
Schutz von Gebäuden und Grundstücken vor Starkregen
Starkregen stellt auch in Gebieten ohne nahegelegene Flüsse eine erhebliche Gefahr für Gebäude dar. Regenwasser kann von Straßen oder Hängen auf Grundstücke gelangen, durch Lichtschächte und Kellertüren ins Innere eindringen oder über tieferliegende Abwasseranschlüsse aus der Kanalisation zurückgedrückt werden. Der aktualisierte Leitfaden „Starkregen – Objektschutz und bauliche Vorsorge“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) identifiziert Schwachstellen und zeigt geeignete Schutzmaßnahmen auf.
Öffentliche und private Vorsorge als gemeinsame Aufgabe
Dr. Peter Jakubowski, Leiter des BBSR, betont die Notwendigkeit einer koordinierten Vorsorge: „Der Schutz vor Starkregenfolgen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und privaten Eigentümern. Die Abwasserentsorgung fällt grundsätzlich in die kommunale Verantwortung, die für eine funktionierende Entwässerungssysteme sorgen muss, um Überflutungen zu verhindern. Zusätzlich sind leistungsfähige Katastrophenschutzmaßnahmen erforderlich, für die Länder und Kommunen gemeinsam zuständig sind. Dennoch reicht öffentliche Vorsorge allein nicht aus. Immobilienbesitzer sind ebenfalls gefordert, geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen. Unser Leitfaden bietet hierfür praxisorientierte Empfehlungen.“
Zielgruppe und Inhalte des Leitfadens
Der Leitfaden richtet sich primär an Eigentümer von Wohngebäuden. Mithilfe von Checklisten können sie ihr Grundstück und Gebäude auf potenzielle Schwachstellen untersuchen, beispielsweise:
- Liegen Kellerfenster oder Eingänge auf niedriger Ebene?
- Fließt Regenwasser direkt auf das Gebäude zu?
- Sind Abwasseranschlüsse gegen Rückstau gesichert?
Auf dieser Basis werden geeignete Schutzmaßnahmen für Bestandsgebäude und Neubauten erläutert.
Praktische Schutzmaßnahmen
Bereits kleine bauliche Anpassungen können die Widerstandsfähigkeit gegenüber Starkregen erhöhen:
- Aufkantungen schützen Lichtschächte und Kellerabgänge vor eindringendem Wasser.
- Mulden oder Bodenschwellen lenken Wasser vom Gebäude weg, ohne benachbarte Grundstücke zu gefährden.
- Rückstausicherungen verhindern das Eindringen von Abwasser aus der Kanalisation und sollten fachgerecht ausgewählt sowie regelmäßig gewartet werden.
- Entsiegelte Flächen und Maßnahmen zur Rückhaltung von Regenwasser auf dem Grundstück verzögern den Abfluss.
Die Effektivität der Maßnahmen hängt von Faktoren wie Gelände, Bodenbeschaffenheit und Gebäudetyp ab.
Vorbereitung auf Starkregenereignisse
Der Leitfaden behandelt auch die Vorbereitung auf mögliche Ereignisse. Dazu zählen regelmäßige Kontrollen von Rückstausicherungen und Dachentwässerungen. Wertvolle Gegenstände und elektrische Geräte sollten möglichst nicht in gefährdeten Kellerräumen aufbewahrt werden. Da Starkregen oft sehr schnell eintritt, ist es entscheidend, dass Schutzmaßnahmen bereits vor dem nächsten Unwetter wirksam sind und auch dann funktionieren, wenn die Bewohner nicht anwesend sind.
Hintergrund und Verfügbarkeit
Der Leitfaden wurde im Rahmen des Innovationsprogramms Zukunft Bau im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des BBSR entwickelt. Die Erstellung erfolgte durch das Ingenieurbüro Reinhard Beck GmbH & Co. KG, die Bergische Universität Wuppertal, das Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e. V. sowie das HochwasserKompetenzCentrum (HKC) e. V.
Der Leitfaden „Starkregen – Objektschutz und bauliche Vorsorge“ steht kostenfrei auf der Website des BBSR zum Download bereit. Gedruckte Exemplare können ebenfalls kostenlos über die Website angefordert werden.
https://www.bbsr.bund.de/leitfaden-starkregen
Kontakt
Christian Schlag
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stab Direktor und Professor
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Deichmanns Aue 31–37
53179 Bonn
Telefon: +49 228 99 401-1484
E-Mail: pressestelle.bbsr@bbr.bund.de
Über das BBSR
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) unterstützt die Bundesregierung als Ressortforschungseinrichtung in den Bereichen Stadt- und Raumentwicklung sowie Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesen.




