Regionale Lebenserwartung nach Corona: Von Rekord bis Aufholpotenzial



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20.11.2024 09:00

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Regionale Lebenserwartung nach Corona: Von Rekord bis Aufholpotenzial

Während der Coronapandemie war die Lebenserwartung in allen Regionen Deutschlands gefallen, wobei die Rückgänge in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders stark ausfielen. Eine neue Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) hat erstmals die regionale Lebenserwartung aller Bundesländer bis einschließlich 2023 in den Blick genommen: Auch wenn die meisten Länder weiterhin unter den vor der Pandemie verzeichneten Werten liegen, haben im Jahr 2023 alle einen Anstieg bei der Lebenserwartung erzielen können. Baden-Württemberg erreicht sogar einen neuen Rekord bei den Männern.

Wie die Berechnungen des BiB zeigen, ist die Lebenserwartung 2023 erstmals seit dem Ausbruch der Pandemie wieder in allen Bundesländern gestiegen. In Deutschland hat sich die Lebenserwartung gegenüber 2022 durchschnittlich um 0,4 Jahre erhöht und liegt bei Frauen bei 83,3 Jahren sowie bei Männern bei 78,6 Jahren. Im Vergleich zu 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Pandemie, beträgt der Rückstand bei Frauen und Männern nur noch 0,3 bzw. 0,2 Jahre. Insgesamt stimmen die jüngsten Anstiege optimistisch: „Nachdem Deutschland drei Jahre in Folge Rückgänge bei der Lebenserwartung verzeichnet hat, sind jetzt Anzeichen für eine klare Trendwende erkennbar“, beschreibt die Demografin Dr. Laura Cilek vom BiB die positive Entwicklung.

Nur wenige Bundesländer haben Rückgänge komplett wieder aufgeholt

Auch 2023 hat sich die Lebenserwartung in den Bundesländern mit unterschiedlicher Dynamik entwickelt. Besonders deutlich sind die Anstiege bei der Lebenserwartung gegenüber 2022 in Thüringen (+0,6 Jahre), Rheinland-Pfalz (+0,6 Jahre) und Mecklenburg-Vorpommern (+0,6 Jahre bei Frauen bzw. +0,5 Jahre bei Männern). Diesen Fortschritten zum Trotz haben bislang nur wenige Bundesländer das Niveau aus der Vorpandemiezeit erreicht: Bei den Frauen sind dies Rheinland-Pfalz, Sachsen und Baden-Württemberg, bei den Männern Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Besonders weit entfernt von den Werten von 2019 sind Sachsen-Anhalt und Bremen. Die Untersuchung des BiB belegt, dass gerade in der Bevölkerung über 65 Jahre die Sterblichkeit weiterhin deutlich erhöht ist. In dieser Altersgruppe spielt auch noch im Jahr 2023 Corona als Todesursache eine wichtige Rolle.

Regionale Unterschiede haben sich verfestigt

Spitzenreiter beim Lebenserwartungsniveau bleibt Baden-Württemberg. Dort liegt die Lebenserwartung der Frauen im Jahr 2023 bei 84,2 Jahren, bei Männern bei 80,1 Jahren – damit hat im vergangenen Jahr erstmals ein Bundesland bei den Männern einen Wert von über 80 Jahren erreicht. „Langfristig betrachtet hat sich bei der Lebenserwartung ein Nord-Süd-Gefälle und bei Männern auch ein Ost-West-Gefälle ausgebildet“, so Cilek. Während Baden-Württemberg seit Jahrzehnten die höchste Lebenserwartung in Deutschland vermeldet, liegen aktuell bei den Männern Sachsen-Anhalt und bei den Frauen Bremen und das Saarland am unteren Ende. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, hängen aber stark mit der sozialen und wirtschaftlichen Situation in den Bundesländern zusammen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Laura Ann Cilek LauraAnn.Cilek@bib.bund.de
Michael Mühlichen michael.muehlichen@bib.bund.de
Sebastian Klüsener Sebastian.Kluesener@bib.bund.de


Originalpublikation:

Cilek, Laura Ann; Mühlichen, Michael; Alliger, Ina; Klüsener, Sebastian: Lebenserwartung in Deutschland. Regionale Unterschiede vor, während und nach der Coronapandemie. In: BiB.Aktuell 7/2024.
https://www.bib.bund.de/Publikation/2024/BiB-Aktuell-2024-7.html


Bilder

Lebenserwartung 2023 und Veränderung gegenüber 2022 nach Bundesländern

Lebenserwartung 2023 und Veränderung gegenüber 2022 nach Bundesländern

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


 

Quelle: IDW