
Forschungsprojekt „Blue Transition“: Ansätze für klimaresilientes Wasser- und Bodenmanagement
Das vom LIAG-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover koordinierte europäische Verbundprojekt „Blue Transition“ hat nach vierjähriger Forschung die Anpassung von Wasser- und Bodenressourcen an die Herausforderungen des Klimawandels untersucht. Der Abschlussbericht fasst die Erkenntnisse aus 16 Pilotregionen in sechs Ländern zusammen und identifiziert drei wesentliche Handlungsfelder: die Veränderung der Landnutzung, die Verbesserung der Bodengesundheit sowie die Diversifizierung und Optimierung der Wasserressourcen.
Interdisziplinäre Untersuchung im Nordseeraum
Im Rahmen des Interreg-Nordsee-Projekts wurden Regionen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden daraufhin analysiert, wie sie ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Einflüssen wie Trockenperioden, veränderten Niederschlagsmustern und Versalzung langfristig steigern können. Dabei wurden naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu Grundwasser, Böden und Landnutzung mit Aspekten der praktischen Umsetzung und Governance verknüpft.
Regionalspezifische Lösungsansätze
Die Ergebnisse aus den 16 Pilotregionen verdeutlichen, dass die Lösungsstrategien stark von den lokalen Gegebenheiten abhängen:
- In Frankreich und Flandern lag der Fokus auf der gemeinsamen Bewirtschaftung von Wasserressourcen und dem Schutz von Ökosystemen.
- In Südschweden und Dänemark wurden innovative Konzepte für das Grundwasser- und städtische Wassermanagement entwickelt.
- In Deutschland und den Niederlanden beschäftigten sich die Pilotprojekte unter anderem mit der Verbesserung der Bodengesundheit, der Reduktion von Nitratbelastungen sowie der Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wissenschaft.
Zentrale Erfolgsfaktoren für die Umsetzung
Über die unterschiedlichen Ansätze hinweg lassen sich folgende Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Implementierung identifizieren:
- Interdisziplinarität: Die Integration wissenschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektiven ist unerlässlich.
- Kooperation: Langfristige Zusammenarbeit, Wissensaustausch und die Einbindung relevanter Akteure bilden die Basis für nachhaltige Lösungen.
- Verlässliche Datenbasis: Kontinuierliches Monitoring und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Daten ermöglichen fundierte Entscheidungen.
- Übertragbarkeit und Verstetigung: Erfolgreiche Maßnahmen müssen auf andere Regionen und größere Maßstäbe übertragbar sein, was stabile politische und finanzielle Rahmenbedingungen erfordert.
Prof. Dr. Mike Müller-Petke, Projektleiter von „Blue Transition“ und Forschungsabteilungsleiter am LIAG, betont: „Die Kombination aus wissenschaftlichem Systemverständnis, langfristigem Monitoring und belastbaren Daten in Verbindung mit Praxis und Politik schafft Lösungen, die dauerhaft wirken und auf andere Regionen übertragbar sind.“
Beispiele aus deutschen Pilotregionen
Die deutschen Pilotprojekte in Niedersachsen und Bremen demonstrieren die praktische Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse:
- Pilot HUMUS (Niedersachsen): Modellierungen zeigen, dass eine regelmäßige Vertiefung der Pflugfurche zusammen mit dauerhafter Begrünung durch Zwischenfrüchte den Humusgehalt auch auf leichten Böden erhöhen kann. Dies wirkt dem klimabedingten Rückgang von Humus und Wasserhaltekapazität entgegen, wobei die Auswirkungen auf die Nitratauswaschung berücksichtigt werden müssen.
- Pilot WaterFarmers (Landkreis Uelzen): Hier wird untersucht, wie eine koordinierte großräumige Bewirtschaftung von Brunnen den Wasserbedarf für landwirtschaftliche Bewässerung mit dem Schutz grundwasserabhängiger Naturräume in Einklang bringen kann.
- Pilot Geest Adaptation (Gnarrenburger Moor): Numerische Grundwassermodelle zeigen Maßnahmen auf, mit denen ein besiedeltes und landwirtschaftlich genutztes Moor schrittweise wiedervernässt werden kann. Geophysikalische Messungen im Bereich des Wasserwerks Minstedt halfen zudem, die Lage der Süß- und Salzwassergrenze im Untergrund zu bestimmen und somit die Planung zukünftiger Brunnen nachhaltiger zu gestalten.
- Luneplate (südlich von Bremerhaven): Geophysikalische Messungen und numerische Simulationen geben Aufschluss darüber, wie gezielte Grundwasseranreicherung die klimabedingte Versalzung des Grundwassers stabilisieren kann.
An den deutschen Pilotprojekten sind neben dem LIAG-Institut für Angewandte Geophysik auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der Geologische Dienst für Bremen (GDfB), der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sowie der Dachverband Feldberegnung Uelzen beteiligt.
Bedeutung der Zusammenarbeit für nachhaltige Wirkung
Ein zentrales Ergebnis von „Blue Transition“ ist die Bedeutung des internationalen und interdisziplinären Austauschs. Anpassungsmaßnahmen erfordern nicht nur technische Innovationen, sondern auch ein umfassendes Verständnis der Systeme, lokale Erfahrungen, geeignete politische Rahmenbedingungen und eine langfristige Kooperation.
Regionen benötigen ausreichend Flexibilität, um Maßnahmen an ihre spezifischen Bedingungen anzupassen und neue Ansätze zu erproben. Gleichzeitig fördert der Austausch zwischen den Regionen sowie die Verknüpfung lokaler Erfahrungen mit europäischen Zielen die Weiterentwicklung erfolgreicher Strategien und deren Skalierung.
Prof. Dr. Müller-Petke fasst zusammen: „Klimaresilienz entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch eine langfristige, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen.“
Kontakt für wissenschaftliche Anfragen
Prof. Dr. Mike Müller-Petke
LIAG-Institut für Angewandte Geophysik
Telefon: 0511-643 3253
E-Mail: Mike.Mueller-Petke@liag-institut.de



