
Neuentdeckung einer nützlichen Bakterienart fördert Wachstum der Futterpflanze Esparsette
Im Julius Kühn-Institut (JKI) wurde eine bislang unbekannte Knöllchenbakterienart an der Wurzel der Futterleguminose Esparsette (Onobrychis viciifolia) identifiziert. Diese Mikroorganismen unterstützen die Pflanze durch Stickstofffixierung und steigern somit ihr Wachstum. Während Leguminosen allgemein für ihre symbiotische Beziehung mit Rhizobien bekannt sind, die ihnen die Stickstoffversorgung ermöglichen, funktioniert diese Partnerschaft nicht in allen Böden oder bei allen Arten gleich effektiv. Die Esparsette, die in Deutschland bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt, könnte durch den Einsatz des isolierten Bakterienstamms Mesorhizobium onobrychidis OM4 künftig besser gedeihen.
Herausforderungen beim Anbau der Esparsette
Dr. Torsten Thünen vom JKI erläutert, dass die Esparsette trotz ihrer positiven Eigenschaften in der Tierernährung und im Agrarökosystem nur selten angebaut wird. Die Gründe hierfür liegen in den hohen Ansprüchen der Pflanze an den Standort, einer empfindlichen Jugendentwicklung sowie ihrer eingeschränkten Konkurrenzfähigkeit in Mischkulturen. Ein wesentlicher Faktor ist die unzuverlässige Stickstoffversorgung durch die mit der Pflanze assoziierten Rhizobien, wie in der Fachliteratur beschrieben.
Isolierung und Wirkung des neuen Bakterienstamms
Im Rahmen eines vom JKI koordinierten Projekts (Förderkennzeichen 22402216, unterstützt durch die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, FNR) isolierte Dr. Samad Ashrafi den neuen Bakterienstamm Mesorhizobium onobrychidis OM4 aus den Wurzelknöllchen der Esparsette. In Inokulationsversuchen führte dieser Stamm zu einer bis zu vierfachen Steigerung der Biomasse im Vergleich zu unbehandelten Kontrollpflanzen. Weitere isolierte Mesorhizobium-Stämme zeigten ebenfalls wachstumsfördernde Effekte, jedoch erzielte OM4 die besten Resultate.
Kommerzielle Weiterentwicklung und Markteinführung
Die positiven Laborergebnisse führten dazu, dass das JKI den Bakterienstamm einer Saatgutfirma präsentierte, die unter anderem die einzige deutsche Esparsette-Sorte vertreibt. Die Firma bestätigte die wachstumsfördernde Wirkung von M. onobrychidis OM4 durch eigene Versuche und entschied sich, den Stamm als kommerzielles Inokulum für den Esparsettenanbau zu vermarkten. Im April 2026 wurde eine Übertragungsvereinbarung zwischen dem JKI und der Firma Feldsaaten Freudenberger in Krefeld unterzeichnet. Die Produktentwicklung läuft bereits, eine Markteinführung ist für die Saison 2026 geplant.
Informationen zur Esparsette (Onobrychis viciifolia)
- Die Esparsette ist eine eiweißreiche Futterleguminose, die von Versuchstieren gut angenommen wird.
- Sie zeichnet sich durch hohe Verdaulichkeit und eine nicht blähende Wirkung aus.
- Die Pflanze besitzt eine anthelmintische Wirkung, die vor parasitären Nematoden schützt.
- Diese Eigenschaften sind auf den hohen Gehalt an kondensierten Tanninen zurückzuführen.
- Mit einer Blütezeit von Mai bis September lockt sie zahlreiche Bestäuber an und fördert Honigerträge bei Bienen.
- Der Name Onobrychis stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Esel, der gefräßig frisst“; im Französischen und Englischen wird sie als „sainfoin“ bezeichnet, was „gesundes Heu“ bedeutet.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Torsten Thünen
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
Bundesallee, 38116 Braunschweig
Telefon: 0531/596-2317
E-Mail: torsten.thuenen@julius-kuehn.de
Referenz zur Originalpublikation
Fachartikel in „Microbiology Spectrum“:
Two New Rhizobiales Species Isolated from Root Nodules of Common Sainfoin (Onobrychis viciifolia) Show Different Plant Colonization Strategies
DOI: https://doi.org/10.1128/spectrum.01099-22


