
Steinmeier fordert grundlegende Überprüfung von Lebens- und Wirtschaftsweisen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Eurogress Aachen die Notwendigkeit, unsere Lebens- und Wirtschaftsweisen zu hinterfragen, um künftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu sichern. Er stellte klar, dass diese Herausforderung nicht von einzelnen Staaten oder Individuen bewältigt werden könne, sondern nur durch gemeinschaftliches Handeln auf globaler Ebene.
Appell zur kollektiven Verantwortung und Anpassung an den Klimawandel
Steinmeier unterstrich die Bedeutung, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um sich gegen die Folgen der Erderwärmung zu wappnen. Trotz der aktuellen politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen dürfe der Umwelt- und Klimaschutz nicht in den Hintergrund treten. Die Erderwärmung betreffe Europa besonders stark, da sich der Kontinent mehr als doppelt so schnell erwärme wie andere Regionen.
Der Bundespräsident forderte, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und natürliche Ressourcen wie Böden, Wälder, Moore und Meere zu schützen, da diese eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Klimas spielten.
Auszeichnung für technologische Innovation und juristisches Engagement
Der mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Deutsche Umweltpreis wurde in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul und die Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen vergeben. Vossenkaul wurde für seine Fortschritte in der Membranfiltertechnologie zur Abwasserreinigung in Kläranlagen geehrt, während Verheyen für ihre Arbeit zur Durchsetzung rechtlicher Maßnahmen für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit ausgezeichnet wurde.
Steinmeier hob hervor, dass Verheyen vielen Menschen Wege eröffnet habe, um gegen die Folgen des menschengemachten Klimawandels rechtlich vorzugehen. Ihr Engagement habe maßgeblich dazu beigetragen, dass das Bundesverfassungsgericht die Klimaneutralität bis 2045 als verbindliches Ziel festgelegt habe, wodurch auch die Rechte zukünftiger Generationen gestärkt wurden.
Vossenkaul wurde als Pionier technischer Innovation gewürdigt, dessen Membranfiltertechnologie zur Umsetzung der EU-Kommunalabwasser-Richtlinie beiträgt. Diese Richtlinie, die bis Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt werden muss, zielt darauf ab, Mikroplastik, Krankheitserreger und Arzneimittelrückstände aus dem Abwasser zu entfernen. Die von Vossenkaul entwickelte Technologie ermöglicht eine platz- und energiesparende Nachrüstung von Kläranlagen.
DBU-Generalsekretär betont Bedeutung des Schutzes natürlicher Lebensgrundlagen
Alexander Bonde, Generalsekretär der DBU, unterstrich die Notwendigkeit, natürliche Lebensgrundlagen zu erhalten und zu stärken. Die DBU und ihre Tochtergesellschaft DBU Naturerbe fördern entsprechende Projekte und verfügen mit dem Meeresnaturschutzfonds über ein Instrument zum Schutz der Nord- und Ostsee.
Persönliches Fazit des Bundespräsidenten
Steinmeier reflektierte seine langjährige Verbindung zum Deutschen Umweltpreis, den er seit 2017 jährlich verliehen hat. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 habe er die Auszeichnung stets mit Interesse begleitet und die Gelegenheit geschätzt, engagierte Persönlichkeiten mit innovativen Ideen kennenzulernen. Da seine Amtszeit im kommenden Jahr endet, bezeichnete er die heutige Verleihung als seine letzte Teilnahme an diesem Ereignis.
Hintergrundinformationen zum Deutschen Umweltpreis
- Der Deutsche Umweltpreis wird seit 1986 verliehen und zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas.
- Ausgezeichnet werden Personen, die sich in besonderem Maße für den Schutz und Erhalt der Umwelt einsetzen.
- Vorschläge können von Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, wissenschaftlichen Vereinigungen, Forschungseinrichtungen, Medien, Handwerk und Wirtschaftsverbänden eingereicht werden; Eigenbewerbungen sind ausgeschlossen.
- Eine unabhängige Jury empfiehlt die Preisträger, die endgültige Entscheidung trifft das DBU-Kuratorium.
- Weitere Informationen sind unter www.dbu.de/umweltpreis verfügbar.




