Kleinteilige Anbauflächen fördern Vogelvielfalt und nachhaltige Landwirtschaft

Kleinteilige Anbauflächen fördern Vogelvielfalt und nachhaltige Landwirtschaft

Kleine Anbauflächen fördern die Vogelvielfalt

Vögel spielen eine bedeutende Rolle im Ökosystem, indem sie Schädlinge kontrollieren und Samen verbreiten. Sie gelten zudem als Indikatoren für eine gesunde Umwelt, deren Zustand Rückschlüsse auf die Qualität von Böden und Gewässern zulässt. Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht im Fachjournal „Landscape Ecology“, belegt, dass kleinteilige und vielfältige Bewirtschaftungsformen von Agrarflächen die Lebensbedingungen für Vögel verbessern.

Untersuchung am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

Im Rahmen einer dreijährigen Studie analysierten Forschende des ZALF den Einfluss verschiedener Anbaumethoden auf die Vogelpopulationen. Dabei zeigte sich, dass Felder mit einer heterogenen Struktur und reduzierter Nutzung von Pflanzenschutzmitteln von Vögeln deutlich häufiger besucht werden – rund 70 Prozent mehr als benachbarte, großflächig und konventionell bewirtschaftete Flächen.

Die Tiere bildeten auf den vielfältig bewirtschafteten Parzellen kleinere Gruppen und bevorzugten Bereiche mit niedrigerem Pestizideinsatz und einer größeren Pflanzenvielfalt. Besonders die Feldlerche, ein typischer Bewohner offener Agrarlandschaften, profitierte von diesen Bedingungen. In Zonen mit weniger chemischem Pflanzenschutz, angrenzenden Blühstreifen und einer höheren Anzahl an Wildkräutern trat sie signifikant häufiger auf.

Gestaltung und Pflege der Flächen als entscheidende Faktoren

Jenny Kröcher, Erstautorin der Studie, betont: „Die Art der Bewirtschaftung und die Gestaltung der Felder sind entscheidend. Kleinparzellierte Flächen mit verschiedenen Kulturen und einem reduzierten Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bieten Vögeln sowohl Nahrung als auch Schutz.“ Diese Kombination wirke wie ein Buffet und ein Schutzraum zugleich.

Die Ergebnisse ergänzen Erkenntnisse anderer Forschungsgruppen, die ebenfalls eine höhere Biodiversität und Resilienz in vielfältigen Landschaften feststellen konnten.

Innovativer Forschungsansatz: Das patchCROP-Experiment

Im Gegensatz zu Studien, die sich auf einzelne Maßnahmen wie Blühstreifen konzentrieren, betrachtet das patchCROP-Experiment das Zusammenspiel kleiner, unterschiedlich bewirtschafteter Teilflächen innerhalb eines größeren Feldes. Von September 2020 bis August 2023 wurden die Vogelvorkommen sowohl auf diesen Parzellen als auch auf benachbarten großflächig bewirtschafteten Kontrollfeldern erfasst.

Zur Auswertung kam die „Spatial Point Pattern Analysis“ (SPPA) zum Einsatz, eine Methode, die räumliche Verteilungen von Beobachtungen analysiert, ohne auf klassische, vergleichbare Wiederholungsflächen angewiesen zu sein. Dies ermöglicht die Berücksichtigung verschiedener Umweltfaktoren wie Pflanzenschutz, Bodenbeschaffenheit und Vegetationsstruktur gleichzeitig und differenziert.

Diese Herangehensweise erlaubt belastbare wissenschaftliche Aussagen auch aus praxisnahen Feldversuchen, die sich nicht nach traditionellen Standards replizieren lassen. Damit wird ein neuer Weg für die Forschung auf landwirtschaftlichen Betrieben eröffnet.

Perspektiven für die Landwirtschaft

Die Umsetzung einer kleinteiligen, vielfältigen Bewirtschaftung ist mit den derzeit üblichen großen Maschinen schwierig. Zukünftig könnten autonome Feldroboter, wie im patchCROP-Experiment erprobt, diese Herausforderung adressieren.

Die Integration von Naturschutzmaßnahmen in landwirtschaftliche Produktionsflächen bietet einen vielversprechenden Ansatz, um Ernährungssicherheit mit Artenschutz zu verbinden. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um langfristige Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit zu bewerten und eine flächendeckende Anwendung zu ermöglichen.

Förderung und Publikation

Die Open-Access-Veröffentlichung wurde durch das Projekt DEAL ermöglicht. Die Studie erhielt finanzielle Unterstützung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter den Förderkennzeichen 031B0729A und 031B1391.

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