

Mobilitätsmonitor 2026: Deutsche fordern bessere Verkehrsinfrastrukturen und zeigen steigendes Interesse an Elektromobilität
Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – verdeutlicht die Prioritäten der deutschen Bevölkerung hinsichtlich Verkehrsinfrastrukturen und Elektromobilität. Demnach wünschen sich vier von fünf Deutschen eine umfassende Sanierung von Brücken, Straßen und Schienen.
Dringender Modernisierungsbedarf bei Verkehrsinfrastrukturen
- 83 % der Befragten bewerten die Erneuerung des Straßennetzes als besonders wichtig.
- 80 % sehen die Sanierung des Schienennetzes als notwendig an.
- 77 % fordern die Instandsetzung von Brücken.
- 71 % sprechen sich für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus.
- 46 % betrachten den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge als Priorität, ein deutlicher Anstieg gegenüber 32 % im Vorjahr.
Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, betont, dass der Sanierungsbedarf bei Verkehrsinfrastrukturen für die Bevölkerung eine hohe Dringlichkeit besitzt. Gleichzeitig zeigt sich eine vorsichtige Zuversicht: 65 % der Befragten erwarten in den kommenden Jahren Fortschritte, wenn auch überwiegend in begrenztem Umfang.
Elektromobilität: Steigende Akzeptanz und wachsendes Potenzial
Das Auto bleibt das dominierende Verkehrsmittel in Deutschland, mit 75 % der Bevölkerung, die es mehrmals wöchentlich nutzen, und 53 %, die täglich darauf zurückgreifen. Das Fahrrad wird von 35 % und der öffentliche Nahverkehr von 25 % regelmäßig genutzt. 77 % bewerten das Auto als unverzichtbar, während 49 % dies für das Fahrrad angeben.
Der Anteil der Personen, die bei ihrem nächsten Fahrzeugkauf ein Elektroauto in Betracht ziehen, ist auf 26 % gestiegen, ein Zuwachs von drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Besonders ausgeprägt ist die Offenheit gegenüber Elektrofahrzeugen bei Personen mit hohem sozioökonomischem Status (46 %), während sie bei niedrigem Status nur 11 % beträgt.
Die Umfrage wurde im Februar 2026 durchgeführt, vor den starken Kraftstoffpreiserhöhungen infolge der Blockade der Straße von Hormus. Bereits im März 2026 stiegen die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen in Europa um 78 % gegenüber dem Vormonat, wobei jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug elektrisch betrieben wird.
Verbesserungswünsche bei Elektroautos umfassen vor allem niedrigere Anschaffungskosten (60 %), größere Reichweite (51 %), kürzere Ladezeiten (49 %) und eine dichtere Ladeinfrastruktur (44 %). Die Sorge um die Reichweite bleibt präsent: Rund 25 % der Befragten schätzen die Reichweite von Elektrofahrzeugen auf unter 400 Kilometer ein, obwohl die meisten aktuellen Modelle diese Distanz überschreiten.
Image der Herstellerländer im Bereich Elektromobilität
China genießt das beste Image als Hersteller von Elektrofahrzeugen, 49 % der Befragten ordnen dem Land den Spitzenplatz zu. Deutschland folgt mit 27 %, Japan und Südkorea erreichen 17 % beziehungsweise 14 %. Die USA liegen bei 8 %, andere Länder bei 1 %. Seit 2025 hat sich der Vorsprung Chinas gegenüber Deutschland trotz positiver Entwicklungen bei deutschen Herstellern deutlich vergrößert.
Thomas Weber, Mitglied des acatech Präsidiums, unterstreicht die Bedeutung eines koordinierten Vorgehens in Deutschland, um Elektromobilität weiter voranzutreiben. Dazu zählen ein verbesserter Zugang zu Ladeinfrastruktur, finanzielle Anreize und attraktive Fahrzeugmodelle. Die aktuellen Kraftstoffpreissteigerungen könnten als zusätzlicher Anreiz dienen, die Elektromobilität zu fördern.
Erwartungen an technische Innovationen im Verkehr
- 74 % der Deutschen glauben, dass technologische Fortschritte den Zugverkehr zuverlässiger machen können.
- 73 % erwarten eine verbesserte Verkehrssteuerung durch Innovationen.
- 58 % erhoffen sich eine bessere Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel durch integrierte Infrastrukturen.
Autonomes Fahren: Akzeptanz mit Vorbehalten
Die Mehrheit der Bevölkerung steht vollautonomen Fahrzeugen skeptisch gegenüber: 79 % äußern Bedenken, einem vollständig selbstfahrenden Pkw zu vertrauen. Im öffentlichen Nahverkehr sind diese Vorbehalte jedoch deutlich geringer. Hingegen besteht großes Interesse an autonomen Assistenzsystemen, die Funktionen wie Brems-, Abstands- und Spurhalteunterstützung bieten.
Informationen zum Mobilitätsmonitor
Der Mobilitätsmonitor 2026 basiert auf 1.052 persönlichen Interviews mit Personen ab 16 Jahren, die im Februar 2026 durchgeführt wurden. Seit 2020 erscheint diese jährliche Erhebung, die Trends und Veränderungen im Mobilitätsverhalten und in der Einstellung der Bevölkerung aufzeigt.




