Klimawandel und Planetare Gesundheit in der schulischen Bildung nachhaltig verankern

Klimawandel und Planetare Gesundheit in der schulischen Bildung nachhaltig verankern

Klimawandel und Planetare Gesundheit in der schulischen Bildung nachhaltig verankern

Abschluss des Projekts „Planetare Gesundheit und BNE in der regionalen Bildung“ mit frei zugänglichen Bildungsmaterialien

Das dreijährige Verbundprojekt „Planetary Health und BNE in der regionalen Bildung“ (PH:regBi) wurde mit einer Fachtagung an der Universität Vechta offiziell beendet. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Vorhaben der Universitäten Vechta und Gießen entwickelte praxisorientierte Unterrichtskonzepte, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels im schulischen Kontext verankern. Im Fokus stehen dabei frei verfügbare Lernmaterialien sowie innovative Ansätze zur Einbindung von Kindern und Jugendlichen.

Herausforderungen durch den Klimawandel und integrative Bildungsansätze

Steigende Temperaturen, häufigere Starkregenereignisse und die Ausbreitung neuer Krankheitsüberträger wie der Tigermücke stellen sowohl Kommunen als auch Schulen vor neue Aufgaben. Das Projekt PH:regBi reagierte darauf mit einem integrativen Konzept, das die „Planetare Gesundheit“ – das Verständnis, dass menschliche Gesundheit eng mit dem Zustand der Ökosysteme verbunden ist – mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Unterricht kombiniert.

Kommunale Praxis und wissenschaftliche Umsetzung

  • Philip Wilming, stellvertretender Bürgermeister von Vechta, hob die Relevanz des Projekts für die kommunale Praxis hervor. Er erläuterte am Beispiel des Klimaparks Stukenborg, wie Bürgerbeteiligung, Umweltbildung und wissenschaftliche Begleitung zusammenwirken können.
  • Prof. Dr. Karl Martin Born, Dekan der Fakultät II und Direktor des Transformationsinstituts VISTRA an der Universität Vechta, betonte die erfolgreiche Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in frei nutzbare Unterrichtsmaterialien (Open Educational Resources, OER).

Fokus und Inhalte des interdisziplinären Projektteams

Das Team, bestehend aus Geographiedidaktikern sowie medizinischen Netzwerken wie dem „KLUG-Bündnis“, konzentrierte sich auf vier zentrale Themenbereiche:

  • Gesundheitliche Risiken durch Hitzewellen
  • Folgen von Starkregenereignissen
  • Veränderungen in der Landwirtschaft im Kontext der Ernährungssicherung
  • Ausbreitung invasiver Arten (Neobiota)

Erfahrungen aus der Praxis und Herausforderungen bei der Umsetzung

In einer abschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Caroline Schmidt (Universität Vechta) wurden die Praxistauglichkeit der entwickelten Konzepte sowie bestehende Hindernisse thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltige Bildung über die reine Wissensvermittlung hinausgehen muss.

  • Prof. Dr. Carsten Butsch (Justus-Liebig-Universität Gießen) wies darauf hin, dass gesundheitsbezogene Geographie und planetare Ansätze zwar an Bedeutung in der universitären Ausbildung gewinnen, jedoch verstärkt verbreitet werden sollten.
  • Dr. Hannah Lathan (Universität Vechta) betonte, dass der Geographieunterricht nicht nur Fakten zum Klimawandel vermitteln darf, sondern Lernende befähigen muss, dieses Wissen in Handlungs- und Transformationskompetenzen umzusetzen. Die entwickelten Module bieten hierfür konkrete Werkzeuge für Lehrkräfte und Studierende.
  • Dr. Dorothee Belling, Leiterin der Ludgerus-Schule Vechta, erläuterte anhand von Schulprojekten wie dem Bau einer „Käferburg“, dass praktische Erfahrungen und aktives Handeln entscheidend sind, um ökologische Zusammenhänge verständlich zu machen und Handlungskompetenzen zu fördern.
  • Gleichzeitig wurden strukturelle Einschränkungen wie starre Lehrpläne, Zeitmangel und begrenzte finanzielle Mittel als Barrieren für eine flächendeckende Umsetzung an Schulen genannt.
  • Schülerinnen und Schüler forderten auf dem Podium mehr Verbindlichkeit und Mitbestimmung, nicht nur innerhalb der Schule, sondern auch bei der Gestaltung von Schulhöfen, Spielplätzen und städtischen Grünflächen. Sie möchten als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt anerkannt und aktiv eingebunden werden.

Nachhaltigkeit und Ausblick

Mit dem Ende der dreijährigen Förderung unter der Leitung von Prof. Dr. Leif Mönter (Universität Vechta), Prof. Dr. Christian Wittlich (Justus-Liebig-Universität Gießen) und Dr. Hannah Lathan (Universität Vechta) wird das Projekt nicht eingestellt. Die entwickelten Lehrmaterialien bleiben dauerhaft kostenfrei zugänglich, und die im Projekt geknüpften Netzwerke werden weitergeführt. Die Tagung zeigte, dass die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Schule und Kommunalpolitik eine solide Grundlage darstellt, um auf regionaler Ebene wirksam auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren.

Weitere Informationen und Kontakt

Die frei verfügbaren Unterrichtsmaterialien sowie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, darunter Projektkoordinatorin Madelaine Uxa (Vechta), Projektmitarbeiterin Svenja Sgodda (Gießen) und der Promovierende Hendrik Bergers, sind unter folgender Adresse abrufbar: https://www.uni-vechta.de/phregbi