
Ozean als Klimaregulator: Funktion unter zunehmendem Druck
Der Ozean absorbiert einen erheblichen Anteil des vom Menschen verursachten Kohlendioxids (CO2) sowie der zusätzlichen Wärme, die durch den Klimawandel im Erdsystem verbleibt. Diese Fähigkeit wirkt als Puffer gegen die Erderwärmung, ist jedoch begrenzt und wird durch die fortschreitende Klimaerwärmung beeinträchtigt. Der aktuelle Climate Technology Progress Report 2026 des Copenhagen Climate Centre des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP-CCC) hebt die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in die sogenannte „Ocean Carbon Intelligence“ hervor. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Ozeanbeobachtung, Datenanalyse und Modellierung, die das Verständnis der Kohlenstoffdynamik im Ozean verbessern soll. Der Bericht wird im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP31 veröffentlicht und im Rahmen einer UNEP-Veranstaltung präsentiert.
Rolle des Ozeans im globalen Kohlenstoff- und Wärmekreislauf
Der Ozean nimmt derzeit etwa ein Drittel der anthropogenen CO2-Emissionen sowie rund 90 Prozent der zusätzlich im Erdsystem gespeicherten Wärme auf. Die Prozesse, die diese Klimafunktion ermöglichen, sind jedoch durch die steigenden Temperaturen gefährdet. Der Climate Technology Progress Report 2026 analysiert diese Zusammenhänge und legt den Fokus auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die ozeanische Kohlenstoffsenke.
Martin Krause, Leiter der Abteilung Klimawandel beim UNEP, betont: „Eine Abschwächung der Kohlenstoffaufnahme durch den Ozean führt zu höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, was die Erreichung der Klimaziele erschwert und verteuert. Die Rolle des Ozeans als zeitlicher Puffer im Klimasystem darf nicht als selbstverständlich betrachtet werden.“
Aktueller Zustand der ozeanischen Kohlenstoffsenke
Das Kapitel „State of the Ocean Carbon Sink – Trends, Variability, Mechanisms and Future Change“ wurde von den GEOMAR-Forscherinnen Dr. Nadine Mengis und Dr. Judith Ziegler verfasst. Es beschreibt den Ozean als einen zentralen, jedoch empfindlichen Regulator des globalen Klimasystems.
Judith Ziegler erläutert: „Der Ozean hat bislang etwa 30 Prozent des vom Menschen emittierten CO2 aufgenommen. Aufgrund des Klimawandels verringert sich diese Aufnahme derzeit um rund sechs Prozent. Um diese wichtige Klimafunktion zu erhalten, sind schnelle und deutliche Emissionsreduktionen unerlässlich.“
Ergänzt wird das Kapitel durch die Expertise von Dr. Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), die insbesondere Daten aus dem Global Carbon Budget und regionalen Kohlenstoffbilanzen im Rahmen von RECCAP einbringt. Sie koordiniert die jährliche Abschätzung der ozeanischen CO2-Aufnahme und präsentierte den Zustand der Kohlenstoffsenke beim Online-Launch des Berichts.
Klimaschutztechnologien ergänzen Emissionsminderungen
Ein weiteres Kapitel, verfasst von Dr. Bryce van Dam (Hereon) und Prof. Dr. Christopher Pearce (National Oceanography Centre, UK), widmet sich Technologien zur Überwachung, Steuerung und Stärkung der ozeanischen Kohlenstoffsenke. Der Bericht stellt fest, dass das Interesse an ozeanbasierten Klimaschutzmaßnahmen, wie der Wiederherstellung von Blue-Carbon-Ökosystemen oder marinen CO2-Entnahmeverfahren, zunimmt. Gleichzeitig wird betont, dass diese Technologien lediglich unterstützend wirken können und keine Alternative zu schnellen und dauerhaften Emissionsreduktionen darstellen. Voraussetzungen sind eine fundierte wissenschaftliche Basis, Transparenz, Umweltstandards sowie eine effektive Governance.
Ausbau der „Ocean Carbon Intelligence“ als Schlüssel
Ein zentrales Anliegen des Berichts ist die Förderung der „Ocean Carbon Intelligence“, die Ozeanbeobachtung, Datenanalyse und Modellierung mit internationaler Zusammenarbeit verbindet. Aktuell bestehen erhebliche Defizite bei Messnetzwerken, Datensystemen und dem wissenschaftlichen Verständnis, welche die realistische Einschätzung von Klimarisiken und fundierte politische Entscheidungen erschweren.
Gerechter Zugang zu Ressourcen und Technologie
Der Bericht unterstreicht die Bedeutung eines fairen Zugangs zu Finanzierung, Technologie, Daten und Kapazitätsaufbau, insbesondere für Küstenstaaten und kleine Inselentwicklungsländer (Small Island Developing States). Nur so können ozeanbasierte Klimaschutzmaßnahmen effektiv und gerecht umgesetzt werden.
Nadine Mengis erklärt: „Die CO2-Aufnahme des Ozeans wird von komplexen physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen bestimmt, die regional und zeitlich stark variieren. Zusätzliche Beobachtungen entlang des gesamten Kohlenstoffkreislaufs sind notwendig, um die Kohlenstoffsenke besser zu verstehen und Modelle zu verbessern. Dies erfordert langfristige internationale Kooperationen und verlässliche Ressourcen für Beobachtungsnetzwerke.“
Judith Ziegler wird den Bericht im Rahmen der UNEP-Veranstaltung auf der Weltklimakonferenz in Antalya vorstellen.
Hintergrund: Climate Technology Progress Report
Der Climate Technology Progress Report (CTPR) erscheint jährlich vor der Weltklimakonferenz COP und wird vom Copenhagen Climate Centre des UNEP in Zusammenarbeit mit dem Climate Technology Centre and Network (CTCN) sowie dem Technology Executive Committee (TEC) des UN-Klimarahmens erstellt. Er richtet sich an nationale Planer, Entscheidungsträger sowie Förder- und Entwicklungsorganisationen und analysiert Voraussetzungen und Defizite bei der Entwicklung und dem Transfer von Klimatechnologien. Die Ausgabe 2026 fokussiert Technologien, die den Kohlenstoffeintrag und die langfristige Speicherung im Ozean schützen oder verbessern. Die Erstellung wird vom dänischen Außenministerium unterstützt.
Originalpublikation:
https://unepccc.org/publications/climate-technology-progress-report-2026/
Weitere Informationen:
https://www.geomar.de/n10470 (Bildmaterial zum Download)




