Klimawandel verstärkt religiöse Konflikte zwischen Bauern und Hirten in Nigeria

Klimawandel verstärkt religiöse Konflikte zwischen Bauern und Hirten in Nigeria

Klimawandel als Verstärker religiöser Konflikte in Nigeria

Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) untersucht den Einfluss des Klimawandels auf gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen nomadischen muslimischen Viehhirten und überwiegend christlichen Bauern in Nigeria. Die Forschung zeigt, dass durch klimabedingte Dürren bestehende religiöse Spannungen verschärft werden, was zu einer Zunahme von Konflikten um Land und Ressourcen führt.

Untersuchungsgegenstand und Methodik

Die Studie von Ruud Koopmans, Daniel Meierrieks und Daniel Tuki basiert auf der Analyse von Daten aus rund 300 Regionen Nigerias im Zeitraum von 1997 bis 2020. Dabei wurden Dürreperioden anhand eines standardisierten Index erfasst, während die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung über die Anzahl von Kirchen und Moscheen in den jeweiligen Gebieten bestimmt wurde. Ergänzend führten die Forschenden eine Befragung im Bundesstaat Kaduna durch, um die Wahrnehmungen der Bevölkerung zu erfassen.

Ergebnisse der Analyse

  • Dürren erhöhen nicht generell die Wahrscheinlichkeit von Konflikten zwischen muslimischen Viehhirten und einer überwiegend muslimischen sesshaften Bevölkerung.
  • In Regionen mit überwiegend christlicher Bevölkerung steigt die Gewalt zwischen Viehhirten und Bauern unabhängig vom Klimawandel an.
  • Dürren wirken in Gebieten mit interreligiösen Spannungen als Verstärker für gewalttätige Auseinandersetzungen.

Die Befragung in Kaduna verdeutlicht unterschiedliche Ursachenwahrnehmungen: Christliche Teilnehmende führen die Konflikte häufiger auf religiöse Differenzen zurück und zeigen ein höheres Misstrauen gegenüber den muslimischen Fulani. Muslimische Befragte hingegen sehen vor allem klimatische Faktoren und Ressourcenkonkurrenz als Ursache.

Implikationen und Handlungsempfehlungen

Die Studie weist darauf hin, dass der Klimawandel bestehende religiöse Konflikte nicht nur in Nigeria, sondern auch in vergleichbaren Regionen wie der Sahelzone verschärfen kann. Um der Eskalation entgegenzuwirken, empfehlen die Forschenden Maßnahmen zur Verbesserung des Wasser- und Landmanagements, die Entwicklung alternativer Einkommensquellen sowie den Aufbau von Frühwarnsystemen. Zudem sind Programme zur Vertrauensbildung und Konfliktvermittlung in religiös heterogenen Gebieten essenziell, um ökologische Krisen nicht in Gewalt umschlagen zu lassen.

Studienpublikation und Autoren

Die Ergebnisse wurden im WZB Discussion Paper SP VI 2026–101 unter dem Titel „The Role of Droughts and Religious Cleavages in Pastoralist Conflict in Nigeria“ veröffentlicht. Die Studie entstand im Rahmen der DeZIM-Forschungsgemeinschaft sowie des Projekts TRANSMIT, das am WZB von Daniel Meierrieks koordiniert wird.

  • Prof. Dr. Ruud Koopmans: Direktor der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung am WZB, spezialisiert auf Einwanderungs- und Integrationspolitik sowie ethnische und religiöse Konflikte.
  • Dr. Daniel Meierrieks: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZB mit Forschungsschwerpunkten in den Bereichen internationale Migration, Terrorismus, politische Gewalt und Entwicklungsökonomik.
  • Dr. Daniel Tuki: Ehemaliger Mitarbeiter am WZB, aktuell an der Universität Marburg tätig, mit Fokus auf interkommunale Konflikte, Migration und Entwicklungsökonomie.

Kontaktinformationen

Prof. Dr. Ruud Koopmans
Telefon: 030/25491-451
E-Mail: Ruud.Koopmans@wzb.eu

Dr. Daniel Meierrieks
Telefon: 030/25491-447
E-Mail: Daniel.Meierrieks@wzb.eu

Kerstin Schneider
Chefredakteurin Onlinekommunikation
Telefon: 030/25491-506
E-Mail: kerstin.schneider@wzb.eu

Weiterführende Informationen

Studie als PDF

Projekt TRANSMIT am DeZIM-Institut