Klimabedingte Wasserknappheit treibt globale Weizenpreise deutlich nach oben

Klimabedingte Wasserknappheit treibt globale Weizenpreise deutlich nach oben

Klimabedingte Wasserknappheit treibt globale Weizenpreise in die Höhe

Eine interdisziplinäre Untersuchung mit Beteiligung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zeigt, dass Dürren in den wichtigsten Weizenanbaugebieten weltweit signifikante Auswirkungen auf die globalen Weizenpreise haben. Das Forschungsteam analysierte Klimadaten, Anbauflächen, Rohstoffpreise sowie Simulationen verschiedener Klimamodelle, um den Einfluss großflächiger Wasserknappheit auf die Preisentwicklung zu ermitteln.

Weizen als besonders wasserempfindliche Kultur

Weizen spielt eine zentrale Rolle im globalen Ernährungssystem. Mit einer Anbaufläche, die größer ist als die von Reis oder Mais, liefert Weizen einen wesentlichen Anteil an Kalorien und Proteinen und ist eines der meistgehandelten Agrarprodukte weltweit. Ein großer Teil des Weizens wird in Regionen angebaut, in denen Wasserressourcen begrenzt sind.

Im Gegensatz zu bisherigen Studien, die sich vor allem auf langfristige Veränderungen der durchschnittlichen Ernteerträge konzentrierten, untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen der räumlichen Ausdehnung von Wasserknappheit während der kritischen Wachstumsphase der Pflanzen und den globalen Getreidepreisen.

Entwicklung eines Indikators für starke Wasserknappheit

Zur Bewertung der Wasserknappheit entwickelten die Wissenschaftler einen global anwendbaren Indikator namens „Severe Water Scarcity“ (SWS), der sowohl kurzfristige als auch langanhaltende Dürren berücksichtigt. Der Fokus lag auf den vier Monaten vor der Ernte, da die Pflanzen in dieser Phase besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren. Die Ausdehnung von SWS-Ereignissen in den Anbaugebieten von Weizen, Mais und Reis wurde mit den jeweiligen globalen Rohstoffpreisen verglichen. Dabei zeigte sich der stärkste Zusammenhang beim Weizen.

Starke Wasserknappheit erklärt Großteil der Weizenpreisschwankungen

Ein Modell, das ausschließlich auf dem Ausmaß der starken Wasserknappheit basiert, konnte 74 % der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise im Zeitraum von 2000 bis 2021 erklären. Obwohl die Daten von 2022 bis 2024 nicht in die Modellentwicklung einflossen, konnte das Modell auch für diesen Zeitraum, der durch außergewöhnliche Marktverwerfungen geprägt war, die Preisentwicklung weitgehend abbilden.

Für Mais konnten bis zu 40 % der Preisschwankungen durch Wasserknappheit erklärt werden, während für Reis kein vergleichbarer Zusammenhang festgestellt wurde.

Prognosen für die Zukunft: Steigende Preise durch Erderwärmung

Basierend auf Simulationen von 31 globalen Klimamodellen prognostiziert das Forschungsteam, dass mit zunehmender globaler Erwärmung die Ausbreitung starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten zunimmt und die Weizenpreise steigen. Bei einer Erwärmung von 2 °C gegenüber dem Zeitraum 1951–1980 wird ein durchschnittlicher Weizenpreis von etwa 273 US-Dollar pro Tonne erwartet. Steigt die Temperatur um 3 °C, erhöht sich der Preis auf rund 364 US-Dollar pro Tonne, was etwa dem Dreifachen des inflationsbereinigten Preises von 2010 entspricht.

Klimabedingte Wasserknappheit als Einflussfaktor auf Agrarmärkte

Obwohl neben Dürren auch Faktoren wie Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Maßnahmen, Markterwartungen, Schädlinge, Pflanzenkrankheiten und geopolitische Konflikte die Agrarmärkte beeinflussen, zeigt die Studie, dass großräumige Wasserknappheit in mehreren bedeutenden Produktionsregionen ein bisher schwer quantifizierbares klimatisches Signal darstellt, das sich auf die globalen Weizenpreise auswirkt.

Diese Erkenntnis ist besonders relevant, da Weizen für viele Menschen weltweit ein Grundnahrungsmittel darstellt. Tritt Wasserknappheit gleichzeitig oder in kurzen Abständen in mehreren großen Anbaugebieten auf, können die Folgen weit über die betroffenen Regionen hinaus über internationale Märkte bis zu weit entfernten Ländern und Haushalten reichen.

Empfehlungen für zukünftige Bewertungen der Ernährungssicherheit

Die Forschenden empfehlen, bei der Beurteilung der globalen Ernährungssicherheit nicht nur langfristige Veränderungen der durchschnittlichen Ernteerträge zu berücksichtigen, sondern auch großräumige, wiederkehrende und räumlich verbundene Ereignisse extremer Wasserknappheit, die mehrere wichtige Anbauregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander betreffen.

Weiterführende Informationen und Kontakt

  • Prof. Dr. Miroslav Trnka
    Global Change Research Institute (CzechGlobe), Tschechische Akademie der Wissenschaften
    Brünn, Tschechien
    Telefon: +420 725 950 927
    E-Mail: trnka.m@czechglobe.cz
    https://www.czechglobe.cz/en/contacts/152/
  • Prof. Dr. Jan Esper
    Forschungsbereich Klimatologie, Geographisches Institut
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    55099 Mainz, Deutschland
    Telefon: 06131 39-22296
    E-Mail: esper@uni-mainz.de
    https://www.climatology.uni-mainz.de/

Originalpublikation

M. Trnka et al., „Climate-Induced Severe Water Scarcity Events as Harbingers of Global Wheat Price“, Earth’s Future 14: 8, e2025EF006095, 21. August 2026.
DOI: 10.1029/2025EF006095