
Strategien zur Bewältigung von Wasserstress in der Spree-Region
Die Spree und die Wasserversorgung der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg stehen aufgrund sinkender Grundwasserstände, anhaltender Trockenperioden und wachsender Nutzungskonflikte vor erheblichen Herausforderungen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „SpreeWasser:N“, geleitet von der Technischen Universität Berlin, wurden wissenschaftliche Grundlagen und technische Lösungsansätze entwickelt, um Wasser besser zu speichern, Trockenzeiten abzufedern und die Region widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu machen.
Hintergrund und Problemstellung
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2022 bis 2025 mit rund 2,8 Millionen Euro geförderte Projekt untersuchte das etwa 3.500 Quadratkilometer große Einzugsgebiet der Unteren Spree zwischen Spreewald und Berlin. Trotz zahlreicher Gewässer zählt diese Region zu den wasserärmsten Gebieten Deutschlands. Seit der Jahrtausendwende sind die Grundwasserstände lokal um bis zu drei Meter gesunken, was auf ein strukturelles Wasserdefizit hinweist.
Ursachen des Wasserdefizits
- Klimatische Veränderungen: Die Verteilung des Niederschlags hat sich verändert; Regen fällt unregelmäßiger und häufiger in Form von Starkregen. Ausgetrocknete Böden können große Wassermengen kaum aufnehmen, wodurch viel Wasser oberflächlich abfließt und nicht ins Grundwasser gelangt.
- Erhöhte Verdunstung: Steigende Temperaturen führen zu einer erhöhten Verdunstung, die in vielen Jahren den Niederschlag übersteigt und somit eine negative Wasserbilanz verursacht.
- Auswirkungen des Braunkohleausstiegs: Der Wegfall von Sümpfungswassereinleitungen aus Tagebauen in der Lausitz verringert den Wasserzufluss der Spree, insbesondere in trockenen Sommern.
Folgen für die Wasserversorgung und Ökosysteme
Die Talsperre Spremberg, der wichtigste Wasserspeicher der Spree, liefert seit 2018 deutlich weniger Wasser als früher. Zudem sind zahlreiche Seen in Brandenburg von sinkenden Wasserständen betroffen, insbesondere solche ohne stabile Grundwasseranbindung. Ökologische Veränderungen in der Spree zeigen einen Rückgang strömungsliebender Arten und eine Zunahme von Arten stehender Gewässer, was auf eine Veränderung des Flusscharakters hinweist.
Innovative Lösungsansätze und Werkzeuge
- Digitale Wasserspeicher-Toolbox: Dieses im Projekt entwickelte Instrument bündelt hydrologische, hydrogeologische, technische, wirtschaftliche und rechtliche Daten zu verschiedenen Wasserspeichermaßnahmen. Anwender können standortbezogen geeignete Maßnahmen identifizieren und deren Potenziale sowie rechtliche Rahmenbedingungen analysieren.
- Senkenpotenziale: Natürliche Geländesenken und Landschaftsbereiche wurden als temporäre Wasserspeicher für Starkregen oder niederschlagsreiche Monate identifiziert, um Wasser längerfristig in der Region zu halten und Hochwasserspitzen zu reduzieren.
- Künstliche Grundwasseranreicherung (Managed Aquifer Recharge, MAR): Überschüssiges Wasser wird gezielt in den Untergrund eingeleitet und für Trockenzeiten gespeichert. Ein hydrogeologisches 3D-Modell ermöglichte die Identifikation geeigneter Standorte für Injektionsbrunnen.
- Kontrollierte Drainagesysteme: Für landwirtschaftliche Flächen wurden steuerbare Drainagen entwickelt, die Wasser in Trockenzeiten im Boden halten und in feuchten Phasen abführen, um die Bodenfeuchte zu stabilisieren und die Dürreresistenz zu erhöhen.
- Dürre-Frühwarnsystem: Basierend auf hochaufgelösten Klimaprognosen und hydrologischen Modellen wurde ein Online-Tool zur Bewässerungsempfehlung für verschiedene Kulturpflanzen entwickelt, das Wetter, Bodenbedingungen und Bewässerungshistorie berücksichtigt.
Langfristige Risiken durch Salzwasseraufstieg
Geologische Salzablagerungen in großer Tiefe bergen das Risiko, dass salzhaltiges Wasser durch intensive Grundwasserförderung in höhere Grundwasserleiter aufsteigen kann. Modellierungen simulieren diesen Prozess über 20.000 Jahre und untersuchen Möglichkeiten, durch Süßwassereinjektionen hydraulische Barrieren zum Schutz der Trinkwasserressourcen zu schaffen.
Ausblick und Handlungsbedarf
Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts bieten eine fundierte Basis für ein neues regionales Wassermanagement, das auf aktiver Wasserspeicherung und gezielter Nutzung basiert. Für die Umsetzung sind politische Entscheidungen, Investitionen und Pilotprojekte erforderlich. Die Datenbeschaffung stellte eine Herausforderung dar, da viele Informationen nicht digital verfügbar oder politisch sensibel waren, was die Bedeutung von Transparenz und verlässlichen Daten unterstreicht.
Projektpartner und weiterführende Informationen
Am Verbundprojekt „SpreeWasser:N“ waren neben der TU Berlin unter anderem das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das Karlsruher Institut für Technologie, die Freie Universität Berlin sowie weitere Forschungseinrichtungen und Praxispartner beteiligt.
Weitere Details und den vollständigen Projektbericht finden Sie unter: https://www.spreewasser-n.de/
Der Abschlussbericht ist verfügbar unter: https://www.spreewasser-n.de/wp-content/uploads/2026/06/SpreeWasserN_Abschlussbericht_2026.pdf
Kontakt:
Prof. Dr. Irina Engelhardt
Fachgebiet Hydrogeologie
Fakultät VI – Planen Bauen Umwelt
E-Mail: irina.engelhardt@tu-berlin.de
Telefon: +49 30 314-24088




