Nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft als wirtschaftlicher Vorteil für Unternehmen

Nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft als wirtschaftlicher Vorteil für Unternehmen

Nachhaltigkeit in der Messewirtschaft: Vorteile für Umwelt und Unternehmen

Großveranstaltungen wie Messen setzen beim Aufbau häufig auf Einwegmaterialien, die nach einmaliger Verwendung entsorgt werden. Ein Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück untersucht, wie Kreislaufwirtschaft als nachhaltige und kosteneffiziente Alternative eingesetzt werden kann. Die Zusammenarbeit erfolgt mit der Leipziger Messe und deren Veranstaltung OTWorld, die am heutigen Dienstag beginnt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben mit etwa 150.000 Euro.

Kooperation mit der Leipziger Messe OTWorld

In Deutschland spielen Messen eine zentrale Rolle als Plattformen für Vernetzung und Innovation in verschiedenen Branchen. Der Aufbau dieser Großevents basiert jedoch häufig auf Einwegbauteilen, die nach der Nutzung entsorgt werden. Das Projekt der Hochschule Osnabrück zielt darauf ab, die Vorteile der Kreislaufwirtschaft aufzuzeigen und deren Wirtschaftlichkeit zu belegen. Im Fokus steht die Leipziger Messe und speziell die OTWorld, eine Fachmesse für medizinische Hilfsmittel. Die DBU fördert das Projekt mit rund 150.000 Euro.

Nachhaltige Impulse durch die Messebranche

Nach Angaben des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA) sind für das Jahr 2026 in Deutschland 320 Messen geplant, davon über 160 mit nationaler und internationaler Ausrichtung. Im Jahr 2024 besuchten mehr als elf Millionen Menschen diese Veranstaltungen. Alexander Bonde, Generalsekretär der DBU, betont, dass die Messewirtschaft durch ihre Reichweite eine bedeutende Rolle bei der Förderung nachhaltigen Wirtschaftens einnehmen kann. Zudem eröffne die Umstellung auf eine erweiterte Kreislaufwirtschaft insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen finanzielle Vorteile.

Die Hochschule Osnabrück, vertreten durch Prof. Dr. Kim Werner und Prof. Dr. Kai-Michael Griese, arbeitet an einer Strategie zur Implementierung der Circular Economy in der Messewirtschaft. Dabei werden Möglichkeiten zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung von Bauteilen sowie zur Optimierung von Transport, Lagerung und Aufbau untersucht. Grundlage der Analyse bildet der eigens entwickelte Circular Event Scan, mit dem die Leipziger Messe anhand von etwa 100 Indikatoren auf ihre Zirkularität geprüft wird.

Praxisnahe Erkenntnisse durch die OTWorld

Das Projektteam kooperiert eng mit der Leipziger Messe und nutzt die OTWorld als Fallbeispiel. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Klara Lüttringhaus erläutert, dass umfangreiche Daten zu Materialflüssen und Abläufen bei der Messe gesammelt werden, wobei jeder der über 600 Messestände individuell betrachtet wird. Ziel ist es, die entwickelten Strategien praxisgerecht anzupassen und vor Ort die Akzeptanz für nachhaltige Ansätze zu fördern. Lüttringhaus hebt hervor, dass finanzielle Vorteile für die Messeindustrie ein entscheidendes Argument für die Einführung der Circular Economy sind. Laut ihr ist der Aufbau von Messeständen mit zirkulären Komponenten nicht zwangsläufig teurer als die Nutzung von Einwegmaterialien, was insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen relevant ist.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Prof. Dr. Kim Werner weist auf bestehende Hindernisse hin, die eine nachhaltigere Ausrichtung der Messewirtschaft erschweren. Dazu zählen langjährig etablierte Abläufe sowie zeitliche Restriktionen beim Auf- und Abbau der Stände. Viele Bauteile sind derzeit nur als Einwegprodukte verfügbar, da diese schnell montiert und demontiert werden können. Die Lagerung und der Transport wiederverwendbarer Komponenten stellen für viele Unternehmen aufgrund hoher Kosten eine zusätzliche Herausforderung dar.

Entwicklung eines zirkulären Messestands und Vernetzung der Akteure

Das Projekt verfolgt das Ziel, einen vollständig zirkulären Messestand zu konzipieren, der neben dem Materialeinsatz auch Transport sowie Auf- und Abbauprozesse berücksichtigt. Eine koordinierte Zusammenarbeit verschiedener Messeunternehmen beim Austausch von Mehrwegbauteilen wird angestrebt. Die Herstellung solcher Komponenten könnte neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus der OTWorld sind für das Projekt von großer Bedeutung.

Die Entwicklung der nachhaltigen Messestandkonzepte und der zugehörigen Circular-Economy-Strategie soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Hochschule Osnabrück arbeitet dabei mit zahlreichen Praxispartnern zusammen, darunter der Verband der deutschen Messewirtschaft (AUMA), die Agentur für Nachhaltigkeit der Veranstaltungswirtschaft 2bdifferent, das Unternehmen für Messearchitektur und -management ibm Troschke sowie die Leipziger Gesellschaft für Materialkreisläufe mbH.