
Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie: Neue Studie bestätigt Praxistauglichkeit
Seit dem 12. August 2026 ist die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft. Ab Januar 2030 dürfen Lebensmittel und Toilettenartikel für die Gastronomie nicht mehr in Einwegplastik verpackt verkauft werden, was insbesondere Hotels, Restaurants und Cateringunternehmen vor Herausforderungen stellt. Die Frage, wie ein effizienter Hotelbetrieb mit nachhaltigem Ressourcenschutz vereinbar ist und welchen Beitrag Gäste leisten können, untersucht ein aktueller Bericht von WWF Deutschland, Kühne Logistics University (KLU), Motel One und Leonardo Hotels.
Umsetzung der Kreislaufwirtschaftsprinzipien
Die beteiligten Partner testeten in verschiedenen Projekten die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft – Reduzieren, Wiederverwenden, Aufbereiten und Wiederverwerten – mit dem Ziel, Ressourcen zu schonen, Abfälle zu minimieren und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich ergänzen können.
- Motel One Aachen: Durch den Einsatz von Mülleimereinsätzen konnte der Anteil an Restmüll zugunsten recyclingfähiger Leichtverpackungen reduziert werden. Dies führte zu einer durchschnittlichen Umverteilung von 4,6 Tonnen Restmüll sowie einer Kostenreduktion von etwa 30 Prozent in dieser Abfallkategorie. Verena Ferner, Group CR & Sustainability Manager bei Motel One, betont die überzeugenden ökologischen und ökonomischen Vorteile bei geringem Mehraufwand.
- Motel One Hamburg: Die Umstellung von Einweg- auf Mehrwegverpackungen für Obstsalate zeigte in der Praxis ein hohes Einsparpotenzial von Einwegplastik. Während des Testzeitraums konnten 2.261 Einwegeimer eingespart und dadurch 423 Kilogramm Einwegplastik vermieden werden. Die Rückführungsquoten waren stabil, die Ausschussrate gering.
- Leonardo Hotels Central Europe: Bei Hotelübernahmen und Renovierungen wurde geprüft, ob vorhandene Möbel wiederverwendet oder aufbereitet werden können, anstatt sie zu entsorgen. In Pilotprojekten in Berlin und Hannover gelang es, Möbel in großem Umfang weiterzuverwenden. Zudem wurden Recyclinglösungen für Materialien wie Holz, Kunststoffe und Metalle implementiert. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in weitere Renovierungsprojekte ein und dienen als Basis für die Erschließung zusätzlicher Materialströme in Zusammenarbeit mit Partnern.
Erfolgsfaktoren und praktische Umsetzung
Natascha Michaelsen, Senior Project Manager ESG/CSR bei Leonardo Hotels Central Europe, hebt hervor, dass die Skalierbarkeit der Kreislaufwirtschaft durch eine systematische Analyse der Materialströme und Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten erreicht wird. Gleichzeitig sei die Kooperation mit geeigneten Partnern entscheidend für den Erfolg.
Die Integration der Kreislaufwirtschaft in bestehende Betriebsabläufe hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen. Prof. Dr. Sandra Transchel von der KLU betont, dass die Projekte unter realen Betriebsbedingungen durchgeführt wurden. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hotels, Lieferanten, Logistikdienstleistern und Recyclingunternehmen sowie die Motivation der Mitarbeitenden sind Schlüsselfaktoren für die Umsetzung.
Auch Gäste können zur Nachhaltigkeit beitragen, indem sie Hotels mit kreislauffähigen Konzepten bevorzugen, sorgsam mit Mobiliar und Ausstattung umgehen, Mülltrennungssysteme nutzen und Mehrwegangebote annehmen oder eigene Behältnisse verwenden.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Für den WWF Deutschland verdeutlichen die Projektergebnisse, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg in der Hotellerie kein Gegensatz sind. Laura Griestop, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim WWF, erklärt: „Wer Ressourcen effizient nutzt und Abfälle vermeidet, kann Kosten senken und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken.“ Die Studie liefert wichtige Impulse für die Transformation der Branche und zeigt vorhandene Potenziale auf, die es nun zu nutzen gilt.
Der vollständige Report „Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie“ steht online zur Verfügung und wird am 18. September 2026 auf dem internationalen Cradle to Cradle Kongress in Berlin vorgestellt.
Informationen zu den beteiligten Institutionen
- Kühne Logistics University (KLU): Eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit Standorten in Hamburg und Saigon, die zu den besten fünf Prozent der Business Schools weltweit gehört (AACSB-akkreditiert). Sie bietet englischsprachige Programme in Business, Management, Logistik und Supply Chain Management an und legt besonderen Wert auf praxisorientiertes Lernen.
- WWF Deutschland: Teil des internationalen Umweltschutznetzwerks World Wide Fund for Nature mit über 60 Jahren Erfahrung. Der WWF engagiert sich in zahlreichen Projekten für den Erhalt der biologischen Vielfalt und arbeitet konstruktiv mit Unternehmen zusammen.
- Motel One Group: Mit Sitz in München betreibt die Gruppe 111 Hotels in 14 Ländern. Sie steht für Design, Qualität und attraktive Standorte und entwickelt ihr Angebot kontinuierlich weiter.
- Leonardo Hotels Central Europe: Verantwortlich für ein Portfolio von 130 Hotels in elf Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Markenfamilie umfasst verschiedene Hotelkonzepte und gehört zur Fattal Hotel Group.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Sandra Transchel
Professorin für Supply Chain und Operations Management, Kühne Logistics University (KLU)




