
Bewertung der Reform des EU-Emissionshandelssystems durch das Öko-Institut
Am 17. Juli 2026 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Überarbeitung des EU-Emissionshandels für Energieanlagen und Industrie vorgelegt. Das Öko-Institut analysiert in einem aktuellen Policy Brief die Auswirkungen dieses Reformvorschlags auf die Erreichung der Klimaziele bis 2040. Im Fokus stehen dabei insbesondere die vorgeschlagenen Anpassungen der Emissionsobergrenze (Cap), der Marktstabilitätsreserve (MSR), der Gesamtmenge der ausgegebenen Emissionszertifikate sowie Änderungen im Luftverkehr und die Integration internationaler Zertifikate.
Kernergebnisse der Analyse
- Die Reform der Marktstabilitätsreserve wird grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung bewertet.
- Die frühzeitige Absenkung des linearen Reduktionsfaktors birgt jedoch die Gefahr, dass mehr Emissionszertifikate in den Markt gelangen, was das CO₂-Preissignal abschwächt und die Investitionssicherheit im Klimaschutz beeinträchtigt.
- In der Gesamtschau führt der Vorschlag der Kommission zu einem Überschuss an Zertifikaten, der einen verlässlichen Dekarbonisierungspfad erschwert.
- Diese Entwicklung könnte die Erreichung der EU-Klimaziele für das Jahr 2040 erheblich erschweren.
Stimmen aus dem Öko-Institut
Dr. Johanna Cludius, Expertin für Energie- und Klimaschutz am Öko-Institut, erläutert: „Die Reform der Marktstabilitätsreserve ist grundsätzlich positiv, jedoch besteht das Risiko, dass durch die frühzeitige Anpassung des Reduktionsfaktors mehr Zertifikate in den Markt gelangen, was das Preissignal für CO₂ schwächt und die Investitionssicherheit mindert.“
Jakob Graichen, Spezialist für Emissionshandel, ergänzt: „Der Vorschlag der EU-Kommission führt in der Gesamtheit zu einem Überschuss an Zertifikaten, anstatt einen klaren Pfad zur Dekarbonisierung vorzugeben. Damit wird es für die EU sehr schwierig, die Klimaziele bis 2040 zu erreichen.“
Weiterführende Studien und Informationen
Am 15. Juli 2026 veröffentlichte das Öko-Institut gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln eine Studie, die Empfehlungen für eine umfassende Reform des EU-Emissionshandels 1 gibt. Ziel ist es, die industrielle Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion zu unterstützen.
- Policy Brief „Out of balance“
- Pressemitteilung zur industriepolitischen Begleitung des Emissionshandels
- Studie zu Reform und flankierenden Instrumenten für die Dekarbonisierung der Industrie
Kontakt für Rückfragen
Sabine Gores, stellvertretende Leiterin des Bereichs Energie & Klimaschutz
Telefon: +49 30 405085-325
E-Mail: s.gores@oeko.de
Originalpublikation
Out of Balance: Assessing the 2026 Commission proposal for the EU ETS 1




