Diversifizierte Anbaustrategien zur Risikominderung und Einkommensstabilisierung im Ackerbau

Diversifizierte Anbaustrategien zur Risikominderung und Einkommensstabilisierung im Ackerbau

Steigerung der Resilienz in der Landwirtschaft durch vielfältige Anbausysteme

Eine aktuelle Untersuchung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) analysiert, wie landwirtschaftliche Betriebe ihre Ertragsrisiken angesichts des Klimawandels und volatiler Agrarmärkte minimieren können. Die Studie zeigt anhand von Modellrechnungen, dass eine Diversifizierung der Anbauverfahren die Einkommensstabilität deutlich verbessert. Dabei wurden unterschiedliche Strategien wie vielfältige Fruchtfolgen, Streifenanbau und Parzellierung auf kleinen Flächen untersucht. Neben klimabedingten Produktionsrisiken berücksichtigt die Analyse auch Marktrisiken, die häufig vernachlässigt werden.

Hintergrund und Untersuchungsregion

Die landwirtschaftliche Produktion ist stark von klimatischen Bedingungen abhängig. Extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Starkregen führen häufig zu Ertragseinbußen und wirtschaftlichen Verlusten. Gleichzeitig beeinflussen Preisschwankungen auf den Weltmärkten, beispielsweise für Getreide oder Düngemittel, die Einkommenssituation der Betriebe. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Agricultural Systems, zeigt, dass Betriebe mit geringerer Anbauvielfalt besonders anfällig gegenüber diesen Risiken sind.

Untersucht wurden neun repräsentative Ackerbaubetriebe in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree in Brandenburg, einer der trockensten Regionen Deutschlands. Die Analyse basiert auf dem bioökonomischen Betriebsmodell MODAM, das Ertrags- und Marktschwankungen über einen Zeitraum von 30 Jahren simuliert.

Verglichene Diversifizierungsstrategien

  • Zeitliche Diversifizierung: Wechselnde Fruchtfolgen über mehrere Jahre
  • Parzellierung: Aufteilung der Felder in kleinere Teilflächen mit unterschiedlichen Kulturen
  • Streifenanbau: Felder werden in 12 Meter breite Streifen unterteilt, auf denen verschiedene Kulturen nebeneinander wachsen

Die Streifenbreite orientiert sich an der Arbeitsbreite gängiger Landmaschinen, sodass keine zusätzliche Technik erforderlich ist. Im Vergleich dazu standen enge Fruchtfolgen mit überwiegendem Anbau von Getreide, Raps und Silomais ohne Hülsenfrüchte wie Sojabohnen.

Ergebnisse der Studie

Die Diversifizierung der Anbausysteme führt zu einer besseren Risikoverteilung. Schwache Erträge einzelner Kulturen können durch andere ausgeglichen werden. Besonders die räumliche Diversifizierung durch Parzellierung und Streifenanbau reduzierte das wirtschaftliche Risiko deutlich, teilweise um mehr als 200 Euro pro Hektar in schwierigen Jahren, während das erwartete Einkommen stabil blieb.

Der Streifenanbau bietet ökologische Vorteile, etwa durch Förderung der Artenvielfalt, ist jedoch mit erhöhtem Arbeitsaufwand verbunden. Die geringere Effizienz durch häufigeres Wenden der Maschinen und mehr Feldränder führt zu Einkommenseinbußen, weshalb diese Methode nicht auf allen Flächen wirtschaftlich ist.

Politische Fördermöglichkeiten zur Unterstützung diversifizierter Anbausysteme

In der Studie wurde eine modellhafte Prämie getestet, die an die Länge der Feldränder gekoppelt ist, um kleinere Feldstrukturen zu fördern. Diese Zahlung, die aus EU-Mitteln finanziert werden könnte und für den Staatshaushalt kostenneutral wäre, stabilisierte beim Streifenanbau die Einkommen der Betriebe bei gleichzeitiger Risikominderung. Eine Förderung von 1,50 Euro pro 100 Meter Feldrandlänge erwies sich als effektiv.

Bedeutung der Ergebnisse für Landwirtschaft und Gesellschaft

Die Untersuchung unterstreicht die Notwendigkeit, die Anbausysteme künftig stärker zu diversifizieren, um den Herausforderungen des Klimawandels und globaler Unsicherheiten zu begegnen. Bis 2050 wird ein erhöhter Nahrungsbedarf erwartet, während Klimarisiken und geopolitische Faktoren zunehmen. Vielfältige Kulturen können helfen, Ernteerträge zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Berücksichtigung von Marktrisiken neben klimatischen Einflüssen stellt eine Neuerung der Studie dar. Das Modell MODAM integriert sowohl Ertragsschwankungen als auch Preisentwicklungen für Pflanzen und Düngemittel und analysiert deren Auswirkungen über drei Jahrzehnte.

Die Autoren weisen jedoch auf Modellgrenzen hin: Extreme Wetterereignisse und die Verteilung des Arbeitsaufwands über das Jahr wurden nicht abgebildet. Ebenso blieben weitere landwirtschaftliche Nutzungen wie Tierhaltung oder Biogasproduktion unberücksichtigt.

Ausblick und Empfehlungen

  • Politische Maßnahmen und Förderprogramme sind entscheidend, um Landwirte bei der Einführung diversifizierter Anbausysteme zu unterstützen.
  • Langfristig können vielfältige Anbausysteme nicht nur Einkommensrisiken reduzieren, sondern auch ökologische Vorteile bieten und die Biodiversität fördern.
  • Weitere Forschung ist notwendig, um praktische Aspekte wie Kosten, Arbeitsaufwand und technische Lösungen, etwa automatisierte Maschinen, zu klären.

Projektpartner und Förderung

Die Studie wurde vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im Rahmen des Schwerpunktprojekts „Cropping system diversification to increase the resilience of farming systems (divCROP) 2021–2024“ sowie des Projekts „Agricultural systems of the future_2: DAKIS2“ gefördert. Kooperationspartner ist die Swedish University of Agricultural Sciences (SLU).

Kontakt und Originalpublikation

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Hannah v. Czettritz
Programmbereich 3 „Agrarlandschaftssysteme“
E-Mail: hannahcharlotte.vonczettritzundneuhaus@zalf.de

Originalpublikation:
Czettritz, H. J. V. et al. (2026): Diversification and policy options for risk management in arable farming. Agricultural Systems 234, 104677.
DOI: https://doi.org/10.1016/j.agsy.2026.104677
Veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/