Tuberkulose systematisch bekämpfen: Wie die Umgebung das TB-Risiko prägt



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26.02.2026 11:11

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Tuberkulose systematisch bekämpfen: Wie die Umgebung das TB-Risiko prägt

In einer neuen Studie stellen LMU-Forschende einen Ansatz vor, der Tuberkulose als Folge umfassenderer systemischer Kräfte betrachtet.

Trotz großer Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung ist Tuberkulose (TB) nach wie vor die tödlichste Infektionskrankheit weltweit. In einer neuen Studie, die in The Lancet Global Health veröffentlicht wurde, stellen Forschende der LMU nun das Konzept der „tuberkulogenen Umgebung“ vor: das komplexe Zusammenspiel von Strukturen, Regulierungen und Lebensbedingungen, das bestimmte Gemeinschaften einem hohen TB-Risiko aussetzt, selbst wenn medizinische Versorgung verfügbar ist.

Die Autorinnen und Autoren, darunter die mit der LMU affiliierten Wissenschaftlerinnen Dr. Mikaela Coleman und Professorin Kathrina Kranzer (Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum), nutzten dafür einen systemischen Ansatz, um TB nicht nur als medizinisches Problem zu betrachten, sondern als Folge umfassenderer systemischer Kräfte, die Gesundheit und Vulnerabilität beeinflussen.

Das „tuberkulogene Umfeld“ umfasst demnach Armut, unzureichende Wohnverhältnisse, eingeschränkten Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, schlechtbelüftete öffentliche Infrastruktur und unterfinanzierte Gesundheitsdienste. Mit seinem Ansatz kartiert das Forschungsteam die Akteure und Kräfte – über Sektoren, Institutionen, globale Märkte, kommerzielle Interessen und Umweltbedingungen hinweg –, die die Rahmenbedingungen prägen, unter denen Tuberkulose entstehen kann.

Den Forschenden zufolge wird bei aktuellen Bemühungen zu viel Verantwortung auf diejenigen abgewälzt, die am wenigsten handeln können – Menschen, die von TB betroffen sind, und nationale TB-Bekämpfungsprogramme –, während die übergeordneten Strukturen, welche die Epidemie begünstigen, übersehen werden. Ihre systemwissenschaftliche Perspektive zeigt, dass Entscheidungsträger in vielen Sektoren gemeinsam Verantwortung für die Bekämpfung von TB tragen. Um TB weltweit auszurotten, sind laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern koordinierte Maßnahmen erforderlich, die Gleichberechtigung fördern, die Gesundheit schützen und die Umstände verändern, unter denen TB weiterhin gedeihen kann.

„Wir behandeln Menschen gegen Tuberkulose und schicken sie dann zurück in dieselbe Umgebung, in der sie überhaupt erst daran erkrankt sind – wodurch sich der Kreislauf aus Krankheit und Armut fortsetzt“, sagt Mikaela Coleman, eine der Erstautorinnen. „Diese Umgebungen werden von Kräften und Akteuren geprägt, die über den nationalen TB-Programmen stehen und über einzigartige Einflussmöglichkeiten verfügen, um Gemeinschaften zu schützen, die in Umgebungen mit hohem Tuberkulose-Risiko leben, arbeiten und alt werden. Wir fragen: Wer ist dafür verantwortlich und was könnte man konkret dagegen tun?“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Mikaela Coleman, PhD
Institut für Infektions- und Tropenmedizin
LMU Klinikum
Mikaela.Coleman@med.uni-muenchen.de


Originalpublikation:

https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(25)00478-4/fullt…


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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW