
Kernenergie als Option für schnellen und kostengünstigen Klimaschutz ungeeignet
Eine aktuelle Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes analysiert die Rolle der Kernenergie im globalen Energiesystem im Kontext des Klimawandels. Die Studie bewertet dabei internationale Energieszenarien, nationale Ausbaupläne sowie Aspekte wie Kosten, Flexibilität, Klimarisiken und Umweltwirkungen.
Zentrale Erkenntnisse der Studie
- Obwohl Kernenergie im Lebenszyklus vergleichsweise geringe Treibhausgasemissionen verursacht, eignet sie sich nicht als schnelle, verlässliche und wirtschaftliche Maßnahme zur Reduktion von Emissionen.
- Erneuerbare Energien sind entscheidend für die Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 und dominieren in den untersuchten Szenarien mit einem Anteil von 70 bis 100 Prozent an der Stromerzeugung.
- Der Anteil der Kernenergie bleibt in den Szenarien bis 2050 mit maximal neun Prozent gering, selbst bei ambitionierten nationalen Ausbauplänen ist keine globale Renaissance der Kernkraft zu erwarten.
Kosten und Integration in das Energiesystem
Die Studie zeigt, dass neue Kernkraftwerke deutlich höhere Stromgestehungskosten aufweisen als Wind- und Solarenergie. Für Europa lagen die Kosten im Jahr 2020 zwischen 15 und 19 Cent pro Kilowattstunde, was die Erzeugungskosten von Photovoltaik und Onshore-Windenergie deutlich übersteigt. Prognosen für 2030 sehen eine weitere Kostensteigerung bei Kernkraftwerken, während die Kosten für erneuerbare Energien sinken.
Darüber hinaus sind Kernkraftwerke aufgrund ihrer technischen und wirtschaftlichen Eigenschaften wenig flexibel und daher schlecht geeignet, um die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarenergie auszugleichen. Ein flexibler Betrieb würde die ohnehin hohen Kosten zusätzlich erhöhen.
Realistische Einschätzung der Ausbauziele
Die Studie bewertet auch die Zielsetzung einiger Staaten, die globale Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen. Dies würde eine jährliche Inbetriebnahme von rund 30 Gigawatt über 25 Jahre erfordern – ein Wert, der historisch nie erreicht wurde. Tatsächlich wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten meist weniger als zehn Gigawatt jährlich neu errichtet, was eine Verdreifachung bis 2050 als unrealistisch erscheinen lässt.
Fazit
Neue Kernkraftwerke sind mit hohen Kosten verbunden und können aufgrund langer Bauzeiten nicht rechtzeitig zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Erneuerbare Energien bleiben somit die tragende Säule für ein klimaneutrales Stromsystem.
Weiterführende Informationen
Die vollständige Studie „Climate and environmental impact of nuclear power“ ist auf der Webseite des Öko-Instituts verfügbar: https://www.oeko.de/publikation/climate-and-environmental-impact-of-nuclear-power/
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
- Dr. Christoph Pistner
Leiter des Institutsbereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e. V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-190
E-Mail: c.pistner@oeko.de - Dr. Martin Möller
Senior Researcher im Bereich Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e. V., Büro Freiburg
Telefon: +49 761 45295-256
E-Mail: m.moeller@oeko.de




