
Hightech-Forschung zur Wiederverwertung von Laborabfällen im Gesundheitssektor
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), eine der größten Umweltstiftungen Europas mit einem Stiftungskapital von etwa drei Milliarden Euro, fördert seit 35 Jahren innovative Umweltprojekte, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Im Rahmen einer Serie über bedeutende DBU-geförderte Vorhaben in diesen Regionen wird ein Projekt aus Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt, das die Kreislaufwirtschaft im medizinischen Laborbereich vorantreibt. Ziel ist es, Kunststoffabfälle aus Laboren so aufzubereiten, dass sie als hygienisch unbedenkliches Rezyklat wiederverwendet werden können. Die DBU unterstützt dieses Vorhaben mit rund 338.000 Euro.
Förderung innovativer Umweltprojekte in Ostdeutschland
Seit ihrer Gründung hat die DBU einen Schwerpunkt auf Projekte in den ostdeutschen Bundesländern gelegt. Dabei steht der Schutz von Klima, Umwelt und Ressourcen im Mittelpunkt, um dem menschengemachten Klimawandel entgegenzuwirken. Das aktuelle Projekt zielt darauf ab, Rohstoffe im Gesundheitssektor besser zu erhalten. Neben Mecklenburg-Vorpommern ist auch Sachsen beteiligt. Das Konsortium arbeitet daran, Abfälle aus medizinischen Laboren so zu behandeln, dass sie als recycelter Kunststoff wiederverwendet werden können.
Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft
Das Projektkonsortium umfasst die HygCen GmbH aus Schwerin, spezialisiert auf Qualitätssicherung von Medizinprodukten und Desinfektion, das Institut für Polymer- und Produktionstechnologien in Wismar sowie die Ermafa Environmental Technologies GmbH aus Chemnitz. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde hebt das vorbildliche Zusammenspiel von mittelständischer Wirtschaft und Forschung hervor, das den Klima- und Ressourcenschutz durch Hightech-Innovationen fördert.
Rezyklierung infektiöser Kunststoffabfälle
Projektleiterin Johanna Köhnlein, Diplom-Umweltwissenschaftlerin und wissenschaftliche Koordinatorin bei HygCen, beschreibt die zentrale Fragestellung: Es wurde untersucht, ob sich hochwertige Kunststoffabfälle aus medizinischen Laboren sicher dekontaminieren und in den Produktionskreislauf zurückführen lassen. Die Herausforderung besteht darin, dass es sich um infektiöse Abfälle handelt, die bislang meist thermisch entsorgt wurden, wodurch wertvolle Rohstoffe verloren gehen.
Erfolgreiche Machbarkeitsstudie zur stofflichen Wiederverwertung
Das Projekt konnte nachweisen, dass sortenreine Kunststoffe nach der Dekontamination wieder für gleichwertige Produkte verwendet werden können. Die Firma Ermafa aus Chemnitz zerkleinerte die Kunststoffabfälle vor der Sterilisation in einer Autoklavenkammer. Anschließend wurden die aufbereiteten Polystyrol-Abfälle von einem Spritzgussunternehmen zu neuen Petrischalen verarbeitet, die vollständig aus recyceltem Material bestehen. Diese Produkte zeigten keine mikrobiologischen Auffälligkeiten und waren nicht zytotoxisch. Die Dekontamination erwies sich als effektiv, da in über 40 Zyklen keine Prüfkeime mehr nachweisbar waren.
Verbindung von Hygiene und Ressourcenschutz
Köhnlein betont, dass hygienische Sicherheit und Ressourcenschonung untrennbar miteinander verbunden sind. Die Prozesse wurden durch Bioindikatoren und unabhängige Temperaturüberwachung streng kontrolliert. Voraussetzung für die Wiederverwendung ist die Einhaltung aller hygienischen und materialbezogenen Anforderungen. Die DBU-Fachreferentin Dr. Melanie Kröger unterstreicht die Bedeutung des Projekts angesichts der enormen Abfallmengen im Gesundheitssektor, der in Deutschland und weltweit zu den größten Müllproduzenten zählt. Das Projektteam entwickelte Lösungen, die Patientensicherheit und Ressourcenschutz vereinen. Bonde weist darauf hin, dass eine umfassende Kreislaufwirtschaft vom Produktdesign bis zum Recycling notwendig ist, um das lineare Wirtschaftsmodell „take-make-waste“ zu überwinden.
Förderinitiative „CirculAid“ für mehr Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen
Das Projekt ist Teil der DBU-Förderinitiative „CirculAid“, die derzeit sieben Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von rund 1,7 Millionen Euro unterstützt. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen zu stärken. Laut Fraunhofer-Institut ISI und Umweltbundesamt verbraucht dieser Sektor in Deutschland jährlich über 100 Millionen Tonnen Rohstoffe und ist damit der viertgrößte Rohstoffverbraucher. Krankenhäuser produzieren allein fast fünf Millionen Tonnen Abfall pro Jahr und gehören zu den größten Müllverursachern, was unter anderem auf den Einsatz von Einwegprodukten zurückzuführen ist.
- Förderung innovativer Umweltprojekte in Ostdeutschland
- Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft
- Rezyklierung infektiöser Kunststoffabfälle aus Laboren
- Nachweis der Machbarkeit hygienischer Wiederverwertung
- Verbindung von Hygieneanforderungen und Ressourcenschutz
- Initiative „CirculAid“ zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen



