Bio-Zwiebelanbau Alte Landsorten erreichen Ertragsniveau von Hybridsorten

Bio-Zwiebelanbau Alte Landsorten erreichen Ertragsniveau von Hybridsorten

Bio-Zwiebelanbau: Alte Landsorten erreichen Ertragsniveau von Hybriden

Im ökologischen Anbau von Speisezwiebeln zeigen sich traditionelle, samenfeste Landsorten wie „Stunova“ und „Birnenförmige“ als konkurrenzfähige Alternativen zu den überwiegend verwendeten Hybridsorten. Dies betrifft sowohl den Ertrag als auch die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Darüber hinaus weisen einige dieser Landsorten, insbesondere in Bezug auf die Stickstoffaufnahme, teils bessere Eigenschaften auf. Diese Erkenntnisse stammen aus dem Forschungsprojekt „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL), das vom Max Rubner-Institut und der Universität Hohenheim durchgeführt wurde.

Ergebnisse aus mehrjährigen Anbauversuchen

Die Versuche, die an verschiedenen Standorten auf Versuchs- und Praxisflächen unter ökologischen Bedingungen durchgeführt wurden, zeigen, dass viele der getesteten Landsorten im Durchschnitt ähnliche Erträge erzielen wie aktuelle Hybridsorten. Besonders hervorzuheben ist die Sorte „Stunova“, die konstant hohe Erträge erreichte. Die fränkische Landsorte „Birnenförmige“ überzeugte neben guten Erträgen durch ein vorteilhaftes Inhaltsstoffprofil, eine frühe Reifezeit, eine überdurchschnittliche Lagerfähigkeit sowie eine verbesserte Stickstoffaufnahme im Vergleich zu den Hybriden.

Interesse an samenfesten Sorten und Herausforderungen

Eine Befragung von 112 landwirtschaftlichen Betrieben, die Zwiebeln anbauen, ergab, dass etwa 75 % der Befragten ausschließlich Hybridsorten verwenden. Samenfeste Landsorten kommen demnach vor allem in ökologisch wirtschaftenden Betrieben zum Einsatz. Trotz der vorherrschenden Nutzung von Hybriden äußerten die meisten Befragten grundsätzliches Interesse an samenfesten Sorten. Die Forscher interpretieren die geringe Verbreitung samenfester Sorten nicht nur als Folge der begrenzten Saatgutverfügbarkeit, sondern auch als Resultat fehlender praktischer Erfahrung im Anbau. Um diesem Defizit entgegenzuwirken, wurde im Projekt ein intensiver Austausch mit Praxisbetrieben gepflegt und die gewonnenen Erkenntnisse in zahlreichen Informationsveranstaltungen vermittelt.

Aus Sicht der Wissenschaftler sind weiterführende Untersuchungen zu Anbauverfahren, Qualitätsmerkmalen und Lagerfähigkeit ausgewählter samenfester Sorten notwendig, um die erforderliche Expertise für deren Nutzung im ökologischen Landbau zu stärken.

Hintergrundinformationen zum Zwiebelanbau in Deutschland

  • Im Jahr 2025 bewirtschafteten rund 2.000 Betriebe in Deutschland etwa 20.000 Hektar mit Speisezwiebeln.
  • Etwa elf Prozent dieser Fläche wurden ökologisch bewirtschaftet.
  • Im Ökolandbau wird häufig konventionelles Hybridsaatgut verwendet, was vor allem auf die eingeschränkte Verfügbarkeit von samenfestem Saatgut zurückzuführen ist.
  • Darüber hinaus besteht ein Mangel an fundiertem Wissen über die Vor- und Nachteile samenfester Zwiebelsorten.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) förderte das Projekt „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) begleitete die Umsetzung als Projektträger.

Weiterführende Informationen

Projektinformationen zum ZwiebÖL-Projekt bei der BLE

Bildmaterial

Versuchsfläche des Projekts 'Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau'

Quelle: Maria-Luisa Romo-Perez