Analyse der Berichterstattung über Landschäden in ukrainischen Medien im Kriegskontext

Analyse der Berichterstattung über Landschäden in ukrainischen Medien im Kriegskontext

Analyse der Berichterstattung über Landschäden in ukrainischen Medien im Kriegskontext

Analyse der Berichterstattung über Landveränderungen in ukrainischen Medien im Kriegskontext

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Alexander Vorbrugg hat die Darstellung kriegsbedingter Veränderungen von Landflächen in ukrainischen (Online-)Medien untersucht. Dabei standen folgende Fragestellungen im Mittelpunkt:

  • Wie werden Schäden an Landflächen beschrieben?
  • Auf welcher Wissensbasis beruhen diese Darstellungen?
  • Welche Auswirkungen hat der Krieg auf die symbolische Bedeutung von Land und auf Zukunftserwartungen?
  • Wie werden materielle Zerstörungen im medialen Diskurs verarbeitet?
  • Welche Vorstellungen von Landschaft entstehen dadurch?

Medien als zentrale Akteure in der Wahrnehmung von Landschäden

Die Untersuchung zeigt, dass Medien eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Informationen über durch militärische Aktivitäten verursachte Schäden an Land und Ökosystemen einnehmen. Insbesondere tragen sie dazu bei, Risiken sichtbar zu machen, die häufig auf technischem und wissenschaftlichem Fachwissen basieren. Die Berichterstattung beeinflusst somit die anschließende wirtschaftliche und wissenschaftliche Bewertung der betroffenen Gebiete.

Die Studie belegt zudem, dass ukrainische Medien Land in einer ambivalenten Funktion darstellen: Einerseits als lebenswichtige Grundlage für Menschen und nicht-menschliche Lebewesen, andererseits als Gefahrenraum, der durch Minen oder chemische Kontamination bedroht ist.

Methodisches Vorgehen: Umweltbezogene Diskursanalyse

Die Ergebnisse beruhen auf einer Diskursanalyse von Medienberichten seit Beginn der russischen Invasion 2022. Im Fokus stand die sprachliche und symbolische Darstellung von Zerstörung und möglicher Wiederherstellung von Landflächen. Die Analyse ermöglichte es, die Differenz zwischen einer strategisch-geographischen Sicht auf Territorien und einer ökologisch-sozialen Wahrnehmung von Land herauszuarbeiten.

Land als Träger kollektiver Identität und nicht-menschliches Kriegsopfer

Ein zentrales Ergebnis ist die Verknüpfung von Land mit nationaler Identität und historischer Erinnerung. „Land wird nicht nur als geografische Fläche wahrgenommen, sondern als lebendiges Medium, das die Spuren des Krieges bewahrt und zugleich die Grundlage für Wiederaufbau und nationale Identität bildet“, erläutert Nataliia Miroshnyk.

In den Medien wird Land somit als ein Element dargestellt, das kriegsbedingte Schäden in die Zukunft trägt, aber auch Potenziale für ökologische Erholung besitzt. Auffällig ist zudem die Darstellung von Land als eigenständiges, nicht-menschliches Opfer des Krieges. Während wissenschaftliche Debatten häufig auf strategische Aspekte fokussieren, heben die Medien die vielfältigen gesellschaftlichen und ökologischen Bedeutungen von Land hervor.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Dimension Land in der internationalen Politik und der Analyse bewaffneter Konflikte künftig stärker berücksichtigt werden sollte.


Kontaktinformationen der Wissenschaftler

Prof. Alexander Vorbrugg
Universität Innsbruck
Telefon: +43-512-507-54014
E-Mail: Alexander.Vorbrugg@uibk.ac.at

Nataliia Miroshnyk
Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS)
Telefon: +49 331 6264-3179
E-Mail: nataliia.miroshnyk@rifs-potsdam.de


Originalpublikation

Vorbrugg, A., Volosko, M., Grabovska, T., Miroshnyk, N., & Polianska, K. (2026): Disrupted Lands and Discursive Shifts: Land in Ukrainian Media After Russia’s Full-Scale Invasion. Global Studies Quarterly. https://doi.org/10.1093/isagsq/ksag109


Weiterführende Informationen

https://www.rifs-potsdam.de/de/news/land-im-kriegskontext-analyse-der-berichterstattung-ukrainischen-medien