Bedrohung von Lebensräumen landlebender Tierarten durch multiple Extremereignisse bis 2085

Bedrohung von Lebensräumen landlebender Tierarten durch multiple Extremereignisse bis 2085
Bedrohung von Lebensräumen landlebender Tierarten durch multiple Extremereignisse bis 2085

Bedrohung der Lebensräume an Land lebender Tierarten durch multiple Extremereignisse bis 2085

Eine aktuelle Untersuchung eines internationalen Forscherteams unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass bis zum Jahr 2085 etwa 36 Prozent der gegenwärtigen Lebensräume von Landtieren von verschiedenen klimabedingten Extremereignissen wie Hitzewellen, Bränden oder Überschwemmungen betroffen sein könnten. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.

Extremereignisse als unterschätzte Gefahr für den Naturschutz

Stefanie Heinicke, Leitautorin der Studie und Postdoktorandin am PIK, betont, dass der Einfluss des Klimawandels auf den Naturschutz häufig auf die schrittweise Temperaturerhöhung reduziert wird, während die Rolle von Extremereignissen noch zu wenig berücksichtigt wird. Einzelne Ereignisse wie Hitzewellen oder Überschwemmungen können Populationen erheblich schädigen. Kommen mehrere Extremereignisse in kurzer Folge vor, verstärken sich die negativen Effekte auf Arten und deren Lebensräume. So kann eine durch Dürre geschwächte Population einem anschließenden Waldbrand oft nicht standhalten.

Beispielsweise führten die Buschfeuer in Australien 2019-2020 in zuvor von Dürre betroffenen Gebieten zu einem Rückgang der Pflanzen- und Tierarten um 27 bis 40 Prozent stärker als in Regionen ohne vorherige Belastung.

Potenziale der Emissionsreduktion

Die Studie zeigt, dass eine rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen auf netto-null die Auswirkungen multipler Extremereignisse deutlich mindern kann. Bei erfolgreicher Emissionssenkung und anschließender Klimaverbesserung im Laufe des Jahrhunderts wären im Jahr 2085 nur noch etwa 9 Prozent der Lebensräume betroffen, im Gegensatz zu einem Drittel bei ungebremster Erwärmung.

„Eine schnelle Emissionsminderung ab sofort kann entscheidende Unterschiede bewirken“, so Heinicke.

Methodik und regionale Betroffenheit

Die Forschenden verwendeten einen innovativen Ansatz, der über die reine Temperaturerhöhung hinausgeht und komplexe Klimafolgenmodelle einbezieht. Diese liefern Prognosen zu Überschwemmungen, Waldbränden und anderen Extremereignissen.

Im Szenario ohne Klimaschutzmaßnahmen ergab sich für das Jahr 2050 folgende Gefährdung der Lebensräume:

  • 74 Prozent durch Hitzewellen
  • 16 Prozent durch Waldbrände
  • 8 Prozent durch Dürren
  • 3 Prozent durch Flussüberschwemmungen

Besonders betroffen sind artenreiche Regionen wie das Amazonasbecken, Afrika und Südostasien.

Waldbrände als zentrale Bedrohung

Katja Frieler, Ko-Autorin und Leiterin der Forschungsabteilung für Klimaresilienz am PIK, hebt hervor, dass Waldbrände in den Prognosen eine herausragende Rolle spielen. Sie weist darauf hin, dass bisher keine vergleichbare Studie die Gefährdung von Tierarten durch Feuerereignisse so detailliert dargestellt hat. Die Erkenntnis, dass Waldbrände in vielen Gebieten eine größere direkte Bedrohung darstellen als Dürren, schließt eine wichtige Forschungslücke.


Quellenangabe

Heinicke, S. et al. (2026): Land vertebrates increasingly exposed to multiple extreme events by 2085. Nature Ecology & Evolution. DOI: 10.1038/s41559-026-03050-0

Weiterführende Informationen

https://www.nature.com/articles/s41559-026-03050-0