
15 Millionen Jahre alte Lianen-Blüten im Bernstein: Einblicke in die Evolution tropischer Regenwälder
Fossile Blüten, die vor etwa 15 Millionen Jahren in Bernstein konserviert wurden, belegen, dass Kletterpflanzen bereits im Miozän ein wesentlicher Bestandteil tropischer Regenwälder waren. Ein internationales Forschungsteam aus China, Frankreich, Deutschland und Österreich analysierte diese außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien aus Südostchina, um die Biodiversität eines damaligen Ökosystems zu rekonstruieren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Annals of Botany veröffentlicht.
Untersuchung fossiler Blüten aus der Zhangpu-Flora
Die analysierten Blüten stammen aus der Zhangpu-Flora in der chinesischen Provinz Fujian und bieten einen seltenen Einblick in die Pflanzenwelt eines tropischen Regenwaldes des Mittleren Miozäns. Die Forschenden identifizierten zwei exzellent erhaltene Blüten, die zeigen, dass Kletterpflanzen schon vor 15 Millionen Jahren eine bedeutende Rolle in der Vegetationsstruktur spielten.
Eva-Maria Sadowski vom Museum für Naturkunde Berlin betont: „Diese Fossilien belegen nicht nur die Existenz der Pflanzengruppe im Miozän Südostchinas, sondern verknüpfen auch eine damalige Pflanzenlinie mit heutigen Verwandten. Dadurch liefern sie wichtige Hinweise zur Pflanzenentwicklung und zur Zusammensetzung vergangener Ökosysteme.“
Beschreibung einer neuen fossilen Art
Die Blüten gehören zur Gattung Ayenia (Sektion Vahihara) aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Eine der Blüten wurde als neue fossile Art Ayenia zhangpuensis beschrieben, während das zweite Exemplar vorläufig als Ayenia sp. klassifiziert wurde. Mithilfe von Lichtmikroskopie und Röntgentomografie konnten die feinen Blütenstrukturen detailliert untersucht werden.
Gongle Shi vom Nanjing Institute of Geology and Palaeontology erläutert: „Die außergewöhnliche Erhaltung ermöglicht die Identifikation von Merkmalen, die bei fossilen Pflanzen selten erhalten bleiben. Die Ähnlichkeit mit heutigen Ayenia-Arten zeigt, dass die grundlegende Blütenstruktur dieser Linie seit dem Mittleren Miozän bemerkenswert stabil geblieben ist.“
Einblicke in ein tropisches Ökosystem des Mittleren Miozäns
Die Zhangpu-Flora stellt eine der bedeutendsten Quellen für das Verständnis tropischer Ökosysteme während einer globalen Warmzeit im Mittleren Miozän dar. Die Region beherbergte damals einen artenreichen Regenwald, dessen Pflanzen und Tiere durch Bernsteinfossilien mit außergewöhnlicher Detailtreue dokumentiert sind.
Kletterpflanzen sind im Fossilbericht aufgrund ihrer fragilen Strukturen selten nachweisbar, da diese oft vor der Fossilisation zerfallen. Dadurch wird ihre ökologische Bedeutung in vergangenen Waldökosystemen häufig unterschätzt. Die neu beschriebenen Blüten ergänzen das Bild der Zhangpu-Flora um einen wichtigen Aspekt.
Die Entdeckung liefert nicht nur eine Momentaufnahme eines historischen Regenwaldes, sondern zeigt auch eine bemerkenswerte Kontinuität in der Blütenform über Millionen von Jahren. Zudem verdeutlichen die Fossilien, wie Bernstein als Konservierungsmittel Einblicke in die Entwicklung von Pflanzen und Ökosystemen über lange Zeiträume ermöglicht.
Kooperation und Beteiligte Institutionen
- State Key Laboratory of Palaeobiology and Stratigraphy, Nanjing Institute of Geology and Palaeontology, Chinese Academy of Sciences
- University of Vienna
- Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
- Freie Universität Berlin
- Helmholtz-Zentrum Hereon
- Museum national d’Histoire naturelle
- University of Chinese Academy of Sciences
Originalpublikation
Xieting Wu, Simon Beurel, Julien B. Bachelier, Maria von Balthazar, Jörg U. Hammel, Eva-Maria Sadowski und Gongle Shi: Ayenia zhangpuensis sp. nov. (Malvaceae) from the Middle Miocene Zhangpu amber flora. Annals of Botany. DOI: 10.1093/aob/mcag220.




