Status quo und Strategien für Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie in der trilateralen Region

Status quo und Strategien für Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie in der trilateralen Region

Analyse der chemischen Industrie in der trilateralen Region: Status quo und Zukunftsstrategien

DECHEMA e.V. und VITO/EnergyVille aus Flandern (Belgien) haben den Abschlussbericht des Projekts 3C‑VaCS (Trilateral Chemical Region – Value Chain Structures) veröffentlicht. Dieser Bericht untersucht den aktuellen Zustand der chemischen Industrie in der trilateralen Chemie-Region, die Flandern, die Niederlande und Nordrhein-Westfalen umfasst. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität trotz der Herausforderungen durch Energiekrise und Kostendruck gewährleistet werden können.

Präsentation und Zielsetzung des Berichts

Am 13. Mai 2026 wurde der Bericht im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung Vertretern der Europäischen Kommission sowie der Critical Chemical Alliance vorgestellt. Er dient als wissenschaftliche Grundlage für industrie- und klimapolitische Entscheidungen auf europäischer Ebene.

Im Fokus stehen Steamcracker, die Basischemikalien wie Ethylen und Propylen herstellen. Diese Grundstoffe bilden das Fundament zahlreicher chemischer Wertschöpfungsketten und ermöglichen die Produktion vielfältiger Folgeprodukte – von Werkstoffen über Pharmazeutika bis hin zu Komponenten für eine klimaneutrale Wirtschaft.

Kernaussagen des Berichts

  • Die trilaterale Chemie-Region stellt ein zentrales Element der europäischen Wirtschaft dar, sieht sich jedoch erheblichen Herausforderungen gegenüber.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemieproduktion wurde durch die jüngsten Kosten- und Energiekrisen deutlich beeinträchtigt.
  • Technisch sind Investitionen in klimafreundliche Technologien wie CO₂-Abscheidung, Elektrifizierung und nachhaltige Rohstoffe möglich, erfordern jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen.
  • Die enge Vernetzung der Standorte in Flandern, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen schafft Synergien, führt aber auch zu gegenseitigen Abhängigkeiten, die eine Diversifizierung notwendig machen.
  • Die Schließung einzelner Anlagen darf nicht isoliert betrachtet werden, da Störungen in einer Region Auswirkungen auf die anderen haben können.
  • Ein koordinierter, gesamtheitlicher Infrastrukturplan für Elektrizität, Wasserstoff und CO₂-Netze auf europäischer Ebene ist essenziell für eine erfolgreiche Transformation.
  • Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen genügen nicht, um die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie während der Energiewende zu sichern oder wiederherzustellen.

Empfehlungen und Ausblick

Der Bericht betont die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden, sektorübergreifenden Planung von CO₂- und Wasserstoffinfrastrukturen, um Kosten zu minimieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Ein integrierter Ansatz kann die Struktur der europäischen Chemiecluster stärken, Carbon Leakage entgegenwirken und die industrielle Wettbewerbsfähigkeit fördern.

Dr. Florian Ausfelder, Fachbereichsleiter Energie und Klima bei DECHEMA e.V., unterstreicht, dass die Transformation und internationale Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen müssen, um Europas industrielle Basis zu erhalten und gleichzeitig Klimaziele zu erreichen.

Pieter Lodewijks, Program Manager bei VITO/EnergyVille, hebt hervor, dass eine koordinierte Planung der Infrastruktur für CO₂ und Wasserstoff entscheidend ist, um die Kosten zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Projekt 3C-VaCS: Hintergrund und Partner

Das Projekt „Trilaterale Chemie-Region – Wertschöpfungsstrukturen“ (3C-VaCS) wurde von den Regierungen Flanderns und der Niederlande, dem Land Nordrhein-Westfalen sowie dem Verband der Chemischen Industrie Nordrhein-Westfalen (VCI NRW) finanziert. Die Durchführung erfolgte durch VITO/EnergyVille, DECHEMA e.V. und TNO.

Ziel des Projekts war es, auf Basis von Industrie- und Handelsdaten sowie techno-ökonomischen Modellierungen neue Perspektiven für eine widerstandsfähige, klimaneutrale und wettbewerbsfähige chemische Produktion in Europa zu entwickeln.

Über die beteiligten Organisationen

  • VITO/EnergyVille: Ein führendes europäisches Forschungszentrum mit 1.300 Mitarbeitenden, das wissenschaftliche Erkenntnisse in technologische Innovationen, KI-Lösungen und politische Beratung umsetzt. Der Fokus liegt auf der Beschleunigung der Transformation zu einer regenerativen Wirtschaft mit Schwerpunkten auf Elektrifizierung und Kreislaufwirtschaft.
  • DECHEMA e.V.: Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, die Experten aus verschiedenen Disziplinen vereint, um den wissenschaftlichen Austausch und den Technologietransfer in der chemischen Technik und Biotechnologie zu fördern. DECHEMA zählt über 5.000 Mitglieder und ist gemeinsam mit der DECHEMA Ausstellungs-GmbH Veranstalter der ACHEMA, dem Weltforum der Prozessindustrie.

Weiterführende Informationen

Der vollständige Bericht steht zum Download bereit unter: https://dechema.de/studien. Weitere Informationen finden sich zudem auf der Webseite von VITO: https://vito.be/en/news.