Vitamin D und Zahnimplantate: Fachleute empfehlen ein differenziertes Vorgehen statt Routine-Test und -Substitution



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17.02.2026 15:45

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Vitamin D und Zahnimplantate: Fachleute empfehlen ein differenziertes Vorgehen statt Routine-Test und -Substitution

Ein Mangel an Vitamin-D kann die Einheilung von Zahnimplantaten oder den Heilungsprozess nach dem Aufbau von Kieferknochen beeinträchtigen. Trotzdem empfehlen Fachleute keine routinemäßige Untersuchung des Vitaminspiegels oder eine vorsorgliche Einnahme des Vitamins, wenn sich Patientinnen und Patienten einer Implantat-Therapie unterziehen. Zu diesem Ergebnis kommen Fachleute von 23 wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Organisationen und Patientengruppen, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI e.V.) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. eine erste deutschsprachige wissenschaftliche Leitlinie zum diesem entwickelt haben.

Der Vitamin-D-Mangel in der Gesellschaft ist hoch: Etwa 30 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. In den Wintermonaten können sogar bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben. Dies ist vor allem bei älteren Menschen der Fall: In dieser Altersgruppe sind bis zu 80 Prozent betroffen. Den Löwenanteil des Vitamins produziert der Körper selbst. Bis zu 90 Prozent werden in der Haut durch die Einwirkung von Sonnenlicht (UVB-Strahlung) gebildet. Das Vitamin ist für den Knochenstoffwechsel wichtig. Ein Mangel kann zu Rachitis, Knochenerweichung (Osteomalazie) oder Osteoporose führen.

Vitamin D-Mangel kann bei Zahnimplantaten Probleme verursachen.

Die Auswertung wissenschaftlicher Studien liefert Hinweise, dass ein Vitamin D-Mangel den Erfolg einer Implantat-Therapie und den Heilungsverlauf nach einem Knochenaufbau beeinträchtigen könnte. Der Vitaminmangel kann die Einheilung eines Implantates und dessen Stabilität beeinträchtigen und das Risiko von Entzündungen der Gewebe erhöhen, die das Implantat umgeben. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren jedoch, dass die wissenschaftlichen Studien insgesamt nicht eindeutig sind. Deshalb betont der Koordinator der Leitlinie Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden): „Ein generelles Screening oder eine pauschale Supplementierung kann derzeit nicht empfohlen werden.“

Empfehlung: individualisiertes Vorgehen.

Stattdessen raten die Fachleute zu einem individualisierten Vorgehen. Vermuten Zahnmediziner:Innen einen Vitamin-D-Mangel aufgrund der Krankengeschichte oder ist der Mangel bereits bekannt, kann eine gezielte Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein. Auch bei unklaren frühen Verlusten eines Implantats oder wiederkehrenden Infektionen der Gewebe um das Implantat herum kann die Diagnostik des Vitamin-D-Status einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn liefern.
Liegt eine Mangelversorgung vor, könnte, so die Expertinnen und Experten, eine gezielte Einnahme des Vitamins vor der Operation helfen, postoperative Entzündungen und Schwellungen zu reduzieren. Es gibt auch Hinweise auf einen geringeren Abbau des Knochengewebes um ein Implantat herum und eine höhere Stabilität der künstlichen Zahnwurzel, wenn der Vitaminspiegel in den Normbereich steigt.

Mehr Forschung ist nötig.

Die Autorinnen und Autoren der Leitlinie betonen jedoch zugleich den Bedarf an weiteren hochwertigen Studien. Künftige Forschungsarbeiten sollten insbesondere den Einfluss der Dauer eines bestehenden Vitamin-D-Mangels, die Bedeutung starker Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels sowie mögliche Effekte einer Überdosierung auf den Stoffwechsel des Kieferknochens untersuchen.

Nutzen und Risiko individuell abwägen.

Bis dahin empfehlen die Fachleute ihren zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen, die neuen Erkenntnisse im Rahmen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung bei der Beratung ihrer Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen.


Originalpublikation:

https://www.dginet.de/wp-content/uploads/2026/02/083-055l_S3_Relevanz_VitaminD-B…


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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW