Blutmarker aus der Demenzforschung könnte helfen, Alterung im Tierreich zu erfassen



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20.02.2026 09:30

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Blutmarker aus der Demenzforschung könnte helfen, Alterung im Tierreich zu erfassen

Der Eiweißstoff „Neurofilament-Leichtkette“ (NfL) – der beim Menschen im Kontext neurodegenerativer Erkrankung und des Alterns erforscht wird – ist auch im Blut zahlreicher Tiere nachweisbar und bei Mäusen, Katzen, Hunden und Pferden steigt seine Konzentration mit dem Alter. Fachleute des DZNE und des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) an der Universität Tübingen berichten darüber im Wissenschaftsjournal „PLOS Biology“. Nach ihrer Einschätzung könnte dieser Biomarker helfen, das biologische Alter von Tieren zu erfassen und ihre Lebenserwartung abzuschätzen.

Der Eiweißstoff NfL ist ein Indikator für Nervenschäden. Denn er wird freigesetzt, wenn sich Nervenzellen krankheitsbedingt oder im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses verändern oder absterben. Das Molekül kann dann in die Blutbahn gelangen und mit empfindlicher Analysetechnik nachgewiesen werden. „Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und ALS findet sich NfL vermehrt im Blut. Grundsätzlich steigt die Konzentration allerdings auch bei gesunden Menschen mit dem Alter. Das haben wir nun auch in ganz ähnlicher Weise bei Mäusen, Katzen, Hunden und Pferden festgestellt,“ so Prof. Mathias Jucker, Forschungsgruppenleiter am DZNE und HIH.

Marker mit Vorhersagekraft

Studien zufolge nimmt bei älteren Menschen mit der Konzentration von NfL im Blut auch das Sterberisiko zu, was einen Zusammenhang zwischen dem neurologischen Altern und der Sterblichkeit nahelegt. Ähnliches beobachtete Dr. Carina Bergmann, Wissenschaftlerin im Team von Mathias Jucker, nun auch bei Mäusen. Dabei wurden das Blut von 44 älteren Tiere über vier Lebensmonate untersucht. Stieg die NfL-Konzentration im Blut über die Zeit gemessen nur langsam an, so lebten die Mäuse vergleichsweise noch lang. Bei rascherem Anstieg lebten die Mäuse kürzer. „Unsere Daten deuten somit darauf hin, dass sich aus dem zeitlichen Verlauf des NfL-Spiegels die Lebenserwartung von Mäusen abschätzen lässt – ähnlich zu den Ergebnissen, die für alternde Menschen berichtet wurden“, so Bergmann.

Über 50 Tierarten

Neben Katzen, Hunden, Pferden und den besonders detailliert untersuchten Mäusen wurden stichprobenartig 53 weitere Tierarten unter die Lupe genommen – darunter Hasen, Löwen, Affen, Elefanten sowie Reptilien und Vögel. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart, der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich und einem Tierdiagnostik-Labor. Bei allen Säugetieren ließ sich das NfL-Protein im Blut erfassen. Bei Reptilien und Vögeln konnten NfL-Werte jedoch nur vereinzelt, etwa bei einem Krokodil und einem Papagei gemessen werden. Mögliche Ursache ist, dass die Sequenz des NfL-Proteins bei diesen Tieren kleine Veränderungen gegenüber der menschlichen Form aufweist und von dem hier verwendeten Test deshalb nicht erfasst werden konnte. „Insgesamt zeigen unsere Daten jedoch, dass Analyse-Methoden aus der Demenzforschung auch für die Veterinärmedizin vielversprechend sind – insbesondere zur möglichen Einschätzung des biologischen Alters, der neurologischen Gesundheit und der Lebenserwartung von Tieren“, so Jucker.

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE ist eines der weltweit führenden Forschungszentren für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Diese Erkrankungen bedeuten enorme Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen, aber auch für die Gesellschaft und Gesundheitsökonomie. Das DZNE trägt maßgeblich zur Entwicklung neuer Strategien der Prävention, Diagnose, Versorgung, Behandlung und Pflege bei – und zu deren Überführung in die Praxis. Es hat bundesweit zehn Standorte und kooperiert mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das DZNE wird staatlich gefördert, es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. https://www.dzne.de


Originalpublikation:

Neurofilament light chain may serve as a cross-species blood biomarker to assess aging and predict mortality, Carina Bergmann et al., PLOS Biology (2026), DOI: 10.1371/journal.pbio.3003606


Weitere Informationen:

https://www.dzne.de/en/im-fokus/meldungen/2026/blutmarker-aus-der-demenzforschun… Englische Fassung dieser Meldung


Bilder


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Medizin, Tier / Land / Forst
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


 

Quelle: IDW