
WMO-Bericht 2025: Globale Wasserressourcen und zunehmende Kontinentaltrockenheit
Der aktuelle Bericht der World Meteorological Organization (WMO) mit dem Titel „State of Global Water Resources 2025“ dokumentiert eine zunehmende Destabilisierung des globalen Wasserkreislaufs. Prof. Dr. Robert Reinecke vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der seit Beginn an der Erstellung des jährlich erscheinenden Berichts beteiligt ist, weist darauf hin, dass die auf den Kontinenten gespeicherte Wassermenge stetig abnimmt.
Rückgang der Wasserressourcen auf den Kontinenten
Die Analyse zeigt, dass seit 2021 die Wassermengen in Flüssen weltweit durchgehend geringer sind als im Zeitraum von 1991 bis 2020. Das Jahr 2024 zählt zu den trockensten der letzten 35 Jahre. Im Jahr 2025 führten Flüsse in 36 Prozent der globalen Einzugsgebiete weniger Wasser als im Vergleichszeitraum. Parallel dazu sind die Grundwasserstände an 65 Prozent der Messstationen niedriger als zuvor gemessen worden. Zudem haben Gletscher im vergangenen Jahr etwa 400 Gigatonnen an Masse verloren, was sich unter anderem in katastrophalen Ereignissen wie der kürzlichen Flut in Nepal und Tibet zeigte.
Ursachen: Klimawandel und menschlicher Grundwasserverbrauch
Die Ursachen für die beobachteten Veränderungen liegen laut Prof. Reinecke sowohl im Klimawandel als auch im anthropogenen Verbrauch von Grundwasser. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu verstärkter Verdunstung und Gletscherschmelze führt. Gleichzeitig wird Grundwasser durch menschliche Aktivitäten, beispielsweise zur Bewässerung, in großem Umfang entnommen und gelangt vermehrt in Meere und Atmosphäre. Diese Kombination führt zu einer Austrocknung der Kontinente, wobei das Wasser zwar nicht verloren geht, sich jedoch an Stellen im Wasserkreislauf befindet, die für Menschen und Ökosysteme weniger zugänglich sind.
Erweiterte Datengrundlage und neue Erkenntnisse
Der Bericht zeichnet sich durch eine umfangreichere Datenerhebung aus als frühere Ausgaben. Erstmals wurden unter anderem auch Wassertemperaturdaten berücksichtigt, die 2025 einen deutlichen Anstieg zeigen. Dies hat negative Auswirkungen auf Ökosysteme und die Wasserqualität. Die Arbeitsgruppe von Prof. Reinecke, gemeinsam mit Forschenden der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Global Runoff Database Centre in Koblenz, lieferte wesentliche Modellierungen und Datenanalysen. Insbesondere wurde die Methodik zur Auswertung von Grundwasserdaten mitentwickelt und ein globales Wassermodell weiter verbessert, das auch Grundwasserprozesse abbildet. Mit diesen Modellen werden die Folgen des Klimawandels auf die weltweiten Grundwasserressourcen untersucht.
Kontakt für wissenschaftliche Anfragen
Prof. Dr. Robert Reinecke
Arbeitsgruppe Erdsystemmodellierung
Geographisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Telefon: 06131 39-27875
E-Mail: reinecke@uni-mainz.de
Web: https://erdsysmod.uni-mainz.de/



