Digitale Plattform für aktuelle Streckeninformationen in Naturschutzgebieten zur Integration in Outdoor-Apps

Digitale Plattform für aktuelle Streckeninformationen in Naturschutzgebieten zur Integration in Outdoor-Apps

Aktuelle Informationen für Wander- und Radfahr-Apps

Naturschutzgebiete sind bei Wanderern und Radfahrern sehr beliebt. Allerdings können Gefahrenlagen, Forstarbeiten oder Schonzeiten dazu führen, dass offizielle Wege kurzfristig und temporär gesperrt werden. Der Verein Digitize the Planet hat eine Plattform entwickelt, die solche Sperrungen erfasst und Outdoor-Apps sowie Kartendienste mit diesen Daten versorgt. Dadurch erhalten Nutzer frühzeitig Hinweise und können ihre Touren entsprechend anpassen. Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Projekt zur Bereitstellung aktueller Streckeninformationen in Schutzgebieten

Naturschutzgebiete sind beliebte Ziele für Erholungssuchende, dienen jedoch in erster Linie dem Schutz bedrohter Arten und empfindlicher Ökosysteme. Die zuständigen Naturschutzbehörden haben daher Besuchsregelungen erlassen. Da viele Wander- und Radfahrende ihre Touren über Outdoor-Apps und Kartendienste planen, in denen aktuelle Informationen über Wegsperrungen nicht immer verfügbar sind, entstand die Notwendigkeit, diese Daten zentral bereitzustellen. Das von der DBU geförderte Projekt des Vereins Digitize the Planet bündelt relevante und aktuelle Informationen verantwortlicher Stellen in einer Open-Data-Plattform, die von verschiedenen Diensten einfach eingebunden werden kann.

Bedeutung von Schutzgebieten für Erholung und Wirtschaft

Die Natur zieht zahlreiche Menschen zur aktiven Erholung an, wobei Schutzgebiete besonders häufig besucht werden. Laut einer Studie der Stiftung Deutsche Nationale Naturlandschaften aus dem Jahr 2025 verzeichnen Nationalparks und andere Großschutzgebiete in Deutschland jährlich rund 700 Millionen Besuchertage. Diese Besucher generieren in den umliegenden Regionen einen Umsatz von etwa 14 Milliarden Euro jährlich. Trotz der hohen Besucherzahlen steht der Naturschutz im Vordergrund. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde betont, dass die Zugänglichkeit der Schutzgebiete wichtig ist, gleichzeitig aber der Schutz der natürlichen Lebensräume gewährleistet sein muss. Um dies zu erreichen, müssen Regeln und Einschränkungen dort kommuniziert werden, wo die Nutzer ihre Touren planen – also in digitalen Karten und Outdoor-Anwendungen.

Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Das Open-Data-Projekt des Berliner Vereins Digitize the Planet wird von der DBU mit rund 150.000 Euro unterstützt. Ziel ist es, Naturschutzinformationen zu digitalisieren und frei zugänglich zu machen, um Besucherströme besser zu steuern und die Belastung der Schutzgebiete zu reduzieren. Die Digitize Platform steht seit 2024 zur Verfügung und enthält bereits Daten zu über 400 Schutzgebieten in Deutschland und weiteren EU-Ländern, inklusive dauerhaft gültiger Regeln. Das aktuelle Förderprojekt erweitert die Plattform um kurzfristige und temporäre Regelungen wie Wegsperrungen aufgrund von Gefahren oder Schutzzeiten für Tiere.

Echtzeit-Informationen zu Wegesperrungen

Die Plattform wurde so erweitert, dass verantwortliche Stellen in Schutzgebieten ihre Informationen schnell und unkompliziert aktualisieren können. Diese Daten werden direkt an Kartendienste und Outdoor-Apps weitergegeben. Nutzer erhalten somit bei der Planung oder Navigation Hinweise auf gesperrte Streckenabschnitte, beispielsweise nach einem Felssturz. Laut Tom Müller, technischer Leiter bei Digitize, soll diese Funktion Regelverletzungen verringern, da rechtzeitige Informationen alternative Routen ermöglichen. Eine Herausforderung bestand darin, Schnittstellen zu entwickeln, die unterschiedliche Datenformate vereinheitlichen und für verschiedene Anwendungen kompatibel machen. Erste Outdoor-Apps verwenden bereits die aktuellen Daten, weitere Anbieter zeigen Interesse. Als Open-Data-Projekt steht die Nutzung allen Anbietern offen.

Vorteile für Nutzer, Schutzgebiete und Umwelt

Dr. Steffen Walther, Fachreferent bei der DBU, hebt den Modellcharakter der Plattform hervor. Sie ermöglicht es Naturschutzakteuren, Informationen mit minimalem Aufwand direkt in die digitalen Tourenplanungsdienste zu bringen, die von der Zielgruppe genutzt werden. Dies erhöht die Nutzerfreundlichkeit und unterstützt Anbieter von Karten- und Outdoor-Apps bei der Integration entsprechender Funktionen. Gleichzeitig trägt die Plattform dazu bei, die Besucherlenkung in Schutzgebieten zu verbessern und dadurch die Umweltbelastung zu reduzieren. Die Plattform ist skalierbar und kann jederzeit um weitere Schutzgebiete oder Funktionen erweitert werden. Das Projekt ist Teil der DBU-Initiative „Digital.Natur.Landschaften“, die digitale Technologien für den Schutz von Klima, Umwelt und Biodiversität fördert.

Bilder

  • Digitize Platform zeigt temporäre Routensperrungen in Nationalparks
  • Quelle: Markus Pöhlking/DBU