
Studie: Einfluss von Birken- und Gräserpollen auf Asthma-Notfallbehandlungen in Bayern
Eine Untersuchung des Instituts für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit der Universität Augsburg belegt, dass Birken- und Gräserpollen maßgeblich zur Zunahme ambulanter Asthma-Notfallbehandlungen in Bayern beitragen. Durch den Einsatz automatisierter Pollenmessungen konnte das interdisziplinäre Team den Zusammenhang zwischen verschiedenen Pollenarten und der Asthmabelastung genauer analysieren als bisher möglich.
Hintergrund und Methodik
Obwohl bekannt ist, dass Pollen Asthmaanfälle auslösen oder verschlimmern können, waren die bisherigen Forschungsergebnisse hinsichtlich der spezifischen Pollenarten uneinheitlich. Insbesondere fehlte eine klare Zuordnung, welche Pollenarten besonders relevant sind. Um diese Lücke zu schließen, kombinierten die Forschenden tägliche automatisierte Pollenmessungen aus Augsburg, München und Nürnberg mit Daten zu ambulanten Asthma-Notfallbehandlungen. Dabei wurden zusätzlich Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftverschmutzung in die Analyse einbezogen.
Ergebnisse: Birken- und Gräserpollen als Hauptfaktoren
Die Studie identifizierte vor allem hohe Konzentrationen von Birken- und Gräserpollen als signifikant mit einer erhöhten Anzahl ambulanter Asthma-Notfallbehandlungen verknüpft. Die Auswirkungen variierten je nach Pollenart und zeigten teilweise zeitverzögerte Effekte.
„Die differenzierte Analyse einzelner Pollenarten stellt einen wesentlichen Fortschritt dar“, erläutert Matteo Boser. „Dadurch können wir präziser bestimmen, welche Pollenarten die Asthmabelastung verstärken und wann für Betroffene ein erhöhtes Risiko besteht.“
Prof. Claudia Traidl-Hoffmann ergänzt: „Automatisierte Echtzeit-Pollendaten bieten künftig die Möglichkeit, Frühwarnsysteme zu optimieren, Patienten bei der rechtzeitigen Anpassung ihrer Therapie zu unterstützen und medizinisches Personal auf Phasen mit erhöhtem Risiko vorzubereiten. Ziel ist eine individuellere Prävention von Asthmabeschwerden.“
Ausblick für zukünftige Forschung
Zukünftige Studien sollen die Integration von Echtzeit-Pollendaten mit Vorhersagemodellen und individuellen Gesundheitsdaten erforschen. Darüber hinaus ist die Untersuchung weiterer allergischer Erkrankungen wie allergischer Rhinitis, Konjunktivitis und atopischer Dermatitis geplant. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse möglicher Wechselwirkungen zwischen Pollen und weiteren Umweltfaktoren, insbesondere Hitze und Luftschadstoffen, um deren kombinierten Einfluss auf die Gesundheit besser zu verstehen.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Maria Plaza Ing.
Leiterin des Fachbereichs „Human Exposure Science“
Institut für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit, Universität Augsburg
Telefon: +49 821 400 168403
E-Mail: maria.plaza@uni-a.de
Veröffentlichung
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Environment International publiziert:
Boser M, Damialis A, Knote C, Seemann M, Traidl-Hoffmann C, Plaza MP. Pollen exposure and asthma-related outpatient emergency treatments: A multicenter time series analysis using automated pollen monitoring in Bavaria, Germany. Environ Int. 2026 Aug;214:110426. doi: 10.1016/j.envint.2026.110426. Epub 2026 Jul 18. PMID: 42492428.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412026003843


