
Leitfaden zur Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rhein veröffentlicht
Der Atlantische Lachs galt im Rhein seit 1958 als ausgestorben. Erste Wiederansiedlungsversuche begannen in den 1990er-Jahren. Im Rahmen des sechsjährigen Modell- und Demonstrationsprojekts „Genetisches Monitoring zur Wiederansiedlung des Lachses im Rheingebiet“ (GeMoLaR) wurden junge Lachse aus Aufzuchtstationen in den Rhein eingesetzt, deren natürliche Reproduktion sowie das Vorkommen im Rheingebiet untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Besatzmaßnahmen Rückkehrer generieren, eine selbsttragende Population im Rhein jedoch noch nicht etabliert ist. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in einem praxisorientierten Leitfaden zusammengefasst.
Wiederansiedlung und Lebenszyklus des Atlantischen Lachses
Jährlich werden über eine Million Junglachse aus deutschen und französischen Aufzuchtstationen in geeignete Nebenflüsse des Rheins eingesetzt, um die Art wieder anzusiedeln. Dabei wird der natürliche Lebenszyklus des Wanderfisches berücksichtigt: Der Lachs schlüpft in kühlen, klaren Flüssen und verbringt dort seine Jugendzeit. Mit etwa zwei Jahren wandert der sogenannte Smolt ins Meer, wo er mehrere Jahre verbringt, bevor er zum Laichen in seinen Ursprungsfluss zurückkehrt.
Analyse von über 15.500 genetischen Proben
Im Projekt GeMoLaR wurden 15.566 genetische Proben von Atlantischen Lachsen aus dem Rheingebiet analysiert, um die Effektivität der Besatzmaßnahmen zu bewerten und den Anteil natürlich reproduzierender Lachse zu bestimmen. Die Untersuchungen bestätigen, dass die Wiederansiedlungsprogramme in Deutschland, Frankreich und der Schweiz die Rückkehr des Lachses in das Rheinsystem fördern. Die genetische Vielfalt der heutigen Rheinlachspopulation spiegelt die verschiedenen Herkünfte der eingesetzten Tiere wider. Zudem konnte natürliche Reproduktion nachgewiesen werden.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass das Lachsaufkommen weiterhin überwiegend auf Besatzmaßnahmen basiert, während die natürliche Fortpflanzung bislang eine untergeordnete Rolle spielt. Während der Projektlaufzeit nahm die Anzahl der Rückkehrer ab, was unter anderem auf Faktoren wie Niedrigwasser, steigende Wassertemperaturen und veränderte Abflussbedingungen zurückzuführen ist, die Wanderfische und andere Fischarten zusätzlich belasten.
Leitfaden als Grundlage für zukünftige Maßnahmen
Das Projekt entwickelte Methoden und einen Leitfaden, die eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und Nachbarstaaten ermöglichen sollen, um die Wiederansiedlung bedrohter Wanderfischarten wie des Atlantischen Lachses zu fördern. Der Leitfaden bietet Empfehlungen zur Optimierung des Reproduktionsmanagements und dient als Grundlage für ein langfristiges genetisches Monitoring. Die Ansätze sind zudem auf andere Wanderfischarten und Fischereimanagementprojekte übertragbar.
Das GeMoLaR-Projekt wurde als Fallstudie in die „Leitlinie zum genetischen Management von Besatzprogrammen für aquatische Arten“ der Welternährungsorganisation (FAO) aufgenommen.
Projektinformationen
Das Projekt GeMoLaR begann am 1. Juli 2020 unter der Leitung der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau in Rheinland-Pfalz. Gefördert wurde es durch Mittel des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMLEH) und betreut durch die Projektträgerin Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) über das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV). Das Projektteam arbeitete eng mit Fischereibehörden, Naturschutzbehörden der Bundesländer, Betreibern von Elternfischhaltungen sowie internationalen Partnern wie der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) zusammen.



