Heißwasser, das mithilfe von Kamera und künstlicher Intelligenz gezielt auf Beikräuter gesprüht wird, ohne die Nutzpflanzen zu schädigen. Versuche im Karottenanbau zeigten eine deutliche Reduktion des Unkrautwachstums. Diese Methode kann die chemische oder mechanische Unkrautbekämpfung zwar nicht vollständig ersetzen, entlastet jedoch beide Systeme und ist hinsichtlich Wasserverbrauch und Wirtschaftlichkeit konkurrenzfähig.
Das Technologie- und Förderzentrum Straubing entwickelte einen Mulch aus natürlichen Bestandteilen, der auf den Feldern ausgebracht wird. Die Schicht ist so bemessen, dass Unkraut unterdrückt wird, während die Nutzpflanzen wachsen können. Ursprünglich führte ein hoher Anteil von Rapsöl im Mulch zu erhöhtem Ressourcenverbrauch, was jedoch durch eine neue Variante mit höherem Wasseranteil optimiert wurde, um Zielkonflikte zwischen Umweltschutz und Ressourceneinsatz zu vermeiden.
Nachhaltigkeitsbewertung und Zielkonflikte
Die Nachhaltigkeitsanalyse des Öko-Instituts orientiert sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Die DBU begleitet die Förderinitiative mit externen Fachleuten, um das Bewusstsein für Zielkonflikte bei der Entwicklung neuer Pflanzenschutzverfahren zu schärfen. Dr. Hans-Christian Schaefer, zuständiger DBU-Referent, betont, dass durch vergleichende Nachhaltigkeitsbilanzen oft gezeigt werden kann, dass Zielkonflikte lösbar sind. Dies erleichtert die Akzeptanz nachhaltiger Methoden bei Landwirtinnen und Landwirten.




