Berghütten im Alpenraum setzen auf Trockentoiletten zur Wassereinsparung und Klimaanpassung

Berghütten im Alpenraum setzen auf Trockentoiletten zur Wassereinsparung und Klimaanpassung

Umstellung von Berghütten auf Trockentoiletten aufgrund des Klimawandels

Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Wasserverfügbarkeit im Alpenraum aus, was auch den Tourismus beeinträchtigt. Wassermangel führt dazu, dass Berghütten häufiger vorzeitig schließen müssen. Um den Wasserverbrauch zu reduzieren, testet der Deutsche Alpenverein (DAV) den Einsatz von Trockentoiletten. Dieses Projekt im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 148.685 Euro gefördert.

Hintergrund und Bedeutung des Projekts

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserressourcen im Hochgebirge sind bereits heute deutlich erkennbar. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde weist darauf hin, dass durch schmelzende Gletscher und abnehmende Schneemengen Phasen extremer Wasserknappheit im Alpenraum zunehmen. Um die Region als Erholungs- und Naturraum zu erhalten, sind nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen notwendig. Die DBU hat bereits in früheren Förderprogrammen Grundlagen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft auf alpinen Schutzhütten geschaffen.

Praktische Umsetzung an der Neuen Prager Hütte

Die Neue Prager Hütte in Osttirol, betrieben vom DAV, musste in den vergangenen Jahren aufgrund leerer Wasserspeicher bereits mehrfach den Sommerbetrieb vorzeitig einstellen. Der Hauptwasserverbrauch resultiert aus Spültoiletten, die pro Spülung sechs bis zehn Liter Wasser benötigen. Im Sommer 2026 wurden diese daher durch Trockentoiletten ersetzt, die keinerlei Wasser verbrauchen. Dadurch spart die Hütte täglich etwa 1000 Liter Wasser ein, was die Betriebsdauer in trockenen Sommern deutlich verlängert.

Dr. Maximilian Hempel, Abteilungsleiter beim DAV, betont, dass das Projekt zur Anpassung an die Klimafolgen beiträgt und gleichzeitig das empfindliche Ökosystem Alpen schützt. Der DAV berichtet, dass viele Sektionen im Sommer 2026 vermehrt von Wasserknappheit betroffen waren und nach Lösungen suchen.

Komfort und technische Details der Trockentoiletten

Die Neue Prager Hütte dient als Modell für andere DAV-Sektionen. Moritz Pfeiffer, verantwortlich für die Hütteninfrastruktur, bestätigt, dass die Trockentoiletten den gewünschten Wassereinsparungseffekt erzielen und von den Gästen als ebenso komfortabel wie herkömmliche Spültoiletten wahrgenommen werden. Durch Solarluftkollektoren wird im Sanitärgebäude ein Luftstrom erzeugt, der Geruchsbelästigungen verhindert.

Der DAV hat zwei Arten von Trockentoiletten installiert:

  • Komposttoiletten, die alle Ausscheidungen in Kompostbehälter leiten
  • Trenntoiletten, die flüssige und feste Bestandteile getrennt erfassen

Flüssigkeiten werden zusammen mit Abwässern aus Küche und Dusche in eine Grauwasserkläranlage geleitet. Die festen Bestandteile werden in reißfesten Bigbags gesammelt, vorgetrocknet und anschließend in einem mehrstufigen Komposter weiterverarbeitet.

Herausforderungen und zukünftige Forschungsfragen

Der Einsatz zweier Systeme hat auch praktische Gründe: Während der Winterraum der Hütte weiterhin genutzt wird, sind die Komposttoiletten wartungsärmer und ganzjährig verfügbar, während die Trenntoiletten nur im Sommer betrieben werden können, da die Feststoffe regelmäßig entsorgt werden müssen.

Das Ziel ist es, das Volumen der Feststoffe zu reduzieren, um den Transport per Materialseilbahn ins Tal zur thermischen Verwertung zu erleichtern. Zudem sollen Erkenntnisse gewonnen werden, welches System für eine einfache und nachhaltige Entsorgung unter den klimatischen Bedingungen in 2800 Metern Höhe am besten geeignet ist.

Der DAV sucht derzeit Forschungspartner, um die Möglichkeiten einer Kompostierung direkt vor Ort am Berg zu untersuchen. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels stellt den Alpenraum vor kontinuierlich neue Herausforderungen.