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06.01.2026 11:00
Plötzlich gesund
Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.
Tübinger Forschende machen CAR T-Zellen fit gegen aggressive Tumoren
Forschende des Universitätsklinikums Tübingen und des Exzellenzclusters iFIT
haben eine Methode etabliert, um die CAR T-Zelltherapie gezielt zu verbessern.
Durch die Anwendung von CRISPR-Base-Editing, eine abgewandelte Form der
klassischen „Genschere“, welche eine besonders präzise und sichere Gentherapie
ermöglicht, lassen sich Immunzellen so verändern, dass sie Tumorzellen wirksamer
bekämpfen – auch bei bisher schwer zu therapierenden soliden Tumoren. Die
Ergebnisse der im Fachjournal Nature Cancer veröffentlichten präklinischen Studie
könnten neue Wege für personalisierte Krebstherapien eröffnen.
Bei der Therapie mit CAR T-Zellen werden patienteneigene Immunzellen
gentechnisch so verändert, dass sie Tumorzellen erkennen und zerstören können.
Bei Blutkrebserkrankungen zeigt diese Behandlung bereits große Erfolge. Doch bei
einigen Patientinnen und Patienten ist die Wirksamkeit der Therapie nicht
ausreichend, so dass es zu einem Fortschreiten oder Rückfall der Erkrankung kommt.
Bei soliden Tumoren, etwa bei Lungenkrebs oder Brustkrebs, blieb sie bisher
weitgehend erfolglos. Das Team des Tübinger Universitätsklinikums arbeitet nun
daran, diese Hürden zu überwinden.
Präzise Feinanpassung durch Gen-Modifikation
Um die Wirksamkeit der CAR T-Zellen zu erhöhen, nutzten die Forschenden die
sogenannte CRISPR-Base-Editing-Technologie. Mit ihr lassen sich gezielt einzelne
„Buchstaben“ im Erbgut verändern. So können wichtige Signalwege in den Zellen
präzise angepasst werden. „Unsere Methode erlaubt es, CAR T-Zellen fein
abzustimmen und dabei ihre natürlichen Eigenschaften positiv zu beeinflussen“,
erklärt Erstautor der Studie Dr. Philip Bucher. „Damit schaffen wir die Grundlage für
wirksamere und langlebigere Zelltherapien.“
Erfolg auch bei soliden Tumoren
In präklinischen Mausmodellen testete das Team die modifizierten Immunzellen
sowohl bei initialem und wiederkehrendem Blutkrebs nach zunächst erfolgreicher
CAR T-Zell-Therapie als auch beim metastasierten Neuroblastom – der häufigsten
soliden extrakraniellen Krebserkrankung bei Kindern. Dieser seltene, bösartige
Tumor tritt meist im Bauchraum oder Brustkorb auf, und hat seinen Ursprung meist
aus dem Nebennierenmark oder den Nervensträngen entlang der Wirbelsäule. In
diesen schwer zu behandelnden Modellen zeigten die modifizierten Immunzellen
eine deutlich stärkere und länger anhaltende Wirkung als bisherige Ansätze. Damit
liefern die Ergebnisse wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der CAR T-Zelltherapie, insbesondere bei bislang schwer behandelbaren Krebsformen.
Perspektive für künftige Behandlungen
Langfristig könnten solche präzisen Genveränderungen die Anwendung der CAR T-Zelltherapie erheblich verbessern – und mehr Patientinnen und Patienten Zugang zu
innovativen Behandlungsformen ermöglichen. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen,
dass gezielte molekulare Eingriffe die Effektivität von Zelltherapien deutlich steigern
können“, betont Studienleiterin Prof. Dr. Judith Feucht. „Das bringt uns dem Ziel,
Rezidive zu vermeiden und die CAR T-Zell-Therapie auch im Kontext solider
Krebserkrankungen zu etablieren, entscheidend näher“, ergänzt Jun. Prof. Dr. Josef
Leibold, der sich die Studienleitung mit Prof. Feucht teilt. Erstautor Bucher und die
beiden Professoren Feucht und Leibold forschen in Deutschlands einzigem
onkologischen Exzellenzcluster, dem „Image-Guided and Functionally Instructed
Tumor Therapies“, kurz „iFIT“ an der Medizinischen Fakultät der Universität
Tübingen.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Judith Feucht & Jun. Prof. Dr. Josef Leibold
Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s43018-025-01099-7
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
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