Ökologische und wirtschaftliche Vorteile von Blühstreifen und ökologischem Landbau im Winterweizenanbau

Ökologische und wirtschaftliche Vorteile von Blühstreifen und ökologischem Landbau im Winterweizenanbau

Ökologische und ökonomische Bewertung von Blühstreifen und ökologischem Landbau

Blühstreifen mit Wildblumen sowie der ökologische Landbau zählen zu den Agrarumweltmaßnahmen der Europäischen Union, die Landwirte für nachhaltige und umweltfreundliche Bewirtschaftungspraktiken finanziell unterstützen. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Göttingen untersuchte die ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser beiden Anbaumethoden auf Winterweizenflächen. Die Studie zeigte, dass beide Ansätze die Artenvielfalt im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung steigern. Wirtschaftlich erwiesen sich die ökologisch bewirtschafteten Flächen als am rentabelsten. Die Ergebnisse wurden im Journal of Applied Ecology veröffentlicht.

Untersuchungsdesign und ökologische Ergebnisse

Im Rahmen der Studie wurden Winterweizenfelder in neun Landschaften rund um Göttingen über zwei Jahre hinweg analysiert. Dabei wurden drei Bewirtschaftungsformen verglichen:

  • Konventioneller Anbau mit Blühstreifen
  • Konventioneller Anbau ohne Blühstreifen (Kontrollflächen)
  • Ökologischer Landbau

Die ökologisch bewirtschafteten Flächen wiesen die höchste Vielfalt an wildwachsenden Pflanzenarten auf. Blühstreifen erreichten eine ähnliche Artenzahl, da sie gezielt mit ausgesäten Wildblumen bestückt wurden. Die Anzahl der Bienenarten war auf den Blühstreifen dreimal höher als auf den ökologischen Flächen, wobei beide Maßnahmen deutlich mehr Bienen anzogen als die Kontrollflächen. Zudem zeigten Laufkäfer, Spinnen und Schwebfliegen auf den Flächen mit Umweltmaßnahmen eine um 20 bis 30 Prozent höhere Artenvielfalt als auf den konventionellen Kontrollflächen.

Wirtschaftliche Aspekte

Obwohl die Weizenerträge auf den ökologisch bewirtschafteten Feldern um etwa 50 Prozent niedriger lagen, erzielten diese Flächen aufgrund besserer Vermarktungsmöglichkeiten und EU-Förderungen einen um mehr als 150 Prozent höheren Gewinn als die konventionellen Kontrollflächen. Die Erträge und Gewinne der konventionellen Flächen mit Blühstreifen lagen nur geringfügig unter denen der Kontrollflächen, wenn die Fördermittel für die Blühstreifen berücksichtigt wurden.

Erstautor Dr. Péter Batáry, Leiter der Landscape and Conservation Ecology Group am Centre for Ecological Research in Ungarn, weist darauf hin, dass die Blühstreifen vermutlich bevorzugt auf weniger ertragreichen Randflächen angelegt wurden, da die Kontrollflächen im Vergleich fünf Prozent höhere Erträge und 21 Prozent höhere Gewinne erzielten.

Bedeutung der Kombination von Agrarumweltmaßnahmen

Prof. Dr. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen betont, dass ökologischer Landbau und Blühstreifen unterschiedliche Arten fördern und sich somit in ihrer Bedeutung für den Biodiversitätserhalt ergänzen. Die Kombination verschiedener Agrarumweltprogramme stellt einen wichtigen Schritt zur Entwicklung multifunktionaler Agrarlandschaften dar.


Kontaktinformationen der Wissenschaftler

Dr. Péter Batáry
Landscape and Conservation Ecology Group
Institute of Ecology and Botany
MTA–HUN-REN Centre for Ecological Research
2163 Vácrátót, Ungarn
E-Mail: batary.peter@ecolres.hu
Web: https://lace.ecolres.hu/

Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Agrarökologie und Funktionelle Agrobiodiversität
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
E-Mail: ttschar@gwdg.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/92552.html


Publikation

Péter Batáry et al.: Comparing ecological and economic benefits of organic farming and annual flower strips. Journal of Applied Ecology (2026). DOI: 10.1111/1365-2664.70534


Weiterführende Informationen

Pressemitteilung der Universität Göttingen mit Bildmaterial


Bildmaterial

Blühstreifen an konventionell bewirtschaftetem Winterweizen bei Göttingen
Blühstreifen an konventionell bewirtschaftetem Winterweizen bei Göttingen
Quelle: Costanza Geppert