
Faktoren der Bestandsentwicklung von Brutvögeln in Deutschland
Die weltweite Abnahme der biologischen Vielfalt betrifft auch zahlreiche Vogelarten, wobei jedoch deutliche Unterschiede im Bestandstrend verschiedener Arten zu beobachten sind. Während einige Arten rückläufig sind, zeigen andere stabile oder sogar positive Entwicklungen. Eine statistische Untersuchung von Prof. Dr. Markus Neuhäuser (Hochschule Koblenz) und Prof. Dr. Graeme Ruxton (University of St. Andrews) analysiert die Ursachen dieser unterschiedlichen Bestandsverläufe.
Aktuelle Bestandslage und Analyse
Die im Oktober 2025 veröffentlichte Bestandsübersicht „Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025“ (Gerlach et al.) verdeutlicht, dass nicht alle Vogelarten von Bestandsrückgängen betroffen sind. Die Studie umfasst 140 in Deutschland brütende Vogelarten und untersucht langfristige Trends (seit ca. 1860–1910) sowie Entwicklungen über 12, 24 und 42 Jahre. Ziel war es, Einflussfaktoren auf die Populationsdynamik zu identifizieren.
Zentrale Einflussgrößen auf die Populationsentwicklung
- Lebensraumtyp: Arten, die in Agrarlandschaften leben, zeigen signifikant häufiger abnehmende Bestände.
- Klimatische Nische: Vogelarten mit engen klimatischen Ansprüchen weisen eher negative Trends auf. Die Analyse berücksichtigte dabei die klimatische Nischenbreite relativ zur Verbreitungsgebietsgröße, wodurch ein Index entstand, der die klimatische Variabilität innerhalb des Verbreitungsraums misst.
- Anpassungsfähigkeit an vom Menschen veränderte Lebensräume: Eine höhere Toleranz gegenüber anthropogen veränderten Habitaten wirkt sich schützend auf die Populationsentwicklung aus.
- Körpergröße: Im Langzeittrend war die Körpergröße ein signifikanter Faktor. Größere Arten zeigten seltener negative Entwicklungen, was auf historischen Jagd- und Verfolgungsdruck zurückgeführt wird.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass generalistische Arten, die vielfältige klimatische Bedingungen und unterschiedliche, vom Menschen beeinflusste Lebensräume nutzen können, besser vor Bestandsrückgängen geschützt sind als spezialisierte Arten, die vor allem in Agrarlandschaften vorkommen.
Beteiligte Institutionen
- Hochschule Koblenz, Deutschland
- University of St. Andrews, Vereinigtes Königreich
Wissenschaftliche Ansprechpartner
Prof. Dr. Markus Neuhäuser
Hochschule Koblenz, Campus Remagen, Fachbereich Mathematik, Informatik, Technik
E-Mail: neuhaeuser@rheinahrcampus.de
Originalpublikation
Neuhäuser M, Ruxton GD (2026): Predictors of Population Trends of Breeding Birds in Germany. Journal of Biogeography 53(9): e70356.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jbi.70356



