Langfristige Pflanzennutzung in den Regenwäldern Sri Lankas vor Beginn der Landwirtschaft

Langfristige Pflanzennutzung in den Regenwäldern Sri Lankas vor Beginn der Landwirtschaft

Frühe und intensive Nutzung pflanzlicher Ressourcen in den Regenwäldern Sri Lankas vor der Landwirtschaft

Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht in Nature Ecology & Evolution, analysiert die Ernährungsmuster prähistorischer menschlicher Gemeinschaften in den tropischen Regenwäldern Sri Lankas. Die Studie belegt, dass der Anteil pflanzlicher Nahrung bereits lange vor der Einführung der Landwirtschaft signifikant zunahm.

Methodik und Untersuchungszeitraum

Die Forschung basiert auf der Analyse von menschlichen und tierischen Überresten, die auf einen Zeitraum zwischen etwa 20.000 und 3.000 Jahren datiert sind. Mittels Zinkisotopenanalysen des Zahnschmelzes wurde die trophische Position der Individuen im Nahrungsnetz sowie die Zusammensetzung ihrer Ernährung rekonstruiert.

Ernährungstrends und langfristige Entwicklungen

Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Menschen eine omnivore Ernährungsweise mit einem mittleren trophischen Niveau aufwiesen, welche sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrungsquellen umfasste. Über den Untersuchungszeitraum lässt sich eine schrittweise Verschiebung hin zu einem höheren Anteil pflanzlicher Kost beobachten. Dieser Trend begann im späten Pleistozän und setzte sich bis ins Holozän fort, also deutlich vor den ersten archäologischen Nachweisen von Landwirtschaft in der Region.

Die Befunde sprechen gegen eine plötzliche Einführung der Landwirtschaft als Ursache für veränderte Ernährungsgewohnheiten. Stattdessen deuten sie auf einen langwierigen Prozess der intensiveren Pflanzennutzung durch Jäger- und Sammlergemeinschaften im Regenwald hin.

Archäologische Fundstätten und Analyseverfahren

Die Studie stützt sich auf umfangreiche archäologische Untersuchungen an bedeutenden Fundstätten wie Fa-Hien Lena, Batadomba-lena und Balangoda Kuragala, die eine kontinuierliche menschliche Besiedlung der tropischen Regenwälder über mehrere Jahrtausende dokumentieren. Während frühere Forschungen sich vorwiegend auf jagdliche Aktivitäten konzentrierten, liefert diese Arbeit neue Erkenntnisse zur pflanzlichen Ernährung, die aufgrund der schlechten Erhaltung organischer Materialien in solchen Umgebungen bisher schwer nachweisbar war.

Zur Überwindung dieser methodischen Hürden wurde die Zinkisotopenanalyse (δ⁶⁶Zn) auf Zahnschmelzproben von 24 Menschen und 57 Tieren angewandt. Diese Technik erlaubt eine zuverlässige Bestimmung der trophischen Position und ist besonders für tropische Ökosysteme geeignet.

Bedeutung der Ergebnisse für die Mensch-Umwelt-Interaktion

Die geochemischen Daten verdeutlichen, dass pflanzliche Nahrungsmittel stets einen wesentlichen Bestandteil der menschlichen Ernährung bildeten und deren Anteil im Laufe der Zeit zunahm. Dies weist auf eine graduelle Anpassung und Intensivierung der Ressourcennutzung im Regenwald hin, die nicht unmittelbar mit der späteren Einführung der Landwirtschaft verbunden ist.

Dr. Nicolas Bourgon vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie betont, dass die pflanzliche Nutzung kein kurzfristiges Phänomen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft darstellt, sondern Teil eines langanhaltenden Prozesses ist. Die lokalen Gemeinschaften verstärkten den Gebrauch pflanzlicher Ressourcen bereits Jahrtausende vor der landwirtschaftlichen Entwicklung.

Dr. Oshan Wedage von der Universität Sri Jayewardenepura hebt hervor, dass die archäologischen Befunde eine seltene Gelegenheit bieten, langfristige Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in tropischen Regionen zu erforschen. Die Studie zeigt, wie sich die Ressourcennutzung über die Zeit veränderte, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Pflanzen.

Prof. Patrick Roberts vom MPI-GEA ergänzt, dass tropische Regenwälder keine Barrieren für menschliche Besiedlungen darstellten, sondern vielmehr Lebensräume waren, in denen vielfältige Subsistenzstrategien über lange Zeiträume entwickelt wurden.

Wissenschaftliche und historische Implikationen

Die Untersuchung liefert wichtige Beiträge zur Debatte über die Ursprünge der Landwirtschaft und die Rolle pflanzlicher Ressourcen in der menschlichen Evolution. Die Ergebnisse unterstützen Modelle, die eine allmähliche Entwicklung der Landwirtschaft aus langjährigen Sammelpraktiken heraus annehmen, anstatt eine abrupt eintretende Veränderung der Ernährungsweise.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dr. Nicolas Bourgon
Max-Planck-Institut für Geoanthropologie
Abteilung für Koevolution von Landnutzung und Urbanisierung
E-Mail: bourgon@gea.mpg.de


Quellenangabe der Originalpublikation

Nicolas Bourgon, Marcus Oelze, Noel Amano, Oshan Wedage, Nimal Perera, Patrick Roberts
Pre-agricultural intensification of plant use in Pleistocene Sri Lankan rainforests
Nature Ecology & Evolution
DOI: 10.1038/s41559-026-03082-6