
Schutz und Forschung alter Buchenwälder
Am 16. September 2026 fand an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) eine Fachtagung des Bundesumweltministeriums (BMUKN) statt, die sich dem Schutz und der wissenschaftlichen Untersuchung alter Buchenwälder widmete. Anlass war der 15. Jahrestag der Aufnahme der fünf deutschen Buchenwaldgebiete in das UNESCO-Weltnaturerbe.
Bedeutung der Buchenwälder
Alte Buchenwälder spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt und bieten wertvolle Einblicke in natürliche Waldentwicklungen unter den Bedingungen des Klimawandels. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth betonte in seiner Videobotschaft die multifunktionale Bedeutung dieser Wälder: Sie wirken als Wasserspeicher, fördern die Neubildung von Grundwasser, kühlen das Umfeld und sind wichtige Kohlenstoffsenken. Zudem besitzen sie eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen als viele andere Waldflächen. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für den langfristigen Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes in Deutschland.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Monitoring
Prof. Dr. Pierre Ibisch (HNEE/ECONICS Institute) präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zum Wandel der deutschen UNESCO-Buchenwälder, während Barbara Engels vom Bundesamt für Naturschutz die historische Entwicklung der Welterbestätte sowie deren zukünftige Herausforderungen darstellte.
Im Fokus stand eine vom Bundesumweltministerium initiierte vergleichende Studie, die Monitoringdaten der fünf deutschen Welterbegebiete analysierte. Die Untersuchung zeigte, dass sowohl die Biomasse als auch die Kohlenstoffvorräte in den letzten 25 Jahren zugenommen haben. Zudem gehören diese Wälder an heißen Tagen zu den kühlsten Regionen Deutschlands. Gleichzeitig verdeutlichten die Daten die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf die Vitalität der Wälder. Trotz wiederholter Erholungsphasen bleiben Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Wälder notwendig.
Diskussion und internationale Perspektiven
In der anschließenden Plenumsdiskussion wurde die Vergleichbarkeit langfristiger Beobachtungen thematisiert. Prof. Dr. Andreas Bolte vom Thünen-Institut hob die Bedeutung der Schutzgebiete als Referenzflächen hervor, um natürliche Waldentwicklungen und unterschiedliche Bewirtschaftungsformen zu erforschen. Prof. Dr. Ibisch sprach sich für standardisierte Erhebungsmethoden, bessere Abstimmung und eine verbesserte Ausstattung des Monitorings aus. Barbara Engels betonte die Wichtigkeit weniger, aber aussagekräftiger Kernindikatoren zur Bewertung des Erhaltungszustands und möglicher Gefährdungen des Welterbes.
Das Fachpanel am Nachmittag erweiterte den Blick auf internationale Zusammenarbeit und aktuelle Forschungsergebnisse. Beiträge kamen unter anderem aus dem ukrainischen Karpaten-Biosphärenreservat, dem Permanenten Sekretariat der UNESCO-Weltnaturerbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, der Stiftung Nationale Kulturlandschaften sowie dem Thünen-Institut.
Diskutiert wurden unter anderem die natürliche Erneuerung alter Buchenwälder sowie das Verhältnis zwischen Schutzgebieten und deren regionalem Umfeld. Die Erweiterung des Schutzes älterer Buchenwälder und der UNESCO-Flächen inklusive Pufferzonen wurde als sinnvoll erachtet. Am Beispiel des Grumsin-Waldes wurden Herausforderungen durch hohe Besucherzahlen und unzureichende Infrastruktur erörtert. Transparente Kommunikation und die Einbindung der lokalen Bevölkerung wurden als entscheidende Faktoren für Akzeptanz hervorgehoben.
Abschließende Worte und Exkursion
Oliver Conz, Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium, unterstrich die verbindende Funktion des Weltnaturerbes. Während bei der ursprünglichen Anerkennung vor allem der Artenschutz im Fokus stand, habe sich inzwischen der Wert grenzüberschreitender Netzwerke herauskristallisiert, die Austausch und Zusammenarbeit fördern. Die Buchenwälder stellten ein gemeinsames Erbe der Menschheit dar, das auch in Zeiten von Konflikten Verbundenheit stifte. Die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung ermögliche es, die Entwicklung der Wälder zu verfolgen und daraus Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.
Am 17. September wurde eine Exkursion in das UNESCO-Welterbe-Teilgebiet Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin durchgeführt, um vor Ort Forschungs- und Monitoringansätze sowie Herausforderungen des Waldschutzes zu vertiefen.
Organisation
Die Tagung wurde vom Bundesumweltministerium finanziert und organisiert. Die fachliche und organisatorische Umsetzung erfolgte durch das ECONICS INSTITUTE e. V. und die agrathaer GmbH.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner
- Prof. Dr. Pierre Ibisch
pierre.ibisch@hnee.de
Telefon: 03334/657-178



