
Carbon Capture and Storage (CCS): Umweltverträglichkeit, Raumkonflikte und gesellschaftliche Akzeptanz
Carbon Capture and Storage (CCS) wird in der aktuellen politischen Diskussion als ein bedeutendes Instrument zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 betrachtet. Eine aktuelle Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes verdeutlicht jedoch, dass für die Auswahl geeigneter CO2-Speicher, beispielsweise in der deutschen Nordsee, präzise Rahmenbedingungen erforderlich sind. Nur unter diesen Voraussetzungen kann CCS als ergänzende Maßnahme einer nachhaltigen Klimapolitik fungieren.
Verantwortungsvoller Einsatz von CCS
Dr. Florian Krob, Experte für CCS am Öko-Institut, betont, dass CCS nur dann einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, wenn sein Einsatz verantwortungsvoll, begrenzt und möglichst sicher erfolgt. Vorrangig sollten nur solche Emissionen unterirdisch gespeichert werden, die sich nicht durch andere Maßnahmen vermeiden lassen.
Geologische Potenziale und praktische Einschränkungen
Obwohl die Nordsee geologisch als vielversprechender Standort für CO2-Speicherung gilt, zeigen Raumordnungspläne, dass nur ein kleiner Teil des theoretischen Potenzials tatsächlich genutzt werden kann. Viele Gebiete sind bereits für Naturschutz, Windenergie oder militärische Zwecke reserviert.
Es bestehen erhebliche Nutzungskonflikte, insbesondere im Bereich des Meeresschutzes, der unverändert Priorität haben muss. Ohne abgestimmte Konzepte zur Mehrfachnutzung der Flächen für Windenergie und Verteidigung wird die Umsetzung von CCS in der deutschen Nordsee stark eingeschränkt bleiben.
Darüber hinaus bestehen technische Risiken und Unsicherheiten. Erfahrungen zeigen, dass Speicher, die zunächst als geeignet eingestuft wurden, sich im Betrieb oft als weniger tauglich erweisen. Aktuelle Abschätzungen der Speicherpotenziale basieren vorwiegend auf theoretischen Annahmen, sodass die tatsächliche Nutzbarkeit voraussichtlich deutlich geringer ausfallen wird.
CCS als Maßnahme für unvermeidbare Emissionen
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Menge des speicherbaren CO2 deutlich unter den derzeitigen Erwartungen liegt. CCS sollte daher ausschließlich als ergänzende Klimaschutzmaßnahme eingesetzt werden, um technisch unvermeidbare Restemissionen, etwa aus der Industrie, zu kompensieren oder CO2 langfristig aus der Atmosphäre zu entfernen. Ein breiterer Einsatz über diese unvermeidbaren Emissionen hinaus könnte die Sicherheit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS gefährden.
Umweltverträglichkeit und Minimierung von Belastungen
Eine umweltverträgliche CO2-Speicherung muss Belastungen für Mensch und Umwelt entlang der gesamten Wertschöpfungskette vermeiden. Neben direkten Risiken wie Leckagen oder Problemen bei der Einspeicherung sind auch indirekte Auswirkungen zu berücksichtigen. Beispielsweise können Erkundungsmaßnahmen, Pipelinebau oder seismische Überwachung empfindliche Arten wie Schweinswale beeinträchtigen.
Angesichts begrenzter räumlicher Kapazitäten und potenzieller Umweltrisiken gilt das Prinzip „je weniger, desto besser“. Umweltverträglichkeit wird am ehesten durch einen moderaten und verantwortungsvoll geplanten Ausbau erreicht, der ausreichend Sicherheitsreserven berücksichtigt und Fehlentwicklungen vorbeugt.
Klare Kriterien und frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit
Langzeitsicherheit ist ein wesentlicher Faktor für Umweltverträglichkeit. Daher sind eindeutige Ausschlusskriterien und verbindliche Mindestanforderungen bei der Auswahl von CO2-Speichern notwendig. Das Ende 2025 in Kraft tretende Gesetz zur dauerhaften Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid (KSpTG) greift jedoch zu spät, da eine vertiefte Prüfung der Speicher erst nach Beginn der Erkundungen durch die Betreiber vorgesehen ist.
Ein Verfahren, das bereits vor den Erkundungen ansetzt, könnte frühzeitig festlegen, welche Speicher aus Umwelt- oder Sicherheitsgründen ausgeschlossen werden müssen. Erfahrungen aus Ländern wie Dänemark zeigen, dass transparente, systematische und frühzeitige Verfahren die Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS deutlich verbessern können.
Da Raum ein begrenztes und sensibles Gut ist, an dem die Öffentlichkeit großes Interesse zeigt – wie die Debatten um Endlager für hochradioaktive Abfälle verdeutlichen – ist es entscheidend, die Bevölkerung frühzeitig und kontinuierlich in Entscheidungsprozesse einzubinden, um Vertrauen zu schaffen.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner
Dr. Florian Krob
Senior Researcher im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut Consult gGmbH, Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-142
E-Mail: f.krob@oeko.de
Quelle
Studie „Anforderungen an ein Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO2-Speicher“ des Öko-Instituts
https://www.oeko.de/publikation/anforderungen-an-verfahren-zur-identifikation-umweltvertraeglicher-co2-speicher/




