
Verzögerung der Kirschblüte zur Reduzierung von Frostschäden
Der Klimawandel führt dazu, dass viele Obstbäume früher als üblich blühen, was das Risiko von Frostschäden an den Blüten im Frühjahr erhöht. Eine Untersuchung der Universität Göttingen hat gezeigt, dass der Pflanzenwachstumsregulator Ethephon die Blütezeit der Süßkirschsorte „Kordia“ verzögern kann. Dadurch lässt sich die Blütephase aus potenziell frostgefährdeten Zeiträumen verschieben. Bei anderen getesteten Sorten, darunter eine weitere Süßkirsche sowie zwei Apfelsorten, zeigte die Behandlung keine signifikante Wirkung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift BMC Plant Biology veröffentlicht.
Versuchsaufbau und Methodik
Die Forschenden führten ihre Versuche in kommerziellen Plantagen für Süßkirschen und Äpfel in Niedersachsen durch. Dabei applizierten sie zwei unterschiedliche Konzentrationen von Ethephon entweder im Früh- oder Spätherbst. Im Frühjahr 2024 erfolgte die Auswertung der Blüteentwicklung und der Fruchtbildung. Untersucht wurden jeweils 20 Bäume der Süßkirschsorten „Bellise“ und „Kordia“ sowie der Apfelsorten „Elstar“ und „Kanzi“. Die Blüte wurde an vier markierten Ästen pro Baum mehrfach dokumentiert, wobei etwa 30 Kirschblütenknospen und 15 Apfelblütenknospen pro Ast hinsichtlich ihrer Entwicklungsstadien bewertet wurden.
Ergebnisse
Am 9. April zeigten unbehandelte „Kordia“-Bäume eine Blütequote von 88 Prozent der Blütenknospen. Nach einer hochdosierten Ethephon-Behandlung im Frühherbst lag dieser Wert bei 56 Prozent, bei einer niedrigdosierten Behandlung im Spätherbst bei 63 Prozent. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ethephon die Blüte bei der Sorte „Kordia“ verzögern kann.
Die anderen Sorten reagierten unterschiedlich: Bei „Bellise“, „Elstar“ und „Kanzi“ wurde keine Verzögerung der Blüte festgestellt. Die Wirkung von Ethephon hängt somit stark von der Pflanzenart, der Sorte, dem Zeitpunkt der Anwendung sowie der Dosierung ab. Ein weiterer Faktor, der die Messungen beeinflussen könnte, war der ungewöhnlich frühe und warme Frühling 2024.
Ausblick und Bedeutung
Dr. Wiebke Kämper von der Universität Göttingen betont, dass die Ergebnisse darauf hinweisen, dass Ethephon als Instrument zur Frostschutzstrategie bei bestimmten Süßkirschsorten dienen könnte. Dennoch sind weitere Untersuchungen mit verschiedenen Sorten, an unterschiedlichen Standorten und über mehrere Jahre erforderlich, um belastbare Empfehlungen für die Praxis zu entwickeln.
Finanzierung und Unterstützung
Die Studie wurde im Rahmen eines Marie Skłodowska-Curie-Postdoctoral Fellowships durch das EU-Förderprogramm „Horizont Europa“ finanziert. Zudem unterstützte der Open-Access-Publikationsfonds der Universität Göttingen die Veröffentlichung.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Wiebke Kämper
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften – Abteilung Agrarökologie und Funktionelle Agrobiodiversität
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
E-Mail: wiebke.kaemper@uni-goettingen.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/676148.html
Originalpublikation
Geisthoff, A. M. et al. „Ethephon as a bloom-delaying agent for frost-sensitive tree crop flowers at risk from a changing climate“. BMC Plant Biology (2026). DOI: 10.1186/s12870-026-09346-4
Weiterführende Informationen
Pressemitteilung der Universität Göttingen mit Bildmaterial





