Neue Erkenntnisse zur effektiven und sicheren Bekämpfung von Waldbränden

Neue Erkenntnisse zur effektiven und sicheren Bekämpfung von Waldbränden

Waldbrände: Fortschritte in der Bekämpfung durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts TREEADS gemeinsam mit internationalen Partnern bedeutende Erkenntnisse zur Dynamik und Bekämpfung von Waldbränden gewonnen. Diese Erkenntnisse wurden in praxisorientierte Empfehlungen zur Verwendung von Löschwasserzusätzen überführt, um die Effizienz der Brandbekämpfung zu steigern und die Sicherheit der Einsatzkräfte zu verbessern.

Herausforderungen bei Vegetations- und Waldbränden

Vegetations- und Waldbrände stellen Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen in Europa vor wachsende Herausforderungen. Im Fokus der Untersuchungen standen die Ausbreitung von Bränden in verschiedenen Vegetationstypen, die Entstehung von Rauchgasen sowie die Wirksamkeit unterschiedlicher Löschstrategien unter realen Einsatzbedingungen.

Da Löschwasser bei Vegetationsbränden häufig nur begrenzt verfügbar ist, werden oft Zusätze wie Schaum, Netzmittel oder sogenannte Retardants eingesetzt. Diese können den Wasserverbrauch reduzieren und die Löschwirkung verbessern. Entscheidend ist jedoch, dass die Auswahl der Löschmittel und -methoden bereits vor einem Einsatz unter Berücksichtigung möglicher Anwendungsszenarien, Umweltrisiken und örtlicher Gegebenheiten erfolgt.

Entwicklung praxisnaher Handlungsempfehlungen

In Zusammenarbeit mit Einsatzkräften, Fachgremien und Projektpartnern hat das Forschungsteam der BAM praxisorientierte Empfehlungen für Feuerwehren erarbeitet. Diese dienen als Entscheidungsgrundlage für die Planung und Durchführung von Löscheinsätzen und sind im Merkblatt „Einsatz von Löschwasserzusätzen bei Vegetationsbränden“ der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) veröffentlicht.

Freilandversuche und wissenschaftliche Analysen

Die Empfehlungen basieren auf fünf umfangreichen Freilandversuchen, die im Rahmen von TREEADS in einem Kiefernwald in Sachsen-Anhalt sowie auf landwirtschaftlichen Flächen in Brandenburg durchgeführt wurden. Mithilfe moderner Messtechnologien wurden Brandverläufe, Schwelprozesse im Boden und die Entwicklung von Rauch unter realistischen Bedingungen untersucht. Die Ergebnisse wurden Anfang 2026 in der Fachzeitschrift Fire and Materials publiziert.

Die Versuche zeigten, dass Brandverläufe stark von Vegetationstyp, Brennstoffangebot und Witterungsbedingungen abhängen. Während im Kiefernwald langanhaltende Schwelbrände mit intensiver Rauchentwicklung beobachtet wurden, breiteten sich Brände auf landwirtschaftlichen Flächen als schnelle, windgetriebene Flammenfronten aus. Diese Erkenntnisse ermöglichen eine präzisere Vorhersage von Brandverläufen und eine gezielte Anpassung der Einsatzstrategien.

Optimierung von Löschverfahren und Schutzmaßnahmen

  • Test von umweltverträglichen Löschwasserzusätzen auf Tensidbasis
  • Erprobung verschiedener Löschtechniken
  • Entwicklung zweier neuer Düsen zur effizienteren Ausbringung von Löschschaum
  • Neue Erkenntnisse zur Rauchentwicklung zur Verbesserung des Personenschutzes

Die gewonnenen Daten fließen zudem in computergestützte Modelle ein, die eine realistischere Simulation von Vegetationsbränden ermöglichen und helfen, Risiken besser einzuschätzen.

„Waldbrände nehmen durch den Klimawandel an Häufigkeit und Komplexität zu. Für den Schutz von Menschen, Einsatzkräften und Umwelt sind wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen unerlässlich“, erläutert Anja Hofmann-Böllinghaus, Brandforschungsexpertin und Projektkoordinatorin bei der BAM. „Unsere Forschung unterstützt die Verbesserung von Vorhersagen, Einsatzstrategien und der Sicherheit bei der Vegetationsbrandbekämpfung.“

Informationen zum Projekt TREEADS

Im EU-geförderten Projekt TREEADS – Ganzheitliches Brandmanagement-Ökosystem zur Prävention, Erkennung und Wiederherstellung nach Umweltkatastrophen – arbeiten über 40 Institutionen aus Europa und Taiwan zusammen, um ein umfassendes Brandmanagementsystem zu entwickeln. Das deutsche Pilotprojekt unter Leitung der BAM wird zudem von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und OneSeven unterstützt.


Quellen und weiterführende Informationen

Bilder

Freilandversuche zur Bewertung von Waldbrandrisiken und Entwicklung effektiver Schutzmaßnahmen

Bildquelle: BAM