

Inbetriebnahme einer Recycling-Anlage für Seltenerdmagnete in Pforzheim
Am 28. April 2026 wurde in Pforzheim die erste europäische Anlage zur Wiederaufbereitung und Herstellung gesinterter Seltenerdmagnete offiziell eröffnet. Die HyProMag GmbH betreibt diese Einrichtung, die Vorprodukte für verschiedene Bereiche der Lieferkette von Permanentmagneten auf Basis Seltener Erden sowohl national als auch international bereitstellt.
Projektbeteiligung und Zielsetzung
HyProMag arbeitet gemeinsam mit dem Steinbeis Europa Zentrum und der Hochschule Pforzheim im Rahmen des EU-Forschungsprogramms „Horizont Europa“ am Projekt „REEsilience“. Insgesamt sind 18 Partner an der Entwicklung einer widerstandsfähigen Lieferkette für Seltenerdmagnete beteiligt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Recyclingstrategien, die als zentrale Maßnahme zur Reduzierung der Abhängigkeit von Primärrohstoffen gelten.
Dr. Jonathan Loeffler, Geschäftsführer des Steinbeis Europa Zentrums, besuchte die Anlage und betonte die Bedeutung der Verbindung von Forschung, Unternehmertum und europäischer Kooperation für die Schaffung nachhaltiger industrieller Infrastruktur. Das Steinbeis Europa Zentrum übernimmt im Projekt die Kommunikation, Verwertung der Ergebnisse sowie die Vernetzung mit weiteren Initiativen und unterstützt zudem das Projektmanagement der Hochschule Pforzheim.
Bedeutung des Recyclings für die europäische Industrie
Seltenerdelemente sind für die EU als kritische Rohstoffe eingestuft, da sie unverzichtbar für zahlreiche Technologien sind, deren Versorgung jedoch durch ökologische, soziale und geopolitische Herausforderungen erschwert wird. Besonders in Neodym-Eisen-Bor-Permanentmagneten (NdFeB) finden diese Elemente Verwendung, die in vielfältigen strategischen Anwendungen eingesetzt werden.
Das Recycling von Seltenerdmagneten trägt wesentlich dazu bei, die Versorgungssicherheit der europäischen Industrie zu erhöhen. Die neue Anlage in Pforzheim ermöglicht die Rückgewinnung von Magnetmaterial aus Altprodukten am Ende ihres Lebenszyklus und liefert recyceltes Ausgangsmaterial für die Herstellung neuer Magnete. Dies unterstützt die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft und stärkt die Resilienz der europäischen Wertschöpfungsketten.
Die Errichtung der Anlage wurde teilweise durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert. Die Einrichtung spielt eine zentrale Rolle bei der Verringerung der europäischen Abhängigkeit von importierten Seltenen Erden und fördert gleichzeitig den Übergang zu CO₂-armen Technologien in den unterstützten Industriezweigen.
Technologische Grundlagen und Anwendungen
Die Anlage nutzt die patentierte HPMS-Technologie (Hydrogen Processing of Magnet Scrap), die an der Universität Birmingham entwickelt wurde. Dieses Verfahren verarbeitet Magnetabfälle mittels Wasserstoff zu recycelbarem Pulver und ermöglicht ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling, bei dem die ursprüngliche Magnetlegierung erhalten bleibt. Dadurch können bis zu 90 % der CO₂-Emissionen im Vergleich zur Primärproduktion eingespart werden, da energieintensive Prozesse wie Metallherstellung und Legierung entfallen.
Neodym-Eisen-Bor-Magnete finden Anwendung in diversen Bereichen, darunter Elektrofahrzeuge, Windenergieanlagen, Luft- und Raumfahrt, Elektronik, medizinische Bildgebung, Robotik, autonome Agrartechnik sowie magnetische Filtration. Ihre hohe Leistungsdichte macht sie besonders für Anwendungen mit Anforderungen an geringes Gewicht, kompakte Bauweise und starke magnetische Eigenschaften geeignet.
Kapazitäten und Ausblick
- Genehmigte Produktionskapazität: bis zu 750 Tonnen NdFeB-Magnete und -Legierungen jährlich
- Startkapazität nach Inbetriebnahme: etwa 100 Tonnen pro Jahr mit schrittweiser Steigerung
- Geplante Erweiterung: bis zu circa 350 Tonnen pro Jahr, weitere Ausbaustufen werden geprüft
Die Eröffnungsveranstaltung wurde von Prof. Dr. Carlo Burkhardt, Mitgründer der HyProMag GmbH, eröffnet und umfasste neben einer Anlagenbesichtigung auch Networking-Gelegenheiten. Redner waren unter anderem Vertreter aus Bundes- und Landesministerien, der Stadt Pforzheim, der Hochschule Pforzheim sowie der Wirtschaftsförderung und Fachgremien.
Statements der Verantwortlichen
Nelson Brito, CEO HyProMag Germany GmbH:
„Seit der Gründung im September 2021 haben wir intensiv auf diesen Moment hingearbeitet. Die Realisierung erforderte Ausdauer und enge Zusammenarbeit mit Partnern. Dieser Meilenstein ist ein bedeutender Beitrag zur regionalen Industrieentwicklung in Baden-Württemberg und ein wichtiger Schritt für den Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten in Deutschland und Europa.“
Prof. Dr. Carlo Burkhardt, Koordinator von REEsilience und Gründer der HyProMag GmbH:
„Nach mehr als zehn Jahren Forschung ist die Inbetriebnahme der Anlage ein wesentlicher Fortschritt für eine nachhaltige, kreislaufwirtschaftliche Versorgung mit Seltenen Erden in Europa. Es ist erfreulich, dass Laborergebnisse nun in industriellem Maßstab umgesetzt werden und Europa seine Abhängigkeit von Primärrohstoffen reduzieren kann.“
Kontaktinformationen
- Steinbeis Europa Zentrum: Maëva Pratlong (maeva.pratlong@steinbeis-europa.de), Eva Kopf (eva.kopf@steinbeis-europa.de)
- Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Prof. Dr. Carlo Burkhardt (carlo.burkhardt@hs-pforzheim.de)




