Sieben neue Wildbienenarten in Niedersachsen entdeckt durch Julius Kühn-Institut und Partner

Sieben neue Wildbienenarten in Niedersachsen entdeckt durch Julius Kühn-Institut und Partner
Sieben neue Wildbienenarten in Niedersachsen entdeckt durch Julius Kühn-Institut und Partner

Entdeckung von sieben neuen Wildbienenarten in Niedersachsen

Im Rahmen einer umfassenden Studie, die von der Biologischen Schutzgemeinschaft (BSG) in der Vereinigung für Umwelt- und Naturschutz zu Göttingen e.V. koordiniert wurde, sind insgesamt 40 bemerkenswerte Wildbienenarten für Niedersachsen dokumentiert worden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Artenfocus Niedersachsen“ veröffentlicht. Darunter befinden sich sieben Arten, die erstmals in Niedersachsen nachgewiesen wurden. Drei dieser Erstnachweise gehen auf Forschende des Julius Kühn-Instituts (JKI) für Bienenschutz in Braunschweig zurück.

Erstnachweise durch das Julius Kühn-Institut

Henri Greil vom JKI erläutert, dass die Erstnachweise der Arten Hylaeus punctatus (Brullé, 1832), Lasioglossum puncticolle (Morawitz, 1872) und Tetralonia macroglossa (Illiger, 1806) vom Institut stammen. Im Rahmen des BeesUp-Projektes sowie durch das seit 2019 laufende Langzeit-Fangschalenmonitoring konnten zwei zuvor in Niedersachsen unbekannte Arten entdeckt werden: die Runzelwangige Schmalbiene (Lasioglossum puncticolle) und die Grobpunktierte Maskenbiene (Hylaeus punctatus). Der Nachweis der Malven-Langhornbiene (Tetralonia macroglossa) gelang einem Kollegen auf dem Gelände des JKI in Braunschweig.

Weitere bedeutende Funde und Monitoring

Für die seltene Art Dioxys cinctus (Jurine, 1807) konnte das JKI einen wichtigen Zweitnachweis erbringen. Darüber hinaus bestätigten die Forschenden weitere Vorkommen besonderer Wildbienenarten in der Region. Diese Beobachtungen untermauern den Trend, dass sich viele Arten infolge der Klimaerwärmung in nordwestlicher Richtung ausbreiten.

Die zwischen 2020 und 2024 gewonnenen Daten, unter anderem durch das Fangschalenmonitoring, verdeutlichen den langwierigen und engagierten Prozess, der notwendig ist, um das Vorkommen einer Bienenart in einem bestimmten Gebiet als gesichert zu bewerten.

Monitoring und Datenbasis

Seit 2020 führt das JKI bundesweit standardisierte Erhebungen und Monitorings von Wildbienen durch. Der Schwerpunkt liegt auf der Stadt Braunschweig sowie der umliegenden Agrarlandschaft Niedersachsens. Dabei wurden sowohl die räumliche als auch die zeitliche Verbreitung der Arten erfasst, einschließlich zahlreicher seltener und gefährdeter Arten.

Henri Greil weist darauf hin, dass diese Daten die Grundlage für eine KI-gestützte Wildbienenerkennungsfunktion bilden, die im BeesUp-Projekt in Zusammenarbeit mit der TU Ilmenau entwickelt wurde. Diese Anwendung ist unter mapbee.tu-ilmenau.de frei zugänglich und unterstützt zukünftige Citizen-Science-Monitorings.

Kooperation und Bedeutung der Ergebnisse

Fionn Pape, Koordinator des Arbeitskreises Wildbienen der BSG, betont die stetig wachsende Kenntnis über die Wildbienenfauna in Niedersachsen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Fachleuten aus verschiedenen Institutionen des Bundeslandes ermöglichte die zahlreichen Nachweise seltener und gefährdeter Arten, darunter auch die sieben neu für Niedersachsen dokumentierten Wildbienenarten wie die seltene Stumpfe Zweizahnbiene (Dioxys cinctus).

Die gewonnenen Erkenntnisse sind eine wichtige Grundlage für die Aktualisierung der Roten Liste sowie für die Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Die vollständigen Ergebnisse sind in einer ausführlichen Studie veröffentlicht, die im März 2026 in der Zeitschrift „Artenfocus Niedersachsen“ (Ausgabe 3, Seiten 23–75) erschienen ist: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/artenfocus-niedersachsen/artenfocus-niedersachsen-231947.html.

Beteiligte Institutionen und Datengrundlage

Die Datenbasis der Studie beruht hauptsächlich auf mehreren Wildbienenprojekten der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. (BSG), des Julius Kühn-Instituts für Bienenschutz Braunschweig sowie der Universitäten Göttingen, Hamburg und Lüneburg. Weitere Partner sind die Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sowie freiberufliche Experten. Erstmals wurden auch systematisch Fundmeldungen von großen Citizen-Science-Plattformen wie „iNaturalist“ und „Observation.org“ ausgewertet und integriert.


Wissenschaftliche Ansprechpartner

  • Henri Greil
    Institut für Bienenschutz, Julius Kühn-Institut (JKI)
    Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig
    Telefon: 03946 47-7214
    E-Mail: henri.greil@julius-kuehn.de

Originalpublikation

Pape, F., Fechtler, F., Arimond, I., Deierling, J., Fahr, J., Grabener, S., Grau, F., Greil, H., Hallas, O., Hannappel, I., Haß, A., Hoffmann, M., Klenk, H., Kok, A., Krahner, A., Kräutner, V., Rothe, F., Schmitz, M., Süß, S., Voigt, N., von der Reidt, J., Witt, R., Wübbenhorst, J. & Bleidorn, C. (2026): Erstnachweise und Wiederfunde sowie weitere bemerkenswerte Wildbienenarten für Niedersachsen (Hymenoptera: Anthophila). Artenfocus Niedersachsen 3, März-Ausgabe, S. 23–75. Verfügbar unter: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/artenfocus-niedersachsen/artenfocus-niedersachsen-231947.html