Belastung des Berliner Rettungsdienstes durch Hitzewelle im Juni 2026 und Auswirkungen auf Einsatzplanung

Belastung des Berliner Rettungsdienstes durch Hitzewelle im Juni 2026 und Auswirkungen auf Einsatzplanung

Auswirkungen der Hitzewelle im Juni 2026 auf den Berliner Rettungsdienst

Eine Untersuchung der Freien Universität Berlin analysiert die Belastung des Berliner Rettungsdienstes durch die extreme Hitzewelle Ende Juni 2026. Innerhalb von neun Tagen kam es zu etwa 3.000 zusätzlichen Einsätzen, was einem Anstieg von 23 Prozent gegenüber üblichen Sommerwerten entspricht. In einzelnen Bezirken stieg die Einsatzhäufigkeit sogar um mehr als 40 Prozent. Auffällig ist, dass die erhöhte Belastung auch mehrere Tage nach dem Rückgang der Temperaturen anhielt.

Ergebnisse der Studie

Die Studie wurde im Rahmen des Forschungsprojekts ForMed („Forecasting impacts of extreme weather conditions on emergency medical services“) am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, Vorhersagen über die Auswirkungen extremer Wetterereignisse, insbesondere Hitze, auf den Rettungsdienst zu erstellen, um eine bessere Planung von Personal und Ressourcen zu ermöglichen.

Während der Hitzewelle im Juni 2026 wurden an der Wetterstation Berlin-Tempelhof mit 39,9 °C Rekordtemperaturen gemessen. Die Analyse von Daniel Kruppke-Hansen zeigt, dass die Einsatzzahlen vom 24. Juni bis zum 2. Juli um etwa 23 Prozent über den erwarteten Werten lagen. Besonders betroffen waren die zentralen Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Den höchsten Zuwachs verzeichnete Spandau mit über 40 Prozent mehr Einsätzen.

Langfristige Auswirkungen der Hitze

  • Insgesamt wurden rund 15.500 Einsätze registriert, etwa 3.000 mehr als die erwarteten 12.500.
  • Die erhöhte Einsatzrate blieb auch nach dem meteorologischen Ende der Hitzewelle mehrere Tage bestehen.
  • Die verzögerte Wirkung der Hitze auf die Gesundheit führt zu einer anhaltenden Belastung für Rettungsdienste und Krankenhäuser.

Daniel Kruppke-Hansen betont, dass die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze über die eigentliche Hitzewelle hinausgehen und die Belastung für Rettungsdienste nicht unmittelbar mit dem Ende einer Hitzewarnung abnimmt.

Folgen des Klimawandels für die Notfallversorgung

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass solche Einsatzzahlen ohne den aktuellen Klimawandel höchst unwahrscheinlich gewesen wären. Mit der Zunahme extremer Hitzewellen steigt die Bedeutung einer vorausschauenden Vorbereitung des Gesundheitswesens.

Henning Rust, Professor für Statistische Meteorologie an der Freien Universität Berlin, weist darauf hin, dass Hitze nicht nur vulnerable Gruppen betrifft, sondern auch die Einsatzkräfte und andere Berufsgruppen belastet. Dies beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit kritischer Infrastrukturen und des Gesundheitssystems. Datenbasierte Vorhersagemodelle könnten zukünftig Leitstellen, Krankenhäuser und Behörden dabei unterstützen, sich rechtzeitig auf außergewöhnliche Belastungen einzustellen und Ressourcen effizienter zu planen.

Forschungsprojekt ForMed am Institut für Meteorologie

Das Projekt ForMed entwickelt Modelle zur Vorhersage der Belastung des Rettungsdienstes durch Wetterlagen. Dabei werden Einsatzdaten mit meteorologischen Informationen des Deutschen Wetterdienstes verknüpft. Aktuell konzentriert sich die Forschung auf Berliner Daten, mit dem Ziel, die Methodik später auf weitere Regionen auszuweiten.

Ein Prototyp des Modells wird derzeit beim Lagedienst der Berliner Feuerwehr getestet. Während das Modell bei normalen und moderat heißen Bedingungen zuverlässige Prognosen liefert, unterschätzt es bei extremen Temperaturen die tatsächlichen Einsatzzahlen. Dies deutet darauf hin, dass Faktoren wie fehlende nächtliche Abkühlung künftig stärker berücksichtigt werden müssen.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Dipl.-Phys. MSc Daniel Kruppke-Hansen
Institut für Meteorologie, Freie Universität Berlin
E-Mail: daniel.kruppke-hansen@fu-berlin.de

Originalpublikationen