Landschaftsweite Kooperation zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften

Landschaftsweite Kooperation zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften

Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften durch kooperative Landschaftsplanung

Der Rückgang der Artenvielfalt in Agrarlandschaften stellt weltweit eine erhebliche Herausforderung dar. Traditionelle Agrarumweltmaßnahmen, die häufig auf einzelne landwirtschaftliche Betriebe beschränkt sind und ohne umfassende räumliche Koordination umgesetzt werden, konnten den negativen Trend bisher nicht stoppen. Ein neues Positionspapier von Forschenden der Universität Göttingen zeigt auf, dass eine Zusammenarbeit auf Landschaftsebene neue Chancen bietet, ökologische, soziale und ökonomische Vorteile zu vereinen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Conservation Biology veröffentlicht.

Herausforderungen und Potenziale der Agrarumweltmaßnahmen

Viele Arten sind auf vielfältige Ressourcen angewiesen, die über einzelne Betriebseinheiten hinausgehen. Daher reichen isolierte Maßnahmen oft nicht aus, um den Artenverlust zu verhindern. Eine landschaftsweite Kooperation ermöglicht es mehreren landwirtschaftlichen Betrieben, gemeinsame Ziele zu definieren und die Flächengröße, Lage sowie Vernetzung und Qualität der Maßnahmen gezielt abzustimmen.

Sechs Synergien zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten

Basierend auf partizipativen Workshops, Expertendiskussionen und einer umfassenden Literaturauswertung identifizierte das Forschungsteam sechs potenzielle Synergien, die sich aus einer koordinierten Landschaftsplanung ergeben:

  • Verbesserung von Ökosystemleistungen wie der Bestäubung, die auch landwirtschaftliche Erträge fördern können.
  • Stärkung sozialer Beziehungen zwischen den Akteuren durch gemeinsame Planung und Umsetzung.
  • Kosteneinsparungen durch geteilte Verwaltungsaufgaben oder gebündelte Saatgutbestellungen.
  • Erhöhung der Wirksamkeit von Biodiversitätsmaßnahmen durch abgestimmte räumliche Gestaltung.
  • Förderung der Akzeptanz bei den beteiligten Landwirtinnen und Landwirten durch partizipative Prozesse.
  • Schaffung flexibler Strukturen, die eine nachhaltige Umsetzung ermöglichen.

Notwendige Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Dr. Annika Hass von der Universität Göttingen betont, dass geeignete organisatorische Strukturen entscheidend sind, um die Kooperation auf Landschaftsebene zu ermöglichen. Dazu gehören unter anderem eine koordinierende Institution, die Einbindung verschiedener Akteursgruppen sowie flexible politische Rahmenbedingungen. Zudem weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass viele der identifizierten Synergien als Hypothesen zu verstehen sind, die weitere empirische und interdisziplinäre Forschung erfordern.

Ausblick für eine nachhaltige Agrarpolitik

Die landschaftsweite Koordination von Agrarumweltmaßnahmen bietet ein vielversprechendes Konzept, um Biodiversitätsförderung effektiver zu gestalten und gleichzeitig die ökonomische Tragfähigkeit sowie die Akzeptanz unter den Landwirtinnen und Landwirten zu erhöhen. Dieser Ansatz kann einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Agrarpolitik leisten.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dr. Annika L. Hass
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Abteilung Agrarökologie und Funktionelle Agrobiodiversität
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39 28268
E-Mail: ahass@uni-goettingen.de


Quellenangabe

Hass, A. et al. (2026): Codesigning synergies among ecological, social, and economic benefits with landscape-scale agri-environmental schemes. Conservation Biology. DOI: 10.1111/cobi.70376


Weiterführende Informationen

Pressemitteilung der Universität Göttingen mit Bildmaterial


Abbildung


Blühflächen in einer Landschaft im Landkreis Northeim zur Förderung der Biodiversität

In einer Landschaft im Landkreis Northeim konnten durch koordinierte Zusammenarbeit von mehreren Landwirtinnen und Landwirten mehr als 13 Hektar Blühflächen zur Förderung der Biodiversität angelegt werden.
Quelle: Arne Wenzel