Klimaschutz und Anpassung in europäischen Städten Strategien für unterschiedliche Stadttypen

Klimaschutz und Anpassung in europäischen Städten Strategien für unterschiedliche Stadttypen

Klimaangepasste Strategien für europäische Städte: Differenzierte Maßnahmen je nach Stadttyp

Eine aktuelle Untersuchung, an der das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt war, analysiert spezifische Prioritäten für kommunale Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in europäischen Städten. Die Studie wurde im Fachjournal Environmental Research Letters veröffentlicht.

Methodik und Stadttypisierung

Die Forschenden klassifizierten 1.263 Städte Europas anhand gemeinsamer Merkmale in vier Kategorien: Metropolen, etablierte Städte, wachsende Städte sowie schrumpfende Städte. Anschließend erfolgte eine systematische Auswertung von 1.613 Studien zu kommunalen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen. Dadurch konnten sie ableiten, welche Maßnahmen für Städte mit vergleichbaren klimatischen, infrastrukturellen und sozioökonomischen Bedingungen besonders geeignet sind.

Empfohlene Maßnahmen nach Stadttyp

  • Schnell wachsende Städte in Süd- und Südosteuropa (z. B. Tirana, Barletta): Erfordern verstärkte Investitionen in Hitzeschutz und Wassermanagement.
  • Wirtschaftlich etablierte Städte (z. B. Landshut, Sevilla): Sollten den Fokus auf Gebäudesanierungen, Begrünung und die Umgestaltung des Verkehrs legen.
  • Metropolen (z. B. Paris, London): Profitieren besonders von Elektrifizierung, dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie Frühwarnsystemen für Hitze und andere Extremwetterereignisse.
  • Schrumpfende Städte in Osteuropa (z. B. Daugavpils, Bydgoszcz): Können durch naturbasierte Lösungen und Modernisierung der Infrastruktur Klima- und Hochwasserschutz verbessern.

Schwerpunkte und Herausforderungen

Mira Kopp, Erstautorin der Studie und Forscherin am PIK, betont, dass vor allem schnell wachsende Städte im südlichen Europa bereits heute unter hohen Hitzeeinwirkungen leiden und oft über wenig städtisches Grün verfügen, um Hitzestress zu reduzieren. Neben der Anpassung an Klimarisiken tragen wohlhabende Städte eine besondere Verantwortung zur Emissionsminderung. Dies erfordert innovative Ansätze und eine breite gesellschaftliche Beteiligung, um den Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel und die energetische Sanierung bestehender Gebäude voranzutreiben.

Beispiel Berlin

Die Ergebnisse lassen sich auch auf Berlin übertragen. Die Stadt verfolgt mit dem Baumgesetz das Ziel, über 400.000 zusätzliche Straßenbäume zu pflanzen, um Hitzewellen abzumildern. Felix Creutzig, Co-Autor der Studie und PIK-Forscher, weist jedoch darauf hin, dass die derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die gemäßigten Klimaziele für 2030 zu erreichen. Insbesondere im Verkehrssektor fehlen geeignete politische Instrumente.


Originalpublikation

Kopp, M., Montfort, S., Pflieger, G., Wagner, N., Kyrychenko, O., Nogherotto, R., Zharova, A., Baklanov, A., Cheval, S., Nair, A., Ulpiani, G., Aue, T., Creutzig, F. (2026): Climate mitigation and adaptation strategies tailored for different types of European cities: A typology and associated systematic review. Environmental Research Letters (ERL). DOI: 10.1088/1748-9326/ae7e97