Die Hochwasserkatastrophe von 1342 als Serie von Ereignissen Erkenntnisse für Klimaforschung und Risikobewertung

Die Hochwasserkatastrophe von 1342 als Serie von Ereignissen Erkenntnisse für Klimaforschung und Risikobewertung

Die Flutkatastrophe von 1342: Eine Serie von Überschwemmungen statt eines Einzelereignisses

Die sogenannte „Magdalenenflut“ im Jahr 1342 gilt als eine der schwerwiegendsten Hochwasserkatastrophen in der europäischen Geschichte. Durch eine umfassende Analyse historischer Quellen, kombiniert mit modernen hydrologischen Methoden, wurde nun ein detailliertes Bild dieser Ereignisse erstellt.

Mehrjährige Hochwasserperiode mit zahlreichen Ereignissen

Die Untersuchungen zeigen, dass die Flut von 1342 nicht als isoliertes Ereignis zu betrachten ist. Vielmehr handelte es sich um eine Abfolge von 16 Hochwasserereignissen, die sich über einen Zeitraum von fast zwei Jahren erstreckten. Diese Erkenntnis ist für die heutige Hochwasserrisikobewertung von großer Bedeutung, da sie verdeutlicht, dass mehrere schwere Überschwemmungen kurz hintereinander auftreten können.

Auswirkungen auf Bevölkerung und Infrastruktur

  • Über tausend zeitgenössische Quellen wurden ausgewertet, um die Folgen der Hochwasser zu dokumentieren.
  • Die Fluten forderten zahlreiche Todesopfer, sowohl direkt durch das Hochwasser als auch indirekt durch Hunger und Krankheiten.
  • Wirtschaftliche Beeinträchtigungen betrafen ganz Europa, unter anderem durch zerstörte Handelswege und beschädigte Infrastruktur, wie die Steinbrücke in Prag.

Rekonstruktion der Hochwasserereignisse

Die Forscher der Technischen Universität Wien und weiterer europäischer Universitäten konnten durch die Kombination historischer Berichte mit vergleichbaren modernen Hochwasserereignissen eine detaillierte zeitliche und räumliche Rekonstruktion erstellen. So lässt sich nachvollziehen, welche Regionen Europas Monat für Monat betroffen waren. Die Ereignisse bilden eine zusammenhängende Kette von Überschwemmungen zwischen 1341 und 1343, die sich in Intensität und Ort unterscheiden, jedoch in einem klaren Zusammenhang stehen.

Ursachen für die ungewöhnliche Häufung

Die Jahre 1342 und 1343 verzeichneten die höchste Anzahl extremer Hochwasserereignisse innerhalb der letzten 700 Jahre. Als mögliche Ursachen identifizierte das Forschungsteam:

  • Eine Reihe von Vulkanausbrüchen um 1340/1341, darunter der Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla, der durch Schwefel-Aerosole atmosphärische Abkühlungen und veränderte Zirkulationsmuster bewirkte.
  • Ein deutlich zurückgehendes arktisches Meereis seit Mitte der 1330er Jahre.
  • Eine vergleichsweise geringe Sonnenaktivität in den 1330er und 1340er Jahren.

Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte zu verstärkten Tiefdruckgebieten und langanhaltenden Niederschlägen geführt haben, welche die Serie von Hochwasserereignissen begünstigten.

Folgerungen für die heutige Risikoplanung

Die Ergebnisse bestätigen eine frühere Erkenntnis des TU-Wien-Teams: Hochwasserereignisse sind statistisch und kausal miteinander verbunden und treten nicht unabhängig voneinander auf. Dies bedeutet, dass bei der modernen Hochwasserrisikoplanung berücksichtigt werden muss, dass Katastrophen in schneller Abfolge auftreten können und nicht isoliert betrachtet werden dürfen.


Kontaktinformationen der Wissenschaftler

Dr. Andrea Kiss
Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie
Technische Universität Wien
Telefon: +43 1 58801 22314
E-Mail: andrea.kiss@tuwien.ac.at

Prof. Günter Blöschl
Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie
Technische Universität Wien
Telefon: +43 1 58801 22315
E-Mail: guenter.bloeschl@tuwien.ac.at


Veröffentlichung

A. Kiss et al., „Cascading continental-scale floods across Europe in 1342–1343“, Nature (2026).
https://www.nature.com/articles/s41586-026-10888-8