Regenwassernutzung in Haushalten und Betrieben: Potenziale und Herausforderungen zur Einsparung von Trinkwasser
Der Klimawandel führt zu häufigeren Trockenperioden, wodurch der sparsame Umgang mit Wasser immer wichtiger wird. Die Verwendung von Regenwasser in privaten Haushalten und der Industrie stellt eine Möglichkeit dar, wertvolles Trinkwasser einzusparen. In Deutschland variieren die Potenziale der Regenwassernutzung jedoch stark je nach Region. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat im Auftrag des Umweltbundesamts untersucht, unter welchen Bedingungen Regenwasser ökologisch und ökonomisch sinnvoll genutzt werden kann.
Hintergrund und Zielsetzung der Studie
Durch den Klimawandel nehmen Nutzungskonflikte um die begrenzte Ressource Wasser zu: Während Hitzewellen sinken regional die Grundwasserstände, gleichzeitig steigt der Wasserbedarf in Haushalten und der Landwirtschaft, die überwiegend auf Grundwasser angewiesen sind. Vor diesem Hintergrund gewinnt Regenwasser als alternative Ressource an Bedeutung. Die Nationale Wasserstrategie von 2023 nennt die Regenwassernutzung explizit als Maßnahme zur Schonung von Süßwasser.
Die Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer ISI haben im Rahmen einer Studie die Potenziale und Herausforderungen der Regenwassernutzung in Deutschland analysiert. Dabei wurden ökologische, hygienische, wirtschaftliche, soziale und technische Aspekte anhand verschiedener Szenarien bewertet. Langzeitsimulationen für die Städte Berlin, Köln und München berücksichtigten unterschiedliche Bebauungsstrukturen und klimatische Bedingungen, um regionale Unterschiede abzubilden.
Einsparpotenziale und Wirtschaftlichkeit
- Das Einsparpotenzial von Trinkwasser durch Regenwassernutzung hängt maßgeblich von der Bebauungsdichte, den regionalen Niederschlagsmengen sowie der Verteilung der Niederschläge über das Jahr ab.
- Die Größe der verfügbaren Wasserspeicher beeinflusst ebenfalls, wie viel Betriebswasser (z. B. für Toilettenspülung oder Waschmaschinen) durch Regenwasser ersetzt werden kann.
- In Einfamilienhäusern kann ein großer Teil des Betriebswasserbedarfs gedeckt werden, allerdings meist nicht kostendeckend.
- In dicht bebauten Wohngebieten lassen sich pro Hektar die höchsten Trinkwassermengen einsparen, da große Dachflächen für die Regenwassersammlung zur Verfügung stehen. Dennoch reicht die Regenwassermenge dort häufig nicht aus, um den gesamten Betriebswasserbedarf zu decken.
- Beispielsweise könnten in Berlin in dicht bebauten Siedlungen etwa 40 % des Betriebswassers durch Regenwasser ersetzt werden, was einer Einsparung von rund 17 % des Trinkwasserverbrauchs entspricht. In München liegt dieser Anteil bei bis zu 70 % des Betriebswasserbedarfs und etwa 24 % des Trinkwasserverbrauchs.
- Unter Berücksichtigung zukünftiger Trockenperioden kann die Deckung des Betriebswasserbedarfs um 10 bis 20 Prozentpunkte sinken, wobei auch größere Speicher dies nicht vollständig kompensieren können.
- In der Industrie bieten große Dachflächen erhebliche Potenziale zur Regenwassernutzung, beispielsweise für Kühlung, Bewässerung oder Produktionsprozesse. Hier kann sich die Nutzung unter bestimmten Voraussetzungen auch wirtschaftlich lohnen.
- Die Zwischenspeicherung von Regenwasser kann zudem Abflussspitzen reduzieren und somit die Kanalisation entlasten.
- Die Wirtschaftlichkeit variiert stark zwischen den Regionen, bedingt durch unterschiedliche Wasserpreise, Abwassergebühren und mögliche Vergünstigungen beim Niederschlagswasserentgelt.
Empfehlungen für eine naturnahe Wasserbewirtschaftung in Kommunen
Die Studie zeigt, dass kleinere Regenwassernutzungsanlagen häufig aus ökologischen oder idealistischen Beweggründen betrieben werden. Eine Ausweitung auf Quartiersebene und die Integration in blau-grüne Infrastruktur könnten sowohl ökologische Vorteile als auch die Wirtschaftlichkeit verbessern.
Kommunen spielen eine zentrale Rolle, insbesondere durch die Nutzung öffentlicher Gebäude und die Schaffung eines rechtlichen Rahmens zur Förderung privater Investitionen. Ein integriertes Wassermanagement, das Regenwassernutzung mit Maßnahmen wie Rückhalt, Versickerung, Verdunstung und der Nutzung weiterer Wasserressourcen (z. B. aufbereitetes Grauwasser) kombiniert, sollte bereits in der Planungsphase von Neubauten berücksichtigt werden.
Dr. Jan Greiwe vom Fraunhofer ISI betont: „In deutschen Städten werden Abwasser und Niederschläge derzeit schnell und zentral aus Wohn- und Industriegebieten abgeleitet. Die Sammlung und Nutzung dieses Wassers könnte den Trinkwasserbedarf reduzieren und trägt indirekt zur Abfederung von Bedarfsspitzen während Hitzewellen und Trockenphasen bei. Ein ganzheitliches, naturnahes Wassersystem kann die Lebensqualität in Quartieren verbessern und die Versorgungssicherheit erhöhen.“
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