

Zunahme des Wildfleischkonsums in Zentralafrika
In urbanen Gebieten Zentralafrikas steigt der Konsum von Wildfleisch kontinuierlich an. Eine aktuelle Untersuchung, an der das Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour der Universität Konstanz beteiligt war, analysiert die Auswirkungen dieses Trends auf ländliche Regionen, die stark auf Wildfleisch als Nahrungsquelle angewiesen sind.
Ergebnisse der Studie
Die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Langzeitstudie dokumentiert einen signifikanten Anstieg des Wildfleischverbrauchs in Zentralafrika. Während im Jahr 2000 etwa 0,73 Millionen Tonnen Wildfleisch konsumiert wurden, erhöhte sich diese Menge bis 2022 auf rund 1,1 Millionen Tonnen. Besonders in städtischen Gebieten ist der Anstieg deutlich ausgeprägt. Die Forscher warnen, dass diese Entwicklung Wildtierpopulationen gefährden und somit die Ernährungssicherheit in ländlichen Gebieten langfristig beeinträchtigen könnte.
Bedeutung von Wildfleisch für ländliche Regionen
- Wildfleisch stellt in vielen ländlichen Gegenden Zentralafrikas eine wesentliche Proteinquelle dar und deckt etwa 20 % des täglichen Proteinbedarfs.
- Alternativen wie Fleisch aus heimischer Produktion sind oft nur eingeschränkt verfügbar und erschwinglich.
- Die begrenzte tierärztliche Versorgung erschwert die Haltung domestizierter Tiere und kann sich negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken.
- Wildfleisch wird zudem als Statussymbol angesehen und gilt als gesünder im Vergleich zu Fleisch von domestizierten Tieren.
Empfehlungen der Forscher
Mattia Bessone, Ökologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und Leiter der Studie, betont die Bedeutung von Wildfleisch für das sozio-ökonomische Gefüge der Region. Er fordert Maßnahmen zur nachhaltigen Nutzung dieser Ressource, um die Ernährungsziele der Vereinten Nationen zu unterstützen.
Die Studie empfiehlt insbesondere:
- Eine Regulierung des Wildfleischkonsums in städtischen Gebieten.
- Förderung von domestizierten Tierarten wie Geflügel, Rind oder Fisch als alternative Proteinquellen in Städten.
- Investitionen in nationale Ernährungssysteme zur Steigerung der Akzeptanz alternativer Fleischsorten.
- Unterstützung alternativer Einkommensmöglichkeiten für Personen, die derzeit vom Wildfleischhandel leben.
Hintergrundinformationen zur Studie
- Die Untersuchung basiert auf Daten von über 12.000 Haushalten an 252 Standorten in Zentralafrika.
- Kooperationspartner waren unter anderem das Centre for International Forestry Research and World Agroforestry (CIFOR-ICRAF), das Durrell Institute of Conservation and Ecology (DICE), die Universitäten Kent und Stirling, das Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour (CASCB) der Universität Konstanz sowie das Institute for Research on Tropical Ecology (IRET) in Gabun.
- Gefördert wurde die Studie durch das EU-Programm „Sustainable Wildlife Management“ (SWM).
- Mattia Bessone forscht im Bereich Wildtierschutz und Monitoring von Wildtierpopulationen in Zentralafrika.
Quellenangabe
Bessone, M., Ingram, D.J., Abernethy, K. et al.: Increase in wild animal consumption across Central Africa. Nature (2026). DOI: 10.1038/s41586-026-10422-w
Bildmaterial
In der Demokratischen Republik Kongo wird häufig mit Wildfleisch gekocht. (Copyright: Axel Fassio/CIFOR-ICRAF)




