
Klimawandel beeinflusst globale Verbreitung von Schmetterlingen
Eine internationale Untersuchung, geleitet von der Monash University in Melbourne, hat erstmals Verbreitungsdaten von 1.758 Schmetterlingsarten aus 105 Ländern zusammengeführt. Die Analyse zeigt, dass etwa zehn Prozent der untersuchten Arten ihr Verbreitungsgebiet bereits verlagert haben. In nahezu 80 Prozent der dokumentierten Fälle lassen sich diese Veränderungen auf den Klimawandel und extreme Wetterereignisse zurückführen.
Bedeutung der Datenharmonisierung durch Marburger Forschung
Der Biodiversitätsforscher Dr. Stefan Pinkert von der Philipps-Universität Marburg spielte eine zentrale Rolle bei der Vereinheitlichung der weltweit verstreuten Verbreitungsdaten und taxonomischen Informationen. Ziel war es, aus den zahlreichen Einzelbeobachtungen einen global vergleichbaren Datensatz zu erstellen. Dabei wurden über 6.000 dokumentierte Arealverschiebungen aus wissenschaftlichen Publikationen, Museumsbeständen und Expertenwissen ausgewertet.
- Herausforderung: Unterschiedliche wissenschaftliche Bezeichnungen für Arten in verschiedenen Ländern und Datensätzen
- Abgleich von rund 113.000 Namen mit etwa 19.000 Arten
- Erstellung einer einheitlichen Taxonomie zur globalen Vergleichbarkeit
Pinkert betont, dass durch die Zusammenführung jahrzehntelanger Beobachtungen erstmals globale Muster der Arealverschiebungen und deren Ursachen identifiziert werden können.
Schmetterlinge als Indikatoren für ökologische Veränderungen
Dr. Shawan Chowdhury von der Monash University hebt hervor, dass Schmetterlinge als Frühwarnsysteme für den Zustand von Ökosystemen dienen. Die beobachteten Verschiebungen ihrer Verbreitungsgebiete verdeutlichen die tiefgreifenden Auswirkungen des Klimawandels auf natürliche Lebensgemeinschaften.
Die Studie offenbart zudem erhebliche Wissenslücken, insbesondere in tropischen Regionen, die eine hohe Schmetterlingsvielfalt aufweisen, jedoch bisher unzureichend erfasst sind. Die Forschenden fordern daher eine Intensivierung des Biodiversitätsmonitorings, eine verstärkte Digitalisierung von Sammlungsbeständen sowie die stärkere Einbindung regionaler Forschungseinrichtungen.
Pinkert unterstreicht die Dringlichkeit, mehr belastbare Daten zu gewinnen, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und effektive Schutzmaßnahmen planen zu können.
Beispielart: Erdbeerbaumfalter (Charaxes jasius)
Der Erdbeerbaumfalter, der im südfranzösischen Massif des Alpilles an der Nordgrenze seines Verbreitungsgebiets vorkommt, ist ein seltener Anblick, da er tagsüber ständig auf Patrouillenflügen unterwegs ist. Seine großen Flügel ermöglichen effizienten Segelflug und ausgedehnte Wanderungen zwischen verschiedenen Lebensräumen im Flach- und Hochland. Trotz seiner hohen Mobilität erzwingt die rasche Klimaerwärmung Verschiebungen in höhere Breiten und Höhen. Gelingt dies nur unzureichend und tritt zusätzlich Habitatverlust durch Landnutzungsänderungen auf, schrumpfen die Verbreitungsgebiete der Arten. Tagfalter gelten daher als wichtige Frühwarnindikatoren für die Folgen des Klimawandels bei Insekten.
Bildquelle und Download: https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2026/schmetterling-auf-zweig
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Stefan Pinkert
Fachbereich Biologie, Naturschutz
Philipps-Universität Marburg
Telefon: 06421 28-23472
E-Mail: stefan.pinkert@biologie.uni-marburg.de
Originalpublikation
Veröffentlicht in Nature Ecology & Evolution: https://www.nature.com/articles/s41559-026-03117-y




