Forschungsbasierter Leitfaden zur Förderung des Tierwohls in der Garnelenzucht

Forschungsbasierter Leitfaden zur Förderung des Tierwohls in der Garnelenzucht

Tierwohl in der Garnelenzucht: Ein wissenschaftlich fundierter Leitfaden für nachhaltige Praktiken

Die weltweite Garnelenzucht hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen. Parallel dazu wächst das Interesse der Verbraucher an ethischen und ökologischen Aspekten der Tierhaltung. Insbesondere die Behandlung der Zuchttiere rückt zunehmend in den Fokus, was Produzenten und Handel zu einer Verbesserung ihrer Standards veranlasst. Im Vergleich zu anderen Aquakulturarten, wie der Fischzucht, sind umfassende Bewertungen zum Tierwohl bei Garnelen jedoch noch selten. Vor diesem Hintergrund hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ein frei zugängliches Manual veröffentlicht, das einen leicht anwendbaren morphologischen Index zur Bewertung des Wohlbefindens von Garnelen vorstellt.

Fokus auf die Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei)

Das Manual richtet sich vor allem an Praktiker, Unternehmen und Verbände im Aquakultursektor und soll die Berücksichtigung von Tierwohlaspekten in der Garnelenzucht fördern. Es eignet sich zudem als Referenz für experimentelle Einrichtungen sowie für die regelmäßige Überwachung in Zuchtbetrieben, insbesondere in kleineren Anlagen, in denen standardisierte Protokolle häufig weniger verbreitet sind.

Morphologischer Index zur Tierwohlbewertung

Die Bewertung des Tierwohls orientiert sich an den sogenannten „Fünf Freiheiten“:

  • Freiheit von Hunger und Durst
  • Freiheit von Unbehagen
  • Freiheit von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten
  • Freiheit von Angst und Stress
  • Freiheit, normales Verhalten auszuleben

Obwohl diese Prinzipien ursprünglich für Wirbeltiere formuliert wurden, finden sie zunehmend Anwendung auch bei wirbellosen Tieren in der Aquakultur. Bei Garnelen und verwandten Zehnfußkrebsen wie Krabben und Hummern sind neben den Zuchtbedingungen auch Transport, Besatz, Haltung und Schlachtung entscheidende Faktoren für das Tierwohl.

Das IGB Manual legt den Schwerpunkt auf morphologische Veränderungen, die durch Stress ausgelöst werden. Der entwickelte Index basiert auf eigenen Forschungsergebnissen sowie auf Studien aus der Fachliteratur. Er beinhaltet ausführliche Beschreibungen und Bildmaterial, um eine standardisierte Bewertung zu ermöglichen. Morphologische Schäden werden anhand von Abbildungen veranschaulicht, begleitet von Empfehlungen zu Beobachtungsmethoden. Ergänzend werden Versuchsergebnisse und praktische Beobachtungen vorgestellt, die eine langfristige Überwachung des Gesundheitszustands der Tiere erleichtern.

Einbindung der Fachcommunity

Dr. Sven Würtz, Leiter der Forschungsgruppe „Molekulare Fischphysiologie“ am IGB und Mitautor des Manuals, lädt Fachleute ausdrücklich ein, Rückmeldungen zu geben und ausgefüllte Formulare mit morphologischen Indexdaten einzureichen, um die Datengrundlage zu erweitern. Die Veröffentlichung entstand in Kooperation mit Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, sowie der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem fasst sie die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „CrustaWohl“ zusammen.


Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Dr. Sven Würtz, IGB: https://www.igb-berlin.de/profile/sven-wuertz


Originalpublikation

Health and welfare monitoring in Whiteleg shrimp (Litopenaeus vannamei) aquaculture. IGB Manual, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin.


Weiterführende Informationen

https://www.igb-berlin.de/news/tierwohl-der-garnelenzucht-forschungsbasierter-leitfaden-fuer-nachhaltige-zuchtpraktiken


Bilder

Die Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei)
Die Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei).
Quelle: Mirko Bögner


Anhang

PDF Icon IGB Manual: Health and welfare monitoring in Whiteleg shrimp (Litopenaeus vannamei) aquaculture